Passionszeit

Eine Gelsenkirchener Konzertreihe mit Leidenschaft

Die drei Kirchenmusiker Andreas Fröhling, Thomas Dieker und Jens Martin Ludwig (von links) gestalten das Konzertformat „Leiden und Leidenschaft“.

Die drei Kirchenmusiker Andreas Fröhling, Thomas Dieker und Jens Martin Ludwig (von links) gestalten das Konzertformat „Leiden und Leidenschaft“.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen.   Andreas Fröhling, Thomas Dieker und Jens-Martin Ludwig laden zu einer neuen Gelsenkirchener Konzertreihe ein. Ihr Thema: Leiden und Leidenschaft

Leiden und Leidenschaft – diese beiden Elemente spielen in der christlichen Passionszeit eine große Rolle. Drei Gelsenkirchener Organisten möchten die vielen Facetten dieser Begriffe nun musikalisch darstellen – und laden mit einer Konzertreihe zum Zuhören ein.

Ihr Konzert-Dreiklang setzt dabei sehr unterschiedliche Schwerpunkte. Den Auftakt macht Kantor und Organist Thomas Dieker mit einem Konzert am Sonntag, 24. März, in der Thomaskirche an der Surkampstraße 33 in Erle. Unter dem Titel „Der dich behütet, schläft nicht – Passion und Zuversicht“ erklingen a cappella-Werke und Orgelstücke im munteren Wechsel.

Wortlastiges Programm

„Unser Programm ist sehr wortlastig und setzt sich musikalisch mit biblischen Texten aus der Passionszeit auseinander“, erzählt Dieker. In der klanglich reizvollen Besetzung von drei Frauenstimmen werden Teile der Leidensgeschichte Jesu aus dem Matthäusevangelium musikalisch dargestellt. Das Ensemble „Selva Vocale“ mit Susanne Dieker (Sopran), Julia Hagemann (Mezzosopran) und Susanne Reimann (Alt) wird von Thomas Dieker an der Orgel und am Klavier begleitet. „Zwischendurch werden auch drei Gedichte vorgetragen, unter anderem von Nelly Sachs und Ingeborg Bachmann, das ist insgesamt schon eine sehr spannende Sache“, verspricht Dieker.

Genau eine Woche später erklingt in der Nicolai-Kirche an der Ückendorfer Straße 108 das Herzstück dieses Konzert-Dreiklangs: Mit großer Besetzung inszeniert Kirchenmusikdirektor Andreas Fröhling hier Johann Sebastian Bachs „Matthäus-Passion“: Ein echtes Ausnahmewerk. Unter anderem sind der Städtische Musikverein Gelsenkirchen, die Kantorei an der Nicolai-Kirche, ein Kinderchor aus Mülheim und das Essener Folkwang-Kammerorchester mit von der Partie. „Das Werk erfordert so viele Musiker, dass es nur selten in derart großer Besetzung aufgeführt wird“, erklärt Andreas Fröhling. Die Nicolai-Kirche in Ückendorf muss für das Großkonzert etwas umgebaut werden: Auf einem Podest im Altarraum sollen die rund 100 Sänger Platz finden, für die Instrumentalisten werden die ersten Stuhlreihen aus dem Kirchenschiff geräumt.

Ruhepol in hektischen Zeiten

„Bachs Matthäus-Passion ist zwar sehr aufwändig, vor allem erfordert sie viele Proben, aber vor allem ihre Arien sind so wunderschön, dass man in eine ganz andere Welt eintaucht“, schwärmt Andreas Fröhling. „Das Werk lädt auch dazu ein, in hektischen Zeiten einmal zur Ruhe zu kommen“, merkt sein Kollege Jens-Martin Ludwig an.

Ludwig, selbst Kantor und Organist in der evangelischen Emmaus-Gemeinde, wird den musikalischen Reigen beschließen mit der „Markus-Passion“, die Reinhard Keiser zugeschrieben wird: Am Freitag, 5. April, steht das Werk ab 19.30 Uhr in der Altstadtkirche am Heinrich-König-Platz auf dem Programmzettel. Gestaltet wird das barocke Werk unter Leitung von Jens-Martin Ludwig von der Gelsenkirchener Kantorei und dem Barockorchester „Le chardon“.

>>Kurioses Werk als Inspirationsquelle

Das Matthäus-Evangelium wirkt bei allen drei Konzerten der Reihe „Leiden und Leidenschaft“ als verbindendes Glied: Während am 24. März in Erle die Texte des Evangeliums musikalisch aufgegriffen werden, steht am 31. März in Ückendorf die darin erzählte Geschichte im Mittelpunkt.

Das Abschluss-Konzert in der Altstadt-Kirche ist zwar der Markus-Passion gewidmet, doch diese gilt als eine der wichtigsten Inspirationsquellen für Bachs „Matthäus-Passion“. „Es ist überliefert, dass Bach diese Version der Markus-Passion in jungen Jahren mehrfach selber aufgeführt hat. Seine eigenen Passionen wären ohne dieses Lehrstück wahrscheinlich nicht so entstanden“, erklärt der Kirchenmusiker Jens-Martin-Ludwig, der sich mit den Werken eingehend beschäftigt hat.

„Kurios ist, dass die ‘Markus-Passion’ zwar Reinhard Keiser zugeschrieben wird, weil die Partitur wohl in einem Umschlag mit seinem Namen überliefert wurde. Aber Musikwissenschaftler sind sich inzwischen sicher, dass die Komposition nicht von Keiser stammen kann“, so Ludwig. Dennoch sei dies ein sehr reizvolles Werk mit toller Dramatik.

Der Eintritt ist am 24. März und am 5. April frei, am 31. März kostet er im Vorverkauf 12 Euro, an der Abendkasse 15 Euro, ermäßigt 5 Euro. Mehr Info dazu auf

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