Jüdisches Leben

Die geteilte Küche: In der Synagoge wird koscher gekocht

Rabbiner Chaim Kornblum (l.) prüft die Siegel auf den Packungen der koscheren Lebensmittel. Judith Neuwald-Tasbach, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, kennt die traditionellen Rezepte.

Foto: Thomas Gödde

Rabbiner Chaim Kornblum (l.) prüft die Siegel auf den Packungen der koscheren Lebensmittel. Judith Neuwald-Tasbach, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, kennt die traditionellen Rezepte. Foto: Thomas Gödde

Gelsenkirchen.   In der jüdischen Küche gelten strenge Speisegesetze. Die WAZ hat der Gemeinde, zu der auch Gladbecker gehören, in die Kochtöpfe geschaut.

In der Jüdischen Gemeinde wird in diesen Tagen das Thora-Freudenfest „Simchat Tora“ gefeiert – bereits seit Anfang der Woche laufen dafür in der Neuen Synagoge an der Georgstraße die Vorbereitungen. Und dabei geht es nicht nur um die Lesungen aus der Thora-Rolle, sondern auch um viel leckeres Essen.

Fleisch und Milch werden getrennt

Doch bis „Gefilte Fisch“ (Fischhappen) oder „Kreplach“ (Krapfen) auf dem Tisch stehen, gilt es jede Menge Regeln einzuhalten – denn die jüdischen Speisegesetze, an die viele Gemeindemitglieder sich auch heute noch strikt halten, gelten als besonders streng. „Eine Grundregel der jüdischen Küche ist, dass Fleischgerichte und Gerichte, die mit Milch zubereitet werden, nicht zusammen verzehrt werden sollen. Und sie dürfen auch nicht zusammen zubereitet werden“, erklärt Judith Neuwald-Tasbach, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Gelsenkirchen. Teller, auf denen fleischige (basari) Speisen serviert wurden, dürfen auch nicht für milchige (chalawi) Lebensmittel verwendet werden.

Geschirr wird streng getrennt aufbewahrt

Deshalb gibt es in der Synagogen-Küche zwei voneinander abgetrennte Bereiche, mit verschiedenem Besteck und Geschirr: „Das für die Milchprodukte hat ein blaues Muster, das für das Fleisch ist ganz weiß, damit wir nicht durcheinanderkommen“, sagt die gebürtige Gelsenkirchenerin. Sämtliche Utensilien müssen in strikt voneinander getrennten Spülmaschinen gereinigt werden, auch die großen Kühlschränke der Küche enthalten jeweils nur Lebensmittel der einen oder der anderen Sorte. Hier wird nicht wild gemischt! „Diese Regeln haben ihren Ursprung in der Bibel, wo es an einer Stelle heißt: ‘Du sollst ein Zicklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen.’ Und für uns gilt das bis heute“, erzählt sie. Was zunächst einfach klingt, wird im Alltag einer Großküche schnell zu einem schwierigen Unterfangen: Schnell ‘mal eine Sahne-Sauce zum Festtagsbraten anrühren, oder ein leckeres Eis zum Nachtisch reichen – das kann gleich zu religiösen Konflikten führen.

Soja-Milch sorgt für neue Kombinationsmöglichkeiten

„Wir sind sehr froh, dass es inzwischen viele Produkte mit Soja-Milch gibt, denn die darf man in der jüdischen Küche auch mit Fleisch kombinieren“, sagt Judith Neuwald-Tasbach. Seither ist auch Soja-Eis für die Kinder der Gemeinde zum Nachtisch eine Option. Früher gab es da oft nur Kompott aus Früchten. Bloss keine Sahne! Und im Zweifel hilft der Blick in die „Was ist koscher?“-Liste. „Die gibt es inzwischen auch als App fürs Handy“, verrät Judith Neuwald-Tasbach.

Die Zutaten für die Speisen bezieht die Gemeinde von einem Lebensmittelhändler aus Dortmund, der sich auf koschere Lebensmittel spezialisiert hat. „Die Fertigprodukte kommen meistens direkt aus den USA oder aus Belgien“, so Neuwald-Tasbach.

Kleine Hinweise auf den

Die koscheren Lebensmittel, die mit den Speiseregeln zu vereinbaren sind, haben auf der Rückseite klein aufgedruckte Hinweise – manchmal sind sogar die Namen der Rabbiner, unter deren Aufsicht sie ausgezeichnet wurden, darauf vermerkt.

Rabbiner Chaim Kornblum von der Gelsenkirchener Gemeinde nimmt jedes der Siegel ganz genau ins Visier, bevor er die Lebensmittel zum Verzehr in feierlicher Runde frei gibt. „Die Speisegesetze sind zwar sehr alt, aber es gab seinerzeit gute Gründe, sie einzuführen – weil es auch damals schon rauschende Feste gab“, sagt Kornblum mit einem verschmitzten Lächeln.

Auch der Wein muss koscher sein

Dann nimmt er eine Flasche Wein in Augenschein, auf der ein „K“ für „koscher“ aufgedruckt ist. „Auch Wein kann nicht-koscher sein“, erläutert die Gemeindevorsitzende Judith Neuwald-Tasbach derweil: „Oft wird Wein nämlich mit dem Einsatz von tierischer Gelatine gefiltert, und die könnte von Schweinen stammen. Diese Tiere gelten in der jüdischen Küche als unrein und dürfen auf keinen Fall verzehrt werden – auch nicht in winzigen Mengen.“

Und so stammt das koschere Fleisch vom Rind, Geflügelprodukte sind auch erlaubt, ebenso wie Fisch, wobei es auch hier Einschränkungen gibt: „Die Meerestiere, die wir essen dürfen, müssen Flossen und Schuppen haben. Aale, Krabben, Hummer und Muscheln sind deshalb nicht koscher“, so Judith Neuwald-Tasbach.

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