Buchprojekt

Elf Flüchtlinge aus Syrien schrieben ihre Erlebnisse auf

Lasen am Freitagabend im Bildungszentrum aus ihren Werken vor: elf Flüchtlinge, die über ihre schrecklichen Kriegserfahrungen, ihre Ängste, aber auch Hoffnungen berichten.

Lasen am Freitagabend im Bildungszentrum aus ihren Werken vor: elf Flüchtlinge, die über ihre schrecklichen Kriegserfahrungen, ihre Ängste, aber auch Hoffnungen berichten.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen.   Schrecklichen Kriegserfahrungen, Ängste, aber auch Hoffnungen: Elf Kriegsflüchtlinge aus Syrien trugen ihre Texte im Bildungszentrum vor.

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„Lasst uns die Kerze der Zukunft zusammen anzünden, damit ihr uns Hoffnung fürs Leben geben werdet. Wir werden eure Hilfe nicht vergessen.“

Gihad ist ein junger Syrer, der seine Kriegserlebnisse, seine Gefühle und Sehnsüchte aufgeschrieben hat. Er ist einer von elf Flüchtlingen, die über ihre schrecklichen Kriegserfahrungen, ihre Ängste, aber auch Hoffnungen berichten. Im Rahmen einer Ausstellung im Bildungszentrum lasen die Gelsenkirchener Neubürger aus ihrem gemeinsamen Buch „Versuche Unaussprechliches zu sagen – zwischen Flucht und Ankommen“ vor.

Dramatisch verlaufen ihre Schilderungen über die Traumata der Flucht, lyrisch und prosaisch sind zum Teil die Texte verfasst, die alle aus der Feder der Flüchtlinge entstanden sind. Die Ausdruckskraft und Sprachfantasie der jungen Leute ist bemerkenswert. Alle Texte haben sie in Deutsch verfasst, einer Sprache, die ihnen bis vor zwei Jahren noch fremd war.

Ausdruck von Trauer, Verzweiflung aber auch Hoffnung

Acht Männer und drei Frauen lassen ihre Seele sprechen, aus der Trauerarbeit, Verzweiflung, aber auch Zuversicht über ihre neue Lebenssituation in Deutschland hervorgehen.

VHS-Programmbereichsleiterin Brigitte Schneider sieht das Projekt beispielhaft dafür, wie Integration laufen sollte. Aus dem Talentcampus, einem Theaterprojekt, habe sich die Schreibwerkstatt entwickelt. Mit Begeisterung hätten die Teilnehmer die Idee aufgenommen, zu schreiben. Unter der Leitung der VHS-Dozenten Reimund Neufeld und Ernel Siala traf sich die Gruppe über einige Semester regelmäßig.

„Zunächst wurden die Texte der jungen Leute aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzt“, erinnert sich Reimund Neufeld. „Das Mitteilungsbedürfnis der Jugendlichen war enorm. Sie wollten über ihre Gefühle, ihre Erfahrungen, ihre Ankunft in der fremden Welt erzählen.“

Ziel ist es, den Dialog zu fördern

Nach einiger Zeit verfassten die Teilnehmer ihre Texte schon auf Deutsch. „Zwischen den Zeilen“, erkannte der 60-jährige Autor und Pädagoge, „konnte man die Traumata, die hinter Kriegserlebnissen und Flucht stecken, erkennen. Ich glaube, dass die jungen Leute ihre Texte auch als Eigentherapie angesehen haben.“ Als Ergänzung zu den eigenen Texten interviewten Reimund Neufeld und Ernel Siala die jungen Autoren.

Ziel des Projekts ist es, inklusiv zu denken, den Dialog zwischen Flüchtlingen und der Gesellschaft zu fördern, Vorurteile abzubauen. „Es geht nicht nur ums Ankommen, die Flüchtlinge haben auch emotionale und soziale Bedürfnisse“, betont Neufeld. Der erfahrene Pädagoge ist erstaunt, wie gefestigt und selbstbewusst die Jugendlichen sind, die minderjährig und unbegleitet im Krieg die Heimat verließen und in einer fremden Welt ankamen.

>> Weitere Lesungen sind geplant

Die Ausstellung mit eindrucksvollen Porträts der Flüchtlinge durch die Fotografin Julia Schönstadt ist noch bis Ende August im Bildungszentrum zu sehen. Das Buch ist über das Internet oder den Buchhandel erhältlich.

Das Projekt wurde aus dem Fördertopf „Kultur macht stark“ des Bundesbildungsministeriums und über den Talentcampus des Deutschen Volkshochschulverbandes finanziert. Weitere Lesungen sind in Schulen geplant.

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