Gedenkstunde

Ex-Schüler fordert dazu auf, Nächstenliebe weiterzugeben

In einer Videobotschaft, hier neben seiner Enkelin, wandte sich der 93-jährige Ernst Back an die Schüler des Gelsenkirchener Gymnasiums. Der Mann lebt heute in Schweden und war von 1934 bis 1938 Schüler an dem Gymnasium, wurde als Jude diskriminiert und ausgegrenzt.

Foto: Back

In einer Videobotschaft, hier neben seiner Enkelin, wandte sich der 93-jährige Ernst Back an die Schüler des Gelsenkirchener Gymnasiums. Der Mann lebt heute in Schweden und war von 1934 bis 1938 Schüler an dem Gymnasium, wurde als Jude diskriminiert und ausgegrenzt. Foto: Back

Gelsenkirchen.  Ernst Back war Schüler am Grillo von 1933 bis 1938. Als Jude spürte er Hass und Ausgrenzung – Videobotschaft bei Gedenkstunde.

Die Synagoge brannte, zahlreiche Schaufenster jüdischer Geschäfte waren zerstört. Die Pogromnacht am 10. November 1938 war für den damals 15-Jährigen Ernst Back der letzte Schultag. Er kehrte nicht mehr zum Real-Gymnasium, dem heutigen Grillo, zurück. Mit einen Kindertransport nach Schweden retteten ihm die Eltern, die später in Theresienstadt und Auschwitz ermordet wurden, vermutlich das Leben. Heute lebt der 93-Jährige im schwedischen Lidingö. Er ist als einziger der 34 jüdischen Schüler am Grillo zwischen 1933 und 1938 noch Zeuge damaliger Diskriminierung, Verachtung und Hass gegenüber jüdischen Schülern. Gestern enthüllte die Schule in Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadtgeschichte eine Gedenktafel, die an die 34 jüdischen Schüler erinnert. Sechs Mitschüler wurden in Ghettos oder Lagern von den Nazis umgebracht, darunter auch der talentierte Schalker Jugendspieler Ernst Alexander. Schüler brachten für jeden ehemaligen Schüler eine Rose auf die Aulabühne.

Lehrerin Susanne Knorth hatte die Idee

Die Idee, sich an die finstere Zeit der Naziherrschaft zu erinnern, kam Lehrerin Susanne Knorth. Sie arbeitete die Geschichte gemeinsam mit dem Philosophiekurs auf. Hinter dem Engagement steckt auch das Selbstverständnis des Grillo, das sich als Schule mit Courage ohne Rassismus versteht.

Über Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, konnte der Kontakt zu Ernst Back hergestellt werden. Per Videobotschaft warb der 93-Jährige mit seinem Lebensleitbild darum, Nächstenliebe zu erfahren und weiterzugeben. Ernst Back hat es als junger Schüler nicht erfahren. Er weiß noch, dass die Musikstunde des Nazi-Lehrers mit einem Hasslied auf Juden begann, Mitschüler ihn auf der Toilette einschlossen. Der Sportlehrer, ein SS-Mann, ließ alle Mitschüler antreten, die den jüdischen Klassenkameraden beim Faustkampf traktieren mussten.

Vom Nazijargon anderer Pädagogen abgehoben

Bei aller Feindseligkeit, die er spürte, erinnert er sich an den Mathelehrer Dr. Schumacher und an Klassenlehrer Dr. Richard Spengler, die sich wohltuend vom Nazijargon anderer Pädagogen abhoben. Bürgermeisterin Martina Rudowitz forderte dazu auf, sich an das dunkle Kapitel deutscher Geschichte zu erinnern. „Lassen sie uns gemeinsam aufstehen gegen den rechten Mob, denn auch heute ist teilweise eine menschenverachtende Ideologie zu spüren.“ Judith Neuwald-Tasbach rief die Schüler auf, nicht zu vergessen und die Zukunft im Geiste der Erinnerung zu gestalten. Mit Einzelschicksalen gebe man der Tragödie ein Gesicht, erkenne das Unbegreifliche der Ausgrenzung und des Hasses.

Rehberg berichtete von seiner Flüchtlingserfahrung

Gerd Rehberg, Ehrenpräsident von Schalke 04, berichtete von der eigenen Flüchtlingserfahrung, was es heiße, Heimat und Freunde zu verlassen. Heute bietet das Grillo eine schulische Heimat für alle Nationalitäten, unter anderem auch für drei jüdische Schüler.

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