Bildung

Digitales Lernen und dessen Grenzen am Beispiel Berger Feld

Patrick Hoffmann, Serhat Kizilates, Maike Selter-Beer, Yakub Yildizhan, Roxana Langner und Noah Mutanda (v.l.n.r) stellten das Konzept am Berger Feld vor.

Patrick Hoffmann, Serhat Kizilates, Maike Selter-Beer, Yakub Yildizhan, Roxana Langner und Noah Mutanda (v.l.n.r) stellten das Konzept am Berger Feld vor.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Erle.  Präsenz- und Distanzlernen – derzeit wird beides praktiziert. Bei der Klassenfahrt der Zehner am Berger Feld stößt das Digitale an seine Grenzen.

Am Montag (21. September) startete die geplante Klassenfahrt des zehnten Jahrgangs an der Gesamtschule Berger Feld. Wegen der Corona-Abstandsregeln musste eine neue Unterkunft gefunden werden, nun dient ein Hotel an der Eastside-Gallery als Herberge. Die Berlinfahrt ist von langer Hand von den Schülern selbst im Rahmen eines Projekts vorbereitet. In Gruppen wurden die Besuche von Mauermuseum und mehr vorbereitet, so selbstständig wie möglich, zum Teil im digitalen Distanzlernen. Um eben dies für eventuelle Quarantänefälle besser einzuüben. Nun ist der eventuelle Fall eingetreten.

Für einen Teil der Schüler gilt Quarantäne statt Klassenfahrt

Für einen Teil der Schüler steht in diesen Tagen Distanzlernen in Quarantäne an statt Berlinfahrt, der Rest der Stufe ist trotzdem gefahren. „Das ist bedauerlich für die Schüler in Quarantäne, aber wir haben das in Absprache mit dem Gesundheitsamt entschieden“, betont Gesamtschulleiterin Maike Selter-Beer. Sie ist angesichts der Entwicklung des Infektionsgeschehens froh, das selbstständige Lernen inklusive ganz klassischer Methoden dafür wie Brainstorming und Mindmapping geübt zu haben. „Das ist die Grundlage für selbstständiges Lernen daheim“, betont Selter-Beer, die in den ersten drei Wochen nach den Ferien für alle Jahrgänge (mit Ausnahme der 13) Projekt- statt Fachunterricht angesetzt hatte. Dabei sei aber auch der Umgang mit dem mobilen IServ-Programm, der von der Stadt zur Verfügung gestellten Software, geübt worden.

Serhat (18) will im Frühjahr 21 Abitur machen. Seine Stufe war zwar täglich in der Schule, hat aber einen Teil des Fachunterrichts selbstgesteuert daheim erarbeitet. „Man bekommt mit Iserv einen guten Überblick, was noch zu tun und was erledigt ist. Auch das Feedback hat gut geklappt“, versichert er.

Pragmatische Lösungen mit Iserv und Smartphone

Whiteboards gibt es an der Schule mit ihren mehr 1400 Schülern zwar bislang nur wenige, die Installation der kompletten Hardware soll nun bis zum Schuljahresende abgeschlossen werden. Ein Smartphone, mit dem das Arbeiten via IServ „gut machbar“ ist, wie etwa Noah (15) versichert, haben aber fast alle zur Verfügung. Und wo das Smartphone an seine Grenzen stößt – etwa beim Entwerfen von Plakaten, das mit IServ zwar möglich, am kleinen Smartphone-Bildschirm aber schwer nutzbar ist – da wird pragmatisch reagiert. „Dann wird der Entwurf eben per Hand gemacht und dann hochgeladen“, erklärt Lehrerin Roxana Langner, die die Klasse in Berlin begleitet. Beim Besuch der Redakteurin in der Schule wusste man noch nichts von der bevorstehenden Quarantäne einer Gruppe, allerdings war ein Schüler bereits als Verdachtsfall getestet worden. Am Freitagnachmittag dann kam das positive Testergebnis, das zur Quarantäne für die Kontaktschüler führte.

Viererteam schult die 140 Kollegen

Digitales Lernen üben und Kollegen bei der Umsetzung helfen und das ohne nennenswerte Hardware – diese Herausforderung hat ein vierköpfiges Lehrer-Team an der Schule mit dem 140-köpfigen Kollegium angenommen, darunter Patrick Hoffmann. In der letzten Ferienwoche haben sie Kollegen gezielt digital geschult, schon vor den Ferien haben sie an praktikablen Systemen gearbeitet. Am Anfang habe man jede einzelne Lösung jedes einzelnen Schülers bewertet, zu allem ein Feedback gegeben, erklärt Hoffmann. Doch das sei dauerhaft weder praktikabel noch notwendig. „Es gibt eine Deadline für die Aufgaben, danach wird die richtige Musterlösung rückgemeldet. Bei Erklärungsbedarf sind wir natürlich erreichbar“, so Hoffmann. Yakub (19) bestätigt: „Wir konnten uns auch an Wochenenden melden im Lockdown“.

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