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Einkommensstatistik - Nächste Rote Laterne für Gelsenkirchen

In Gelsenkirchen liegt das jährliche Einkommen weit unter dem deutschen Durchschnitt. (Symbolbild)

Foto: dpa

In Gelsenkirchen liegt das jährliche Einkommen weit unter dem deutschen Durchschnitt. (Symbolbild) Foto: dpa

Gelsenkirchen.   Gelsenkirchen ist die Kommune mit dem niedrigsten Nettoeinkommen der Republik. Der Vergleich lässt aber außer Acht, was man für das Geld bekommt.

Eine von der „Welt“ veröffentlichte Statistik sorgt dafür, dass Gelsenkirchen mal wieder eine Rote Laterne bekommt. Diesmal ist die Stadt Schlusslicht bei den Nettojahreseinkommen. Nirgendwo anders in Deutschland haben die Menschen nach Abzug von Steuern und Abgaben weniger Geld in ihrem Portemonnaie.

Die von der Zeitung herangezogene Erhebung der Statistischen Ämter der Länder besagt, dass Menschen, die in Gelsenkirchen leben, 16 .274 Euro netto im Jahr verdienen. Zum Vergleich: Die einkommensstärkste Stadt ist Heilbronn. Hier hat der Bürger 35. 663 Euro zur Verfügung. Ebenfalls auf den vorderen Rängen vertreten: die Stadt München (27 .156 Euro).

Was in der Statistik nicht auftaucht, sind die Lebenshaltungskosten, die es in den einzelnen Kommunen gibt – da ist die bayerische Landeshauptstadt nicht gerade als günstiges Pflaster bekannt.

Wohnungsmieten sind in München deutlich höher

Setzt man das Einkommen zum Beispiel in Relation zum Preis für eine Mietwohnung, sieht die Welt schon wieder anders aus: Knapp 340 Euro Warmmiete muss man in Gelsenkirchen für eine 40-Quadratmeter-Wohnung monatlich zahlen. In München zahlt man dafür mehr als das Doppelte. Das Einkommen ist allerdings weit davon entfernt, doppelt so hoch zu sein.

„Schauen sie doch mal nach München“, sagt Gelsenkirchens Stadtsprecher Martin Schulmann. „Kaum ein Münchner wohnt doch noch in der Stadt, weil sich das kaum einer leisten kann.“ In Gelsenkirchen könne man fürs gleiche Geld viel schöner wohnen. Schulmann wundert die Statistik nicht: „Die Arbeitslosigkeit sorgt dafür, dass Gelsenkirchen in vielen Statistiken Schlusslicht ist.“ Das hätte leider einen „Trend-Charakter“. Das hätte schon die Statistik zur Kinderarmut gezeigt.

Solche Studien sind für Gelsenkirchen nicht neu

Dirk Sußmann, Geschäftsführer des Integrationscenters für Arbeit Gelsenkirchen (IAG) findet, dass alle Beteiligten immer wieder versuchen, das Beste für die Stadt rauszuholen.

„Studien mit diesem Ergebnis für Gelsenkirchen sind nicht neu. Leider wird hierbei nicht wiedergegeben, welche aktuellen Entwicklungen in unserer Stadt durchaus Hoffnung machen. Die Anzahl der versicherungspflichtigen Arbeitsplätze nimmt auch durch die Anstrengungen der Wirtschaftsförderung weiter zu. Die sogenannte Hartz-IV-Quote würde ohne die hohe und nicht vorhersehbare Anzahl der Flüchtlinge und Zuwanderer sogar sinken.“ Er sei davon überzeugt, dass es zur weiteren Unterstützung dringend Hilfen von Bund und Land geben müsse. „Hier ist eindeutig die Politik am Zuge.“

Appell an die Bundestagsabgeordneten

Klaus Wehrhöfer von den Christlichen Sozialverbänden Gelsenkirchens machte die Nachricht betroffen. „Keiner will gerne Schlusslicht sein.“ Es dürfe aber niemand davon überrascht sein. Die Höhe der Arbeitslosenzahlen sieht auch er als Hauptursache für die Rote Laterne. „Deshalb sollten Projekte in Gelsenkirchen installiert werden, dass mehr Arbeitslose in sozialversicherungspflichtige Jobs kommen, was ja zurzeit etwas auf Eis liegt“, sagt Wehrhöfer mit Blick auf das Zurückrudern der neuen Landesregierung in Sachen Sozialer Arbeitsmarkt.

Seiner Meinung nach müssten alle – Politik, Kirchen, Gewerkschaften, Christlichen Sozialverbände, Wohlfahrtsverbände – an „kreativen Ideen und gerechten Lösungen“ arbeiten. „Das ist für unsere neuen Bundestagsabgeordneten, die jetzt nach Berlin gehen und in der Verantwortung stehen, eine besondere Aufgabe, das Thema Armut anzuprangern.“

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