Kultur & Musik

Erstes Sonntagskonzert nach der Corona-Zwangspause

Generalmusikdirektor Rasmus Baumann (Mitte) begrüßte am Sonntag im Bürgerforum des Gelsenkirchener Hans-Sachs-Hauses die Besucher. Die Neue Philharmonie Westfalen gab dort das Sonntagskonzert unter dem Titel: „Mozart meets Britten“.

Generalmusikdirektor Rasmus Baumann (Mitte) begrüßte am Sonntag im Bürgerforum des Gelsenkirchener Hans-Sachs-Hauses die Besucher. Die Neue Philharmonie Westfalen gab dort das Sonntagskonzert unter dem Titel: „Mozart meets Britten“.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Die Neue Philharmonie Westfalen lud zum ersten Sonntagskonzert nach der Corona-Zwangspause ins Bürgerforum des Gelsenkirchener Hans-Sachs-Hauses.

Wenn ein spielerisch heiterer Sound auf Melancholie und tänzerischen Tiefsinn trifft, dann heißt es „Mozart meets Britten“. Unter diesem Titel startete die Neue Philharmonie Westfalen facettenreich in die Reihe der Sonntagskonzerte im Hans-Sachs-Haus. Zum Auftakt unter strengen Hygieneregeln unterbrach Generalmusikdirektor Rasmus Baumann das Programm gleich an ungewöhnlicher Stelle, nämlich nach dem ersten Mozart-Satz, um endlich wieder „sein“ Publikum willkommen zu heißen.

„Wie wunderbar klingt Mozart nach einem halben Jahr Pause“, jubelte der Dirigent, und das Publikum im ausverkauften Saal freute sich mit ihm. Das mit 17 Musikerinnen und Musikern klein besetzte Orchester füllte den Raum wohltuend mit transparentem, schlanken Klang und wunderbaren Soloeinsätzen. Die programmatische Mischung verlangte dabei nicht nur entspanntes Eintauchen in Wohlfühlmusik, sondern auch aufmerksames Zuhören und Offenheit für Neuentdeckungen. Damit das gelang, moderierte der GMD die Werke kurzweilig an, lud auch mal zu Hörproben ein.

Mozart und Britten waren laut GMD Baumann „musikalische Wunderkinder“

Was Mozart und Britten nicht zuletzt eint, ist ihre frühe musikalische Reife. Baumann: „Beide waren Wunderkinder.“ So komponierte Mozart das von der NPW federleicht und konturenreich interpretierte, lebensfrohe Divertimento D-Dur KV 136 mit erst 16 Jahren. Die Streicher traten hier vital in spritzige Dialoge, kosteten elegant und ohne Hast die melodischen Bögen im lyrischen Andante aus und nahmen im Presto wieder wunderbar Tempo auf.

Erkennen Sie die Melodie? Wenn nicht, nicht schlimm, der Dirigent hilft aus. Das eingängige Thema des dritten Satzes nämlich ist die Erkennungsmelodie des bei Musikfreunden beliebten WDR3-Klassikforums.

Britten schätzte auch seinen Lehrer Frank Bridge sehr

Der Brite Benjamin Britten (1913-1976) bewunderte das Werk Mozarts, schätzte aber auch die Kompositionskunst seines Lehrers Frank Bridge (1879-1941). Von diesem heute eher unbekannten Notensetzer spielte die Neue Philharmonie die ebenfalls eher selten zu hörenden „Three Idylls“ für Streichorchester, drei Sätze voll tiefer, getragener Lyrik, die an alte englische Landschaftsmalerei erinnern. „Oder an Szenen aus der Krimireihe Inspector Barnaby“, meinte Baumann. Hinreißend gelang das sonore Bratschensolo im 1. Satz.

Dem Lehrer widmete Britten die zehn „Variations on a Theme of Frank Bridge op. 10“. In kurzen Tanzsätzen skizzierte er Charakterzüge seines Meisters. Dem Orchester gelangen virtuos farbenreiche und stilsichere Studien, mal grotesk, mal witzig, dann getragen im Trauermarsch oder rumpelnd im schrägen Wiener Walzer. Baumann, der ob der Orchestergröße auf den klassischen Taktstock verzichtete, ließ dynamisch musizieren. Ein gelungener, erkenntnisreicher Auftakt nach der Coronapause.

Die Reihe im Hans-Sachs-Haus wird fortgesetzt

Die Reihe der Sonntagskonzerte im Hans-Sachs-Haus wird unterstützt von der Sparkasse Gelsenkirchen. Das nächste Sparkassenkonzert für die ganze Familie erklingt am Sonntag, 4. Oktober, um 16 Uhr im Musiktheater im Revier.

Karten und Infos: 0209/40 97 200 oder www.musiktheater-im-revier.de

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