Am Ende der Woche

Eine Frage der Verhältnismäßigkeit

Steffen Gaux, Leiter der WAZ-Redaktion Gelsenkirchen.  

Steffen Gaux, Leiter der WAZ-Redaktion Gelsenkirchen.  

Foto: Kai Kitschenberg

BP und Uniper pusten zusammen achtmal soviel NOx in die Luft wie der Gelsenkirchener Straßenverkehr. Dennoch drohen Fahrverbote. Ein Kommentar.

Ob Gelsenkirchen tatsächlich den drohenden Fahrverboten auf der Kurt-Schumacher-Straße entgehen kann, steht noch in den juristischen Sternen. Immer klarer wird hingegen das Bild, was die Verhältnismäßigkeit einer solchen Maßnahme angeht. Man muss zwei Dinge unterscheiden: Zum einen die Messwerte an einer bestimmten Stelle, zum anderen das globale Klima. Für letzteres ist es eher irrelevant, ob Diesel-Autos über die Schalker Meile fahren dürfen oder nicht. Wenn überhaupt, hat es negative Auswirkungen – weil die Fahrzeuge dann andere, meist deutlich weitere Ausweichstrecken befahren.

Natürlich ist es das gute Recht der Umwelthilfe, auf bestehende Grenzwerte zu achten und – wenn nötig – deren Einhaltung juristisch durchzusetzen. Aber Klima und Erderwärmung lassen sich nun mal nicht in Straßenzügen betrachten. Das macht die ganze Sache so sonderbar – erst recht, wenn man weiß, dass es in einer Stadt wie Gelsenkirchen deutlich größere Stickoxid-Verursacher gibt als ein paar olle Diesel-Karren.Uniper und BP erzeugen hier zusammen fast achtmal so viel NOX wie der gesamte Straßenverkehr. Da ist es doch absolut irre, ein paar Hundert Meter Schalker Meile von den sogenannten „Dreckschleudern“ zu befreien. Es wird an Gelsenkirchens NOX-Bilanz nichts ändern! Und ob die Anwohner der Kurt-Schumacher-Straße im Falle eines Fahrverbots befreiter durchatmen können, wage ich auch stark zu bezweifeln.

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