Jüdische Gemeinde

Ein Jahr nach judenfeindlicher Demo: Das ist geblieben

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NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU, Mitte) spricht in der jüdischen Synagoge in Gelsenkirchen mit jüdischen, muslimischen und christlichen Jugendlichen über die Vorfälle vor einem Jahr vor der Synagoge.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU, Mitte) spricht in der jüdischen Synagoge in Gelsenkirchen mit jüdischen, muslimischen und christlichen Jugendlichen über die Vorfälle vor einem Jahr vor der Synagoge.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Vor einem Jahr skandierten Teilnehmer einer unangemeldeten Demo in Gelsenkirchen erschütternde antisemitische Parolen. Was seither geschah.

Es waren Szenen, die sich ins kollektive Gedächtnis weiter Teile der Gelsenkirchener Stadtgesellschaft eingebrannt haben. Szenen, die viele für nicht mehr möglich gehalten haben.

Während erneuter blutiger Auseinandersetzungen im Nahost-Konflikt zwischen Israel und Palästinensern hatten sich in Gelsenkirchen am 12. Mai 2021 etwa 180 Menschen zu einer Demonstration versammelt. Fahnenschwenkend und „Kindermörder Israel“ skandierend zog der Protestzug gegen 17.40 Uhr über den Bahnhofsvorplatz in Richtung Synagoge. Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, Judith Neuwald-Tasbach, ist bis heute bestürzt.

Just an jener Stelle, an der ihr Vater Kurt Neuwald, der die Schoah überlebt hatte, einst antisemitische Hassparolen und Schlimmeres erleiden musste, war ihre Gemeinde nun antijüdischem Gebrüll von einem hasserfüllten Mob ausgesetzt. Videosequenzen verbreiteten sich damals rasend schnell im Internet und halfen später etwa zwei Dutzend Demonstranten zu identifizieren, einige wurden wegen Volksverhetzung bereits verurteilt.

Welle der Solidarität mit der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen

Die jüdische Gemeinde erlebte in den Tagen nach der Hass-Demonstration eine Welle der Solidarität, die nach Angaben von Neuwald-Tasbach bis heute anhält. Entgegen früherer antisemitischer Übergriffe habe es diesmal einen Weckruf gegeben, berichtet die Gemeindevorsitzende. Dass auch die Stadt Gelsenkirchen weiter fest an der Seite der Gemeinde steht, bekräftigten sowohl Oberbürgermeisterin Karin Welge (SPD) am Donnerstag als auch Bürgermeisterin Martina Rudowitz (SPD) am Freitag im Rahmen eines Besuchs des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (CDU) in der Synagoge.

Wüst kam mit jungen Jüdinnen und Juden und einer Schülergruppe der Gertrud-Bäumer-Realschule zusammen, die dem Ministerpräsidenten, der am Sonntag auf seine Wiederwahl hofft, von ihrem Bemühen berichteten, „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zu sein. Er wolle klarmachen, dass „die schrecklichen Bilder, als damals Menschen hier in Gelsenkirchen und an verschiedenen Orten vor Synagogen gezogen sind und antisemitische und judenfeindliche Parolen skandierten, uns tief getroffen und schockiert haben“, so der CDU-Politiker.

Die Vorfälle und Anfeindungen im Mai 2021 ermahnten, dagegen aufzustehen und klar zu formulieren, dass Antisemitismus, Extremismus und Gewalt in NRW keinen Plätz hätten.

Ministerpräsident Hendrik Wüst spricht vereitelten Anschlag auf Essener Schulen an

Der Ministerpräsident sprach auch den mutmaßlich vereitelten Anschlag in Essen an. „Ein mutiger Hinweisgeber und unsere Polizei haben am Donnerstag einen möglicherweise verheerenden Anschlag auf zwei Schulen in Essen verhindert“, sagte Wüst. Er verwies darauf, dass beim festgenommenen Verdächtigen SS-Runen sowie rechtsextreme, antisemitische und antimuslimische Schriftstücke gefunden wurden. „Im Kampf gegen Menschenhass steht Nordrhein-Westfalen fest zusammen und wehrt Attacken auf seine offene Gesellschaft gemeinsam ab.“

„Der Schlüssel für einen nachhaltigen Kampf gegen Antisemitismus liegt in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Sie sind den Vorurteilen, die sie zu Hause, in der Schule und in ihrem Freundeskreis erleben, vollkommen ungeschützt ausgeliefert“, berichtete Judith Neuwald-Tasbach von ihren Erfahrungen, aber auch, dass dabei „schon viele Fortschritte gemacht wurden“.

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