Glücksbringer

Ein Gelsenkirchener Schornsteinfeger mit Leib und Seele

Es gibt sie noch: Die Häuser mit Kamin. Hier arbeitet Schornsteinfegermeister Stephan Planz auf einem Haus in der Augustastraße. Für ihn ist blauer Himmel und Arbeit auf dem Dach das pure Glück.

Es gibt sie noch: Die Häuser mit Kamin. Hier arbeitet Schornsteinfegermeister Stephan Planz auf einem Haus in der Augustastraße. Für ihn ist blauer Himmel und Arbeit auf dem Dach das pure Glück.

Foto: Heinrich Jung

Gelsenkirchen-Bulmke-Hüllen.  Auch der Vater und Bruder von Stephan Planz haben sich der luftigen Arbeit verschrieben. Der Meister hat glücklicherweise den Kehrbezirk 04.

Er strahlt. „Ich habe den schönsten Beruf, den man haben kann“, sagt Schonsteinfegermeister Stephan Planz. Und völlig glücklich ist er, wenn er auf den Dächern steht. „Immer sind die Menschen nett zu mir, bleiben stehen, winken einem zu und freuen sich.“ Einen Beruf zu haben, der für Glück steht, mit dem die Menschen Sicherheit verbinden – das macht dem 46-Jährigen so schnell niemand nach. „Ich bin Schornsteinfeger mit Leib und Seele“, sagt er.

Nach der Schule erst für eine Banklehre interessiert

Eigentlich konnte er gar nicht anders als den Beruf des „schwarzen“ Mannes mit Leiter, Kugel, Schultereisen und Stoßbesen zu erlernen. Schließlich war auch sein Vater hoch oben auf den Dächern zu Hause, und sein sieben Jahre jüngerer Bruder erlernte das Handwerk ebenfalls.

Zunächst habe er sich nach dem Realschulabschluss für eine Banklehre interessiert, lacht er. Sogar das Vorstellungsgespräch hatte er schon hinter sich. Dann „funkte“ aber der Papa dazwischen und riet ihm, doch noch einmal nachzudenken, ob er nicht bei ihm eine Ausbildung zum Schornsteinfeger machen wolle. „Zum Glück hab’ ich mich dann dafür entschieden“, sagt er. 17 Jahre war er nach seiner Ausbildung, die er 1990 begonnen hat, dann bei seinem Vater angestellt und machte einige Jahre später seinen Meister.

Ich würde den Beruf immer wieder ergreifen“, schwärmt er. Probleme, auf hohen Dächern seinen Arbeitsplatz zu haben, habe er eigentlich nie gehabt. „Ich kam durch meinen Vater schon früh mit der Arbeit in Berührung. Außerdem hat man ja auf einem Dach Boden unter den Füßen.“ Anders als auf dem Tetraeder in Bottrop, auf dem man durch die Stahlrohre hindurch den Boden sehen kann.

Zum Arbeitsbereich gehören meist Mehrfamilienhäuser

„Für mich gibt es nichts Schöneres, als bei herrlich blauem Himmel auf einem Dach zu stehen“, schwärmt er. Diese Zeiten werden für ihn allerdings zunehmend weniger. Das hängt zum einen mit seinem Gebiet zusammen, dem Bezirk IV in Gelsenkirchen, den er natürlich 04 nennt. Er umfasst Bulmke-Hüllen und einen Teil von Schalke. Das heißt, zum Arbeitsbereich von Stephan Planz gehören meistens Mehrfamilienhäuser, da geht es mehr ums Überprüfen von Heizungen. „Mittlerweile sind dort kaum noch Kamine auf den Dächern, denn es gibt mehr Etagenheizungen. Das hängt aber ganz von den Gegebenheiten im Kehrbezirk ab.“ In Flächengebieten wie dem Münsterland haben viele Bauernhäuser noch Kamine, die von oben gekehrt werden müssen.

Die EU hat ihren Teil zu mehr Bürokratie beigetragen

Außerdem hat – wie in jedem Arbeitsbereich – der Bürokratieaufwand die Oberhand gewonnen. „Oft sitze ich bis spät in den Abend hinein und bearbeite die einzelnen Aufträge“, sagt der 46-Jährige. Das ist in der Regel auf deutsche Vorschriften zurückzuführen. Aber auch die EU hat ihren Teil zu mehr Bürokratie beigetragen. „Wir müssen uns jetzt alle sieben Jahre um einen Kehrbezirk bewerben, weil er dann neu vergeben wird.“ Die EU habe das Monopol aufgehoben, das es früher für die Schornsteinfegermeister gab. Mittlerweile kann sich jeder Bürger seinen Kaminkehrer selbst aussuchen.

Frauen findet man in dem Gewerbe ausgesprochen selten, weil die Arbeit auf dem Dach körperlich anstrengend ist. „Die 14 Bezirke von Gelsenkirchen sind fest in Männerhand. Aber wir suchen dringend Azubis – auch Frauen“, schließt Stephan Planz ab.

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