Extraschicht 2017

Eine Nacht voll magischer Momente

Ein Spektakel aus Feuer und Laserlicht bot die halbstündige Show im Amphitheater.

Ein Spektakel aus Feuer und Laserlicht bot die halbstündige Show im Amphitheater.

Foto: Michael Korte

Gelsenkirchen.   Die Extraschicht im Nordsternpark zieht Tausende Besucher in ihren Bann. Was die Besucher besonders faszinierte, was Jüngeren fehlte.

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Nieselregen, ausgerechnet zur besten Abendzeit. Wo Nordsternturm und Herkules, Pumpwerk und Emscherbrücke sowie das Amphitheater in kunterbunten Farben erstrahlen. Und doch wohnt dem Regen Magisches inne. Millionen Wassertropfen funkeln Sternen gleich über den Köpfen der Zuschauer im Halbrund am Kanal – zum Leuchten gebracht von einer ganzen Batterie von Lasern. Eine Szene von unzähligen besonderen Momenten, die sich den Besuchern der Extraschicht 2017 ins Gedächtnis eingeprägt haben dürften. Tausendfach, denn die lange Nacht der Industriekultur hat seit ihrer Premiere im Revier im Jahr 2001 nichts an ihrer Faszination verloren.

„Friedhofsblond“, aber voller Elan

Da sind zum Beispiel Johanna und Heinz-Wilhelm Kraft aus Bottrop, „beide friedhofsblond“, also in Ehren ergraut, wie die 72-Jährigen frotzelnd unter dem Herkules erklären, aber voller Neugier und Elan. Zusammen mit drei Wanderfreunden aus Essen und Gladbeck lassen sie sich übers Gelände treiben. Zu Fuß, das Rad blieb wegen des Wetters dieses Mal daheim. „Kohlebunker und Amphitheater“ wollen die Extraschicht-Fans besuchen. Und vielleicht noch den Bergbaustollen. Doch bislang haben sie „nur“ die im edlen Weiß bestuhlte Lounge der Emschergenossenschaft geschafft. Was wohl nicht am Alter liegt, sondern vielleicht mehr am „Schlagsaitenquantett“. Die Aachener ziehen mit einer feurig-virtuosen Mischung aus Gipsy, Jazz und Latin-Musik die Besucher in ihren Bann. Und auch die Cocktail können was.

Hoch hinaus in die 18. Etage

Miryam Peteler (51) aus Herne hat die lange Nacht beim Vorjahresprogramm rund um die Bochumer Jahrhunderthalle erstmals kennen und sofort lieben gelernt. Mit ihrem Freund Volker Otte (48), für ihn ist es sein erstes Mal, geht es hoch hinauf in die 18. Etage des Nordsternturms. Der Blick von Stadt zu Stadt, von gelbem Ballon zu Ballon (Schachtzeichen), ist auf 83 Metern aber durch Wolken und Regen getrübt. Wie auch ihre Anreise. Der Umbau des Busbahnhofes hat dazu geführt, dass das Paar die Haltestelle des Shuttle-Busses nicht sofort fand. „Zum Glück haben wir einen der blauen Helfer getroffen“, erzählen sie, einen Volunteer.

Im Turm bestaunen Volker und Miryam mit Dutzenden anderen – darunter viele Kinder und Jugendliche – die mächtige Fördermaschine, die Michael Tuski 25 Jahre lang bedient hat. Sie lauschen und lachen fasziniert, wenn der Ex-Kumpel von allerlei Schabernack neben der Arbeit erzählt: von Klorollen etwa, die er bei böigem Wind aus dem Turm warf und die so zu riesigen Papierschlangen wurden, oder von seinen lauten Fingerübungen mit E-Bass und Verstärker. „Zu Hause unmöglich“, da hätte er sich wohl eine gefangen von der Liebsten.

Das weltgrößte Ein-Mann-Orchester

Gefangen von Bild und Ton sind auch Groß und Klein, die die Multimedia-Ausstellung „Wandel ist immer“ anschauen. Infotainment zum knochenharten Alltag der Bergmänner, Bilder und Videos über Strukturwandel, Grubenunglücke und Zechensterben. Und über den „umstrittensten Hintern des Reviers“ – nämlich den vom 23 Tonnen schweren Herkules, der seit 2010 über allem thront im Park.

Ein Publikumsmagnet ist auch „Der schwebende Dr. Musikus“. Illuminiert von mehr als 1600 LEDs und ausgestattet mit Seifenblasenmaschine, Feuerkanonen und wohl auch mit einem Snakeboard als unsichtbarer Antrieb, schwebt Klemens Kopka als „Das größte Ein-Mann-Orchester der Welt“ (Guinnessbuch der Rekorde) durch die Reihen. Das passende Lied: „Über den Wolken“ von Reinhard Mey, allerdings in der Samba-Version.

Christine (27), Michaela (27) und Deike (28) aus Gladbeck, die auf der „blauen Brücke“ das Feuerwerk über dem Rhein-Herne-Kanal genießen, finden das zwar ziemlich cool, „vermissen Bars und Partys für die Generation unter 35“. Die drei Schulfreundinnen erwägen daher, nach Bochum zu wechseln. Das gut gefüllte Discozelt am Nordsternplatz, aus dem „Macarena“ oder „Mambo Nr. 5“ in den Park schallen, bleibt dann denen überlassen, die damit mehr anfangen können.

>> Wettbewerb um die besten Bilder der Extraschicht

Die Extraschicht ist vorbei, aber der Fotowettbewerb läuft noch bis zum 2. Juli. Unter www.extraschicht.de/fotowettbewerb können Besucher ihre zwei besten Fotos hochladen.

Vormerken: Die nächste und damit 18. Extraschicht findet am 30. Juni 2018 statt.

Laut Ruhr Tourismus GmbH besuchten die Extraschicht im Revier insgesamt 235 000 Gäste.

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