Prozess

Frauen in Gelsenkirchen getötet: Chinesen droht Todesstrafe

Prozessauftakt in Essen (von links): Verteidiger Timo Scharrmann, der Angeklagte Peng Lin (40) und Verteidiger Hans Reinhardt.

Prozessauftakt in Essen (von links): Verteidiger Timo Scharrmann, der Angeklagte Peng Lin (40) und Verteidiger Hans Reinhardt.

Essen/Gelsenkirchen.  Zwei Chinesinnen hat der 40-jährige Peng L nach eigenen Worten umgebracht. Jetzt sitzt er in Essen vor einem deutschen Gericht – und fürchtet seinen Tod.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der 40-jährige Peng L., der laut Anklage am 29. Oktober 2017 in einem Gelsenkirchener Sex-Massagesalon in der City zwei Masseurinnen brutal erstochen hat, will auf jeden Fall seine Abschiebung in die Heimat verhindern. Denn dort droht ihm die Todesstrafe.

Angela Merkel geschrieben

Am Montag zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Essen schweigt er. Aber aus der Untersuchungshaft hat er Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Brief geschrieben, den Staatsanwältin Valeria Sonntag als Geständnis wertet. Sein Verteidiger Hans Reinhardt will dem nicht widersprechen: „Er übernimmt darin die Verantwortung. Ursache ist nach seinen Worten eine vom Opfer gekochte Nudelsuppe, nach deren Genuss er sich an nichts mehr erinnern kann.“

Die Anklage geht von einem schlichteren Motiv aus. Peng L., der nahezu täglich Kunde in dem Studio „Xiang Fee“ in der Kirchstraße gewesen sei, soll mit der 46 Jahre alten „Entspannungsmasseurin“ Yuejnan D. beim Essen einer Nudelsuppe in Streit geraten sein. Er habe kein Geld mehr gehabt und dennoch Sex haben wollen.

30 Messerstiche im Badezimmer

Völlig unvermittelt habe er die Frau an diesem Sonntagmittag um 14.55 Uhr während der Auseinandersetzung im Badezimmer angegriffen. Zunächst soll er sie gewürgt und anschließend 30 Mal auf sie eingestochen haben. Die Stichserie mit einer 20 Zentimeter langen Klinge scheint wahllos gesetzt worden zu sein, Verletzungen sind über den gesamten Körper verteilt. Als sie tot ist, sticht er ihr noch in den Unterleib. Deshalb war die Tat anfangs als Sexualdelikt oder Racheakt der chinesischen Mafia eingestuft worden.

Mittlerweile wertet die Staatsanwaltschaft den Tod der 46-Jährigen als Totschlag im Streit, den an der Betreiberin des Massagesalons allerdings als Mord. Die 56-jährige Chefin Yuchun C. habe die Schreie ihrer Mitarbeiterin gehört und ihr helfen wollen. Um seine Tat zu vollenden und unerkannt fliehen zu können, habe Peng L. auf sie eingestochen. Auch sie starb in den Räumen des Massagesalons. Eine weitere Mitarbeiterin hatte aus dem Salon fliehen können.

Einen Monat nach der Tat hatte die Polizei Peng L. in Bayern aufgespürt und festgenommen. 2016 war er mit einem Touristenvisum nach Deutschland gekommen, soll aber unter falschen Personalien Asyl beantragt haben. Nachdem sein Antrag Anfang 2017 abgelehnt wurde, tauchte der in China verheiratete Familienvater in Deutschland unter. Hier hatte er eine Freundin, bewegte sich unter Landsleuten.

Geständnis im Brief an Bundeskanzlerin

Dass er bei drohender Todesstrafe nicht in seine Heimat abgeschoben werden darf, hätten ihm auch seine Verteidiger Timo Scharrmann und Hans Reinhardt sagen können. Aber offenbar wollte er sich das von höchster Stelle bestätigen lassen und schrieb an die Bundeskanzlerin. So hat das Schwurgericht jetzt ein Geständnis.

Es tue ihm leid, dass er der Kanzlerin „viel Ärger“ gebracht habe, schreibt er darin. Er gibt auch zu, dass er das Verbrechen begangen und die Menschen getötet habe. Ein Motiv kenne er nicht. Er nimmt an, so heißt es in dem Brief, dass er unter der Wirkung medizinischer Mittel gestanden habe. Denn nach der Nudelsuppe sei ihm schwindelig geworden, danach wisse er nichts mehr.

Der Prozess wird am 4. Juni fortgesetzt. Dann vermutlich mit einer neuen Dolmetscherin. Peng L. versicherte zwar, die Verständigung mit ihr sei gut, sie hatte aber sichtlich Schwierigkeiten, dem Angeklagten die von Richter Jörg Schmitt geäußerten juristischen Begriffe zu übersetzen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (21) Kommentar schreiben