„Die Schüler sind meine obersten Dienstherren“

Was bedeutet es für Gelsenkirchen, Standort des NRW-Zentrums für Talentförderung zu sein?

Bildung ist unser neuer Rohstoff. Für Gelsenkirchen und das Ruhrgebiet ist Talentföderung ein Standortfaktor. Das Argument Strukturwandel ist beinahe schon Folklore. Wir entwickeln unter diesem Dach Bildungstechnologien. Unsere Schulen sind Produktionsstätten für Zukunft. Wenn wir in den nächsten sechs, sieben Jahren nicht handeln, bekommt unsere Gesellschaft Risse. Wir müssen uns klar machen, wir kriegen nur Leute in die Stadt, weil wir die Köpfe haben und Bildungsaufstiege möglich machen.

Wenn Sie den Talentscout Suat Yilmaz beschreiben müssten, was würden sie sagen?

Was ich mache ist Bildungspolitik, auch indem ich mich in unseren 160 Schulen um Stipendien für die bemühe, bei denen sonst nie etwas ankommt. Ich möchte die Mitte der Kids haben. Die Schüler sind meine obersten Dienstherren. Meine Visitenkarten ist Message. Da steht Talentscout drauf. Ich bin heute der Rolf Pieper. Aber: Die Schüler müssen nach dem ersten Gespräch auf uns zukommen.

So, wie Sie das in Ihrem Buch in einem Dialog mit Maik schildern?

Genau so. Meldest du dich nicht, melden wir uns auch nicht. Alles geschieht freiwillig. Aber wenn sich jemand entscheidet, seinen Traum zu erfüllen und die Schule als Abflughalle zu einer Reise zum Erfolg zu verstehen, hat er die Talentscouts über Jahre an seiner Seite. Ich kann nur sagen: Lasst uns aufhören, Schüler zu kategorisieren, sondern katapultiert sie nach oben.

Sind denn alle geförderten Talente am Ende erfolgreich?

Wir müssen auch mit Scheitern leben. Aber hinfallen und wieder aufstehen gehört zum Leben. Das ist Teil der Geschichte, auch meiner eigenen. Ich muss für mich eine Vision haben, um Power auf die Kids auszustrahlen. Immerhin haben wir eine Verweilquote von über 80 Prozent. Wir müssen Respekt haben vor Hoffnungen junger Leute, aber auch ihre Ängste ernst nehmen.

Sie üben Kritik am Bildungssystem, weil die penetrante Ungerechtigkeit täglich praktiziert werde ...

Eigentlich sollte mein Buch ja auch ,Elite von unten’ heißen. Das Ruhrgebiet ist eine mächtige Region mit großartigen Potenzialen, die wir entdecken und fördern müssen wie einen edlen Rohstoff. Wir sind ein reiches Land, wir haben exzellente Hochschulen und wir können Schulen jetzt mal anders in den Fokus nehmen. Aber alle, die glauben, ich sei ein Betreuer für Minderbemittelte, irren sich gewaltig. Talentscouting ist auch Wirtschaftspolitik.

Ist das Zentrum für Talentförderung bewusst im Süden angesiedelt?

Ückendorf ist der beste Standort für uns. Wir zeigen, dass wir die Kids, die zum Teil aus nicht einfachen Verhältnissen kommen, wertschätzen. Hier können wir den größten Gewinn machen.

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