Graffiti

Diese Stadt ist gezeichnet

Der Perfektionist: Dan Geffert alias Sponk schlägt sich für seine Entwürfe so manche Nacht um die Ohren.

Der Perfektionist: Dan Geffert alias Sponk schlägt sich für seine Entwürfe so manche Nacht um die Ohren.

Foto: Funke Foto Services

Gelsenkirchen.   Hauptberuf Künstler: Drei Gelsenkirchener haben mit Comiczeichnungen und Graffitidosen ihr Hobby zum Beruf gemacht

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Die Zeiten, in denen Graffiti nachts klammheimlich im Schutz der Dunkelheit gesprüht wurden, sind zwar nicht vorbei, aber die knallbunten Werke sind inzwischen auch salonfähig geworden – und man kann damit sogar Geld verdienen. Ganz legal.

In Gelsenkirchen hat sich inzwischen eine offizielle Sprayerszene entwickelt, deren Künstler die Schmuddelflächen im Auftrag der Stadt oder unscheinbare Hauswände von Privatleuten zum echten Hingucker machen. Zwischen Rott-hausen und Scholven haben die Sprayer ihre Spuren hinterlassen.

Bunte Wände ziehen Blicke an

So wie Dan Geffert (26) aus Bismarck, der seit über zehn Jahren legale Graffiti aus seinen Farbdosen schüttelt und vielen nur unter dem Künstlernamen „Sponk“ bekannt ist. Vom Musikpavillon am Stadtgarten bis hin zur Salzgrotte im Scholvener Bunker, den Geffert 2013 mit Leuchtturm und Meermotiv versah – die besprühten Objekte sind genau so unterschiedlich wie die Designs, die sie zieren. „Ich glaube, es gibt kaum ein Format, das ich nicht sprühen würde“, erzählt er uns vor einem großformativen Automotiv, das er für die Tuning-Firma JCD Cars in Rotthausen sprühte – und das fast fotorealistisch wirkt.

Wie viel Arbeit hinter diesem gut 12 Meter breiten Graffitiwerk steckt, das offenbart sich erst, als Sponk von dem Schaffensprozess erzählt, für das er eigens ein Gerüst errichten lassen musste. „Derart große Arbeiten entwerfe ich vorab zu Hause am Zeichenbrett, oft bis tief in die Nacht“, gibt er zu Protokoll. „Danach wird ein Raster über die Zeichnung gelegt und dann Quadrat für Quadrat auf die Fläche übertragen“, sagt der 26-Jährige, der als Perfektionist unter den Sprayern gilt – und sein Handwerk stetig verfeinert: Derzeit studiert er Industriedesign an der Folkwanghochschule in Essen.

Zeichnen für den Lebensunterhalt

Schnittige Staubsauger oder Produktverpackungen zu entwerfen, das ist aber nicht so sein Ding: „Ich wusste schon sehr früh, dass ich Graffitikünstler werden will und habe inzwischen meine eigene Firma“, sagt Sponk selbstbewusst. „Schon als Kind habe ich unheimlich gerne gezeichnet und mit Wasserfarben gemalt. Heute verdiene ich meinen Lebensunterhalt damit.“

Diese frühe Prägung hat er mit Beni Veltum (28), dem wohl bekanntesten Sprayer auf Gelsenkirchener Boden, und dem Grafiker und Comiczeichner Jesse Krauß (34) gemein. „Wir hatten früher im Ricarda Huch-Gymnasium so ein Sudelbuch, in das jeder schreiben oder malen konnte, was er wollte. Das habe ich oft genutzt“, erinnert sich Jesse Krauß, der im vergangenen Jahr mit seinen Comiczeichnungen den öffentlichen Raum eroberte.

Auf sieben Stromkästen entlang der Bergmannstraße in Ückendorf brachte er Plakate mit seinen Zeichnungen an. „Leider sind sie alle mit der Zeit abgeblättert. Solche Werke für draußen sind eben vergänglich“, sagt er. Immerhin: Ganz selten werden sie bewusst zerstört – oft wirken legale Graffitibilder als Schutz gegen ungewollte Kritzeleien. „Und man kommt mit Passanten ins Gespräch – das inspiriert“, so Krauß.

Für Jesse Krauß ist es dabei wichtig, dass seine Werke eine Geschichte erzählen. „Und ich bin nicht so der Typ für Spraydosen, ich zeichne lieber mit Tusche und Federhalter“, betont der 34-Jährige, der oft auf Designmärkten vor Ort zeichnet – auf Zuruf, sozusagen. „Vom Zeichnen alleine könnte ich allerdings nicht leben“, gesteht er dann offen. Deshalb ist er vermehrt als Grafiker unterwegs.

Auch für Beni Veltum und Dan Geffert ist ihre Kunst längst kein Hobby mehr. „Ein Großteil der Zeit geht dafür drauf, dass man Angebote oder Rechnungen schreibt und Entwürfe erstellt“, sagt Veltum, der sein eigenes Graffitibüro betreibt.

Spaß mit viel Aufwand

Die Schwierigkeit, so betonen alle Drei, bestehe auch darin, potenziellen Kunden zu vermitteln, wie viel Aufwand hinter den Arbeiten steht – denn viele gehen wie selbstverständlich davon aus, dass das Graffiti-Hobby einfach Spaß macht. „Wer das beruflich macht, muss aber auch genug damit verdienen, um Miete und andere laufende Lebenshaltungskosten bezahlen zu können“, sagt Beni Veltum. „Das ist schon eine Gratwanderung“, weiß auch Dan Geffert.

Einen anderen Job könnten sich die drei Gelsenkirchener jedoch nicht vorstellen. „Ich wusste schon früh, dass ich unbedingt Künstler werden wollte und habe diesen Schritt in die Freiberuflichkeit auch bewusst gewählt“, sagt Jesse Krauß.

„Dieser Job hat einen großen Vorteil“, schwärmt auch Dan Geffert: „Wenn man das legal macht, kann man viel großflächiger arbeiten als die illegalen Sprayer. . .“

Wer mehr lesen möchte, kann sich durchklicken auf den Internetseiten www.jesse-krauss.de,sponk-design.de und www.graffiti-büro.de.

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