Leben & Gesundheit

DKMS: Gelsenkirchenerin rettet Hannah mit Knochenmarkspende

„Held gefunden“: Diese Tasse gab es als Dank von der DKMS, nachdem die in Gelsenkirchen geborene und heute in Herten lebende Anika Liersch mit ihrer Knochenmarkspende das Leben der kleinen Hannah aus Weimar gerettet hat.

„Held gefunden“: Diese Tasse gab es als Dank von der DKMS, nachdem die in Gelsenkirchen geborene und heute in Herten lebende Anika Liersch mit ihrer Knochenmarkspende das Leben der kleinen Hannah aus Weimar gerettet hat.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Die aus Gelsenkirchen kommende Anika Liersch hat der kleinen Hannah (2) aus Weimar das Leben gerettet. Mit einer Knochenmarkspende.

Als Anika Liersch (25) und Hannah (bald 3) sich am Silvesterabend 2019 das erste Mal persönlich sahen, war sofort ein Gefühl der Wärme, der emotionalen Verbindung zwischen ihnen da. „Wir haben total vertraut miteinander gespielt. Und später ist Hannah sogar in meinen Armen eingeschlafen“, erzählt die in Gelsenkirchen geborene und heute in Herten lebende Liersch. Das kleine Mädchen wusste und spürte, dass da nicht irgendjemand, sondern ein ganz besonderer Mensch zu Besuch war: nämlich ihre Lebensretterin.

Als Stammzellenspenderin der DKMS mit Sitz in Tübingen eintragen

Diese wundervolle Geschichte mit vorläufigem Happy End beginnt im Jahr 2014. Da lässt sich Anika Liersch in die Liste der Stammzellenspender der DKMS mit Sitz in Tübingen eintragen. „Ein Arbeitskollege von mir ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Recklinghausen. Und er hat mich mit zu einer Registrierungsaktion der DKMS genommen, weil dringend ein passender Spender für die Tochter seines Arbeitskollegen gesucht wurde“, erzählt die junge Frau, die als Verkaufsberaterin bei Coca-Cola arbeitet. Sie bekam dafür etwas Blut abgenommen. Das war’s auch schon. „Ich wollte das schon immer machen, aber das war dann der willkommene Anstoß, es auch zu tun“, erklärt sie ihre Hilfsbereitschaft.

Gebürtige Gelsenkirchenerin arbeitet als Verkaufsberaterin bei Coca-Cola

Im ersten Versuch passten ihre Stammzellen nicht. Aber drei Jahre später – im September 2017 – lag plötzlich ein Schreiben im Briefkasten. „Darin stand, dass mehrere meiner Gewebemerkmale mit denen einer erkrankten Person übereinstimmen würden und dass ich eventuell als Stammzellenspenderin in Frage kommen würde“, erzählt Liersch. Um wen es sich da handelt, erfahren Spendern zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht.

Um letzte Bedenken zur Spendentauglichkeit auszuschließen, musste aber eine erneute Blutprobe her. Die entnahm ihr Hausarzt. In einem mitgelieferten Set wurde das abgezapfte Blut dann zur DKMS geschickt. Und von dort erhielt Liersch dann einige Wochen später die aufwühlende Nachricht: „Sie können spenden!“

Weitere Fragebögen sowie Voruntersuchungen in einer Kölner Privatklinik

Es folgten: weitere Fragebögen sowie Voruntersuchungen in einer Privatklinik in Köln. Am 18. Dezember 2017 ging es dann in eben jene Klinik. „Mein Arbeitgeber hatte mich dafür sogar eine Woche freigestellt“, so die Frau, die viele Jahre in Bülse gelebt hat. Eine Stammzellenentnahme kann auf zwei Wegen erfolgen. Entweder werden sie maschinell aus dem Blut herausgefiltert. „Das sieht in etwa so aus, als ob man an einem Dialysegerät angeschlossen ist“, berichtet Liersch. Bei ihr wurde aber die zweite Methode angewandt: eine Entnahme von Knochenmark aus der Hüfte. Dafür muss der Spender aber selbst operiert werden.

Beide Seiten müssen ihre Bereitschaft zu einem Treffen erklären

„Ein Eingriff ist immer eine Belastung für den Körper“, weiß Liersch. Aber darüber würde man in einer solchen Situation gar nicht groß nachdenken. „Da will man einfach nur helfen!“ Denn zu diesem Zeitpunkt hatte sie erfahren, dass ihre Spende einem wenige Monate alten Mädchen aus Deutschland zugute kommen würde. Das motivierte natürlich zusätzlich.

Zwei weitere Jahre vergingen. Das ist die Mindestzeit, bis sich Spender und Empfänger persönlich sehen dürfen – dazu müssen aber auch beide Seiten ihre Bereitschaft erklären. Bereits nach einem Jahr stellt die DKMS hingegen die Möglichkeit zu einer Kontaktaufnahme per Handy her. „Und ganz plötzlich hatte ich ein Video auf meinem Smartphone, in dem ein kleines Mädchen zu sehen war. Darunter stand die Nachricht: Danke für alles! Deine Hannah“, erzählt Liersch mit einem Lächeln.

Silvester 2019/20 gemeinsam mit Hannahs Familie gefeiert

Silvester 2019/2020 fuhr die junge Frau dann mit ihrem Lebensgefährten Timo nach Weimar. Denn dort lebt die kleine Hannah mit Mutter Julia, Vater Felix und der älteren Schwester Helena (4). Als die Eltern Anika Liersch sahen, gingen sie spontan auf sie zu – und umarmten sie innigst. „Ich lasse dich heute nicht mehr los“, sagte eine Freudentränen vergießende Mutter Julia. Und Vater Felix sagte: „Du glaubst gar nicht, was du für uns getan hast!“ Dort erfuhr sie auch, dass Hannahs Blutbildung schon im Säuglingsalter nicht richtig funktionierte. Es brauchte eine passende Stammzellenspende, um überleben zu können. Und Anika Liersch war dieser gesuchte „genetische Zwilling“.

Wie hat sich der Moment der Begegnung dann angefühlt? „Es war so, als ob wir uns alle schon ganz lange kennen würden“, erzählt Liersch. Zusammen habe man nicht nur einen unvergesslichen Jahreswechsel verbracht, sondern sei bis heute täglich über Handy in Kontakt, nehme ganz bewusst am Leben der Anderen teil.

Die Spenderin findet: „Helfen ist das Allerschönste“

„Das Schönste ist, dass Hannah heute aus medizinischer Sicht als geheilt gilt“, sagt Liersch. Und am Ende gibt sie noch eine Empfehlung ab: „Ich rate jedem, sich in der Spenderliste registrieren zu lassen. Helfen ist das Allerschönste.“ Dann hält Liersch kurz inne und fügt hinzu: „Die Spende für Hannah war und ist eine Bereicherung für mich, die über allem steht. Man hat ein Leben gerettet!“

Zahlen und Fakten zur Stammzellenspende

Laut DKMS waren zum 1. Mai 10.777 Menschen aus Gelsenkirchen in der Spenderliste verzeichnet. 96 von ihnen haben bereits aktiv helfen können.

Weltweit stehen 10,16 Millionen Menschen auf der DKMS-Liste, von denen allein rund 6,6 Millionen aus Deutschland kommen. Die zweitmeisten stammen aus Polen.

Wer Spender werden will: www.dkms.de.

Mehr Nachrichten aus Gelsenkirchen lesen Sie hier.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben