Verbrechen der Nazis

Ein dunkles Kapitel der Geschichte im Justizzentrum

Überlebende des Massakers durch die Nazis haben ihre schrecklichen Erinnerungen aufgeschrieben. Sie sind an verschiedenen Stelen im Foyer des Justizzentrums zu lesen.

Foto: Thomas Schmidtke

Überlebende des Massakers durch die Nazis haben ihre schrecklichen Erinnerungen aufgeschrieben. Sie sind an verschiedenen Stelen im Foyer des Justizzentrums zu lesen. Foto: Thomas Schmidtke

Ückendorf  In der Ausstellung „Wege der Erinnerung“ in Gelsenkirchen kommen Überlebende der Shoa zu Wort. Nazis erschossen über 33000 Juden in 36 Stunden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Innerhalb von 36 Stunden töteten Nazi-Schergen und deutsche Polizisten vor 76 Jahren mehr als 33000 jüdische Bürger in der Schlucht von Babyn Jar bei Kiew. In der Ausstellung „Wege der Erinnerung“ im Justizzentrum wird Augenzeugen, Überlebenden und Angehörigen wieder eine Stimme gegeben. Sie weisen mit eigenen Erlebnissen auf die Massaker der NS-Diktatur und erinnern sich an das unendliche Leid ihrer Angehörigen, Freunde und Nachbarn. An Stelen sind unter ihren Fotos ihre Erinnerungen festgehalten, die in erschütternden Berichten die menschenverachtenden Praktiken der Nazis aufzeigen.

Wahrheit muss Wahrheit bleiben

Lapidar hatten die Nationalsozialisten damals alle jüdischen Bürger aufgerufen, an einem bestimmten Ort zu erscheinen. „Wir dachten, es ginge zur Arbeit“, erinnert sich ein Zeitzeuge. Er konnte nicht ahnen, dass es der Weg in den Tod war. Eine Frau überlebte unter Leichen, weil sie der Großvater vor der Erschießung in das Massengrab gestoßen hatte. Einer Initiative des Landessozialgerichts und der jüdischen Gemeinde Düsseldorf ist die Dokumentation der Shoa zu verdanken.

Der Historiker und Mitinitiator Matthias Richter hatte in einer Anzeige Zeitzeugen gesucht, die über ihr Schicksal berichten würden. 16 jüdische Bürger, die das Massaker überlebt hatten, meldeten sich. Viele trauten sich zum ersten Mal, ihre Erlebnisse öffentlich zu machen. Sie sehen ihre Vergangenheit als Mahnung an heutige und zukünftige Generationen. In 28 Orten hatten die Nazis damals jüdisches Leben ausgelöscht.

Engagiert gegen das Vergessen eintreten

Silvia Fleck, Präsidentin des Sozialgerichts, sieht es als Aufgabe der Gesellschaft, engagiert gegen das Vergessen einzutreten. Das Zitat eines Überlebenden „dass meine Vergangenheit nicht zu eurer Zukunft wird“, habe sie inspiriert, diese Ausstellung auch in Gelsenkirchen zu zeigen. Exemplarisch sieht die Juristin die Ergebnisse der Bundestagswahlen als Beleg für zunehmend nationalsozialistisch geprägtes Gedankengut. Sie forderte alle auf, darauf zu brennen, dass historische Wahrheiten Wahrheiten blieben.

Das Lebensschicksal jüdischer Arbeiter beschäftigt noch heute die Sozialgerichtsbarkeit. Es geht um Rentenansprüche von Personen, von denen viele heute im Ausland leben. Bürgermeister Werner Wöll erinnerte daran, dass es auch in Gelsenkirchen noch jüdische Bürger gebe, die ihre Angehörigen verloren hätten und mit dem nie aufhörenden Schmerz leben müssten.

Delegation suchte Dialog mit jungen Ukrainern

Eine multikulturell besetzte Delegation suchte 2016, organisiert von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, unterstützt durch das Auswärtige Amt, nach Spuren der Opfer und Täter von Lviv über Czernowitz bis nach Babyn Jar. Die Gruppe traf Zeitzeugen, Wissenschaftler, Menschenrechtler und Journalisten. Vor allem suchte sie den Dialog mit jungen Ukrainern. Nach der Vorführung der filmischen Dokumentation herrschte nachdenkliches Schweigen bei den Besuchern im Justizzentrum.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik