Gerburg Jahnke

„Frau Jahnke hat geladen“: Endlich beschwert sich mal jemand

Komödiantin Gerburg Jahnke hatte wieder eingeladen. Diesmal ins Musiktheater im Revier. Dort stand auch ein Wasserglas – wie auf diesem Bild, dass bei ihrem Auftritt in der Essener Lichtburg entstand.

Komödiantin Gerburg Jahnke hatte wieder eingeladen. Diesmal ins Musiktheater im Revier. Dort stand auch ein Wasserglas – wie auf diesem Bild, dass bei ihrem Auftritt in der Essener Lichtburg entstand.

Foto: Christof Köpsel

Gelsenkirchen.   Gerburg Jahnke hatte wieder ins Musiktheater im Revier eingeladen. Der Abend war ausverkauft - und nicht nur Frauen amüsierten sich prächtig..

„Kannste nicht trinken, Wasser. Ficken Fische drin. Und nach acht Uhr abends wird mir von Wasser ohnehin schlecht.“ Endlich beschwert sich mal jemand über das bescheuerte Glas Wasser, das die Veranstalter ihren Künstlern immer auf den Tisch stellen. Gerburg Jahnke würde ein Schoppen Weißwein tatsächlich besser stehen. Obwohl – um ihr Mundwerk zu lockern, ist der eigentlich auch nicht nötig.

„Frau Jahnke hat geladen“ – mit diesem Format bereist der Ex-Missfit als noch immer Unangepasste und hoffentlich niemals in irgendein Korsett Hineinpassende seit Jahren die deutschen Bühnen. Erst vor kurzem hatte die 63-Jährige die vergleichsweise kleinen Herner Flottmann-Hallen gefüllt; die Vorstellung am Freitag im MiR verkaufte sie mühelos aus.

Schrille Performance

Vorgestellt werden in „. . . hat geladen“ ausschließlich weibliche Künstlerinnen – Comediennes, Kabarettistinnen, Sängerinnen. Mit Georgette Dee am Freitag war die Ausnahme politisch korrektes Selbstverständnis; der Travestie-Künstler war schon Gender-relevant, als es die Debatte noch gar nicht gab.

Allerdings ging Dee einem kleinen Teil des Publikums ziemlich auf die Nerven, einige gingen nach seinem Auftritt in der Pause. Ihnen sollte die schrille Performance von Rosemie mit ihrem Alphorn entgehen.

Um die Ecke denken

Neben Dee und Rosemie Warth durften auch Liza Kos und Nessi Tausendschön zeigen, auf welche Weise sie zu amüsieren gedenken. Tausendschön wählte eine Fußballreportage in Verkleidung eines Sex-Werbespots in einem TV-Privatsender.

Bei Wortspielen wie „zum Peitschspiel“ musste man vielleicht um die Ecke denken, einiges kam zu laut und geschlechterkämpferisch herüber, aber meistens war’s lustig und sprachgewandt. Und insgesamt hat sie vielleicht Recht, wenn sie sagt: „Niemand sollte Sportreporter sein, weder Frauen noch Männer.“

Begleitet von einem losen Mundwerk

Liza Kos hat es als gebürtige Moskauerin mit dem Thema Integration. Ihre Masche ist die leichte Schlaffheit, die schlechte Laune, die Bedienung von Klischees – und damit ihre Untergrabung. „Ich kann auch ohne Akzent sprechen. Will ich aber nicht.“ Dann greift sie zum typisch russischen Instrument, der Balalaika – die sich als stinknormale Gitarre entpuppt. „Die ist auch integriert“, sagt sie.

Gerburg Jahnke kann einladen, wen oder was sie will, sogar Männer. Am besten ist sie allein auf der Bühne, nur begleitet von ihrem losen Mundwerk, von ihrer Spontaneität, die sie nie verlässt, die ihr für jeden Topf einen Deckel in die Pfoten drückt. „Uli“, sagt sie zu einem Besucher in den vorderen Reihen. „Du warst doch beim letzten Mal auch da. Hat’s dir nicht gereicht?“

Sie kokettiert, lästert, ist selbstironisch. „Wenn ich lauter spreche, geht das Erotische an meiner Stimme verloren.“ Die mehrheitlich weiblichen Besucher schütteln sich vor Lachen. Es ist eben „ein Frauenabend“. Dennoch: Der Männer-Anteil steigt mit jedem Auftritt. Weil: „Man kann Männer nicht allein zu Hause lassen.“

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