Zukunftsdebatte

Ein Abend in der Schalker Arena rückt Talente ins Blickfeld

NRW-Minister Andreas Pinkwart sieht gute Berufschancen für Jugendliche: „Die Türen stehen euch offen“. In der Arena in Gelsenkirchen referierte er auch über Jobs, Herausforderungen und Perspektiven im Zuge der Energiewende.

NRW-Minister Andreas Pinkwart sieht gute Berufschancen für Jugendliche: „Die Türen stehen euch offen“. In der Arena in Gelsenkirchen referierte er auch über Jobs, Herausforderungen und Perspektiven im Zuge der Energiewende.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Einmal ging es in der Veltins-Arena nur bedingt um Sport: „Emscher-Lippe – eine Region mit viel Potenzial“ stand im Fokus – und junge Talente.

Manchmal treffen Maloche und Kunst, Anspruch und Wirklichkeit hart aufeinander. Dienstagabend in der Arena: Das Regierungspräsidium Münster, Schalke 04 und Stiftungen, Joblingen und Ruhrtalenten wird im Riesengeviert die große Bühne bereitet. Es geht um „Emscher-Lippe – eine Region mit viel Potenzial“, um alte Klischees und neue Herausforderungen. Anke Sieloff, Sängerin des Musiktheaters im Revier eröffnet gerade mit „Somewhere“, einem Musical-Klassiker. Und hinter ihr fährt im Zeitlupentempo der grüne Spielrasen in die Arena, schnaubt ein Gabelstapler, werden scheppernd von ein paar Arbeitern Stahlplatten verlegt.

Akustische Steilvorlage für Matthias Bongard in der Arena

Eine akustische Steilvorlage für Moderator Matthias Bongard, der Lacher generiert und Arbeitsethos auf den Punkt bringt: „Die sagen sich, wat interessiert mich die Musik, ich hab hier wat zu tun...“ Einig ist man sich schnell: So was passt nur im Ruhrgebiet zusammen.

Zu tun hatten auch etliche andere: An einem Abend, der zwischendurch arg mäanderte zwischen Festakt, Kick-off-Veranstaltung, Talk-Runde und Schüler-Infoabend, gaben sich zahlreiche Akteure die Ehre. Angefangen von NRW-Wirtschafts- und Innovationsminister Andreas Pinkwart als Gastredner über Stiftungsvertreter von Schalke hilft und RAG über den Präsidenten der Westfälischen Hochschule bis zu Schalke-Ikone Olaf Thon und schließlich auch zu einigen jungen Menschen, die als Stipendiaten und Ruhrtalent oder Jobling Förderung in der Schule oder Unterstützung beim Berufseinstieg erfahren haben.

Minimal ausgeprägtes Selbstbewusstsein

Doch zunächst gilt es an altbekannten Vorstellungen zu rütteln: Gelsenkirchen, die Stadt mit dem minimal ausgeprägten Selbstbewusstsein, mit dem festen Platz am Ende diverser Rankings, mit dem Makel der ausdauernde Jobmisere ist natürlich ein Thema. Doch dieses Bild, so stellt es sich Regierungspräsidentin Dorothee Feller vor, geltet es endgültig zu wandeln, Potenziale zu heben. „Wie kriegen wir unserer Region gut gestaltet, wie können wir gemeinsam Talente fördern“, darum ginge es allen am Abend beteiligten, sagt Feller und betont: „Die Region ist toll, es geht darum, die vielen Schätze zu heben. Es ist uns wichtig, sie als zukunftsfähig herauszustellen. Bei Umfragen und Rankings kommt immer zu kurz, dass hier viele Institutionen, Behörden und Firmen sind, die an diese Region glauben und sich engagieren.“

RAG Stiftung und WH helfen 250 Ruhrtalenten

„Was den schlechten Ruf ein Stück weit ausmacht, sind wir selbst“, Zu wenig „Stolz und Selbstbewusstsein“ diagnostiziert Olivier Kruschinski (Stiftung Schalker Markt

) besonders in Gelsenkirchen. Sein Rezept dagegen: „Neue Allianzen schmieden. Wir brauchen Mehrheiten durch Menschen, die machen wollen statt zu meckern.“ Wobei: Meckern war Dienstag ohnehin nicht angesagt. Das Gute dominierte: Wie die Westfälische Hochschule mit der RAG Stiftung Ruhrtalente (250 sind es aktuell) fördert, wird dargestellt, wie Joblinge mit einem besonderen Förderprogramm aus Hartz IV kommen („gesellschaftliche Teilhabe fängt einfach mit einem Arbeitsplatz an“), stellt Regionalleiter Raphael Karrasch vor. Elina Berauer und Cendrim Hasimi sind dafür leuchtende Beispiele, erzählen in der Arena, wie sie berufliche Orientierung und schließlich auch Ausbildungsplätze fanden.

Schüler von 25 Schulen aus der Region

„Was wir machen, müssen wir nachhaltig tun. Es gilt, bei der Stange zu bleiben“, fordert Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorstand der RAG-Stiftung und appelliert an die Wirtschaft, sie müsse „ausbilden,ausbilden, ausbilden“. Die Qualifizierung junger Menschen sei kein Projektgeschäft, so der Tenor der Talker. „Das sind Daueraufgaben. Wenn wir Potenziale heben wollen, brauchen wir entsprechenden Ressourceneinsatz.“ Minister Pinkwart ist angetreten, gerade den Jugendlichen von 25 Schulen aus der Region „etwas Optimismus“ mit auf den (Lebens)-Weg zu geben: „Selten wart ihr so gefragt wie heute. Arbeitgeber suchen alle talentierte junge Menschen in allen Bereichen. Ihr habt eine sonnige Zukunft vor euch.“

Einblick für Unternehmen und Institutionen

Bei den Adressaten ist der Abend gut angekommen: „Ich finde es cool von Schalke, dass die sowas ermöglichen und auch gut, dass Unternehmen hier einen Einblick kriegen“, sagt Jessica (26), die mit Hilfe der Joblinge in die Ausbildung als technische Produktdesignerin gefunden hat. Auch Yasemin (25, angehende Bürokauffrau), die das Mentorenprogramm durchlaufen hat, findet „den Rahmen passend. So konnten viele angesprochen werden. Es ist sehr wichtig, dass viele Schulklassen da waren.“

Die machen sich zu fortgeschrittener Stunde eilig auf den Heimweg. Der Rasen ist längst komplett in die Arena gefahren worden. Und Anke Sieloff hat den letzten Auftritt. Ganz ohne Begleitgepolter.

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