Tiergesundheit

Ein Behandlungszentrum für tierische Patienten in Schalke

Gut drei Wochen alt ist Kätzchen Fiona, das Dr. Jessica Dröschel in Händen hält – ein Fundtier, das in der Praxis per Hand aufgezogen wird. 

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gut drei Wochen alt ist Kätzchen Fiona, das Dr. Jessica Dröschel in Händen hält – ein Fundtier, das in der Praxis per Hand aufgezogen wird.  Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen.   Vom Beauty-Studio bis zum OP-Trakt: Das SmartVet Tiergesundheitszentrum hat auf 1500 Quadratmetern in Schalke Platz und Angebot erweitert.

Schnauzer schneiden, Haare an den Pfoten trimmen, Nagelpflege. Alex, Rauhaardackel im gesetzteren Alter, kennt die Prozedur. Daniela Beck hält ihren Hund auf dem Tisch fest, Dörte Reuther geht routiniert ihrer Arbeit nach. „Eigentlich sieht Alex ja immer gut aus, aber jetzt wird er richtig chic gemacht“, sagt Frauchen. Rundum riecht noch alles frisch und neu. Erst vor wenigen Tagen wurde das SmartVet Tiergesundheitszentrum an der Lockhofstraße 9 eröffnet – nach einem Umzug von wenigen Metern.

„Flughafenanzeige“ und Tür-Displays

Drei Kabinen mit gläserner Front hat das „Beauty-Studio“ direkt am Wartebereich. Gegenüber ist der große Empfangstresen. Frauen und Männer warten mit ihren Vierbeinern. Eine „Flughafenanzeige“ hängt an der Wand, lotst die Klienten weiter, an Tür-Displays wird aufgezeigt, wer hier gleich warum zur Behandlung kommt.

Ein Labrador macht sich klein, eine Bulldogge drückt sich vor Herrchens Beine, eine Katze guckt aus ihrer Transportbox – allesamt sind sie keine Beauty-Kandidaten, sondern tierische Patienten, für die sich in Kürze eine der Behandlungsraumtüren öffnen wird. Wie für rund 140 weitere Kunden an diesem Tag. Das ist der Schnitt im Schalker Tiergesundheitszentrum.

Rund 140 Kunden pro Tag in der Praxis

„Die alte Praxis war mal geplant für sechs Personen. Zum Schluss arbeiteten an die 30 dort, darunter elf Tierärzte. Da platze es aus allen Nähten. Manchmal mussten wir Leute wegschicken“, sagt Olaf Thamm, Gründer und Geschäftsführer der SmartVet GmbH. Thamm investierte in der direkten Nachbarschaft in Schalke. Die ehemalige „Kiefern-Kate“ ist jetzt Sitz seines Tiergesundheitszentrums. Und Enge ist hier kein Problem mehr: 14 Sprechzimmer, drei Operationsräume, Labor, Dentalraum, Physiotherapieraum, digitale Röntgenstation und Tierstation sind fertig, Restarbeiten stehen noch im künftigen Schulungszentrum an, auch in der Betriebs-Cafeteria fehlt noch der letzte Feinschliff. Thamm investiert rund 2,5 Millionen Euro, „Das wird jetzt wohl eine der modernsten und größten Praxen Deutschlands sein“, meint der 56-Jährige.

Dr. Jessica Dröschel (39 Jahre) hat 2006 in Schalke angefangen, seit 2008 leitet sie das Zentrum. Eine eigene Praxis ist für sie kein Thema. „Man kann hier in einem Team arbeiten, kann sich absprechen und professionell viele Bereiche abdecken. Für mich kann ich auch die Vorteile von Angestellten-Status und Leitung verbinden“, sagt sie.

Zwei getigerte Fundkätzchen kriegen die Flasche

Technisch hat Thamm in Schalke noch einmal ordentlich aufgerüstet. „Das ist ja nicht mehr wie der Doktor und das liebe Vieh“, lacht Dröschel, die in ihrer Medizinerkluft auch eher nach Hightech-Praxis als nach Stall aussieht. Stall – das wäre ohnehin das falsche Stichwort. Das große Zentrum ist eine Kleintierpraxis.

„Wir sind für so ziemlich alles unter 100 Kilo zuständig“, sagt die Tierärztin. Zu 60 Prozent sind das Hunde, 25 % Katzen, 15 Prozent Heimtiere vom Kaninchen bis zum Wellensittich. In einer der Beobachtungsboxen neben den OP-Räumen maunzen zwei ganz junge Pfleglinge: Fiona und Ossy, zwei getigerte Fundkätzchen, deren Mama sich ausgerechnet einen Tiertransporter zum nahen Schlachthof als Geburtsort gewählt hatte. Die Mutter verschwand. Das Duo blieb zurück und landete in der Praxis. Dort werden die beiden jetzt per Hand aufgezogen – quasi in Nebentätigkeit.

Firmengründer sucht die Nähe zu Tierbedarfs-Filialen

„Wenn sie es in Gelsenkirchen schaffen, schaffen sie es überall“ - mit dieser Botschaft eines Geschäftsfreuendes wagte sich Olaf Thamm (56) vor gut elf Jahren an eine Existenzgründung. Seine erste SmartVet-Praxis eröffnete er an der Lockhofstraße. Es wurde seine bislang erfolgreichste. Aus einer Klinik wurde eine Kette mit 20 Praxen bundesweit. Die Grundidee: Thamm sucht mit seinen Standorten bewusst die Nähe zu Tierbedarfs-Geschäften wie „Fressnapf“. Eine gute Allianz aus seiner Sicht, ebenso wie der Schritt, nach Schalke zu gehen. Der Einzugsbereich des Tiergesundheitszentrums reicht längst weit über die Stadt hinaus. Das Revier, so Thamm, sei ein gutes Pflaster für sein Geschäftsmodell: „Die Leute haben vielleicht nicht so viel Geld, aber sie haben ein riesiges Herz für Tiere.“

Kostenfaktor Medikamente und Spezial-Futtermittel

Auch Größe hilft Thamm in einer Branche, die über Qualität der Leistung, aber auch den Preis funktioniert: „Wir können günstiger sein, allein schon, weil wir deutlich größere Mengen an Medikamenten abnehmen. 30 bis 40 Prozent der Behandlungskosten machen heutzutage der Medikamentenpreis und Spezial-Futtermittel aus.“

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