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Die Gelsenwasser-Stiftung „investiert in Menschen“

In der Gelsenwasser-Zentrale an der Willy-Brandt-Allee in Erle hat auch die Stiftung ihren Sitz. Geleitet wird sie vom Geschäftsführungs-Duo Bärbel Kerkhoff und Felix Wirtz.

In der Gelsenwasser-Zentrale an der Willy-Brandt-Allee in Erle hat auch die Stiftung ihren Sitz. Geleitet wird sie vom Geschäftsführungs-Duo Bärbel Kerkhoff und Felix Wirtz.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen.   Bei Gelsenwasser wurden 2016 die Förderaktivitäten in einer Stifung gebündelt. 1,6 Millionen Euro flossen seither in unterschiedlichste Projekte.

Wasserprojekte in Afrika oder Asien, Hochkultur im Revier und Kita-Aktionen überall im Land, Berufs-Perspektiven für benachteiligte Jugendliche, erzieherische Hilfen oder Schulprogramme fördert die Gelsenwasser-Stiftung. So etwas nennt man wohl: breites Spektrum. Was sich ein wenig nach gefächertem Geldfluss aus der Gießkanne anhört, ist in der Praxis Ergebnis gezielter und wohlgewählter Mittelverteilung. Verbindend ist die Zielsetzung der Stiftung. Tenor: „Wir investieren in Menschen.“ Und das reichlich. 2016 wurde die Stiftung gegründet. Gut 1,6 Millionen Euro flossen seither an die Fördernehmer.

„Von klein auf“ ist als Format längst etabliert

Neu ist das Engagement bei Gelsenwasser nicht. Auch früher war das Unternehmen vornehmlich in Sachen Bildung, aber auch Kulturförderung und gemeinnützige Aktivitäten unterwegs. Bereits seit 2003 laufen die Schulprojekte. „Von klein auf“ ist ein Format, das längst etabliert ist. Schulen und Kindergärten im Ruhrgebiet und am Niederrhein, im Münsterland und Ostwestfalen, eben dem Gelsenwasser-Land, profitier(t)en. Das Unternehmen tritt dabei mit dem Anspruch an, „Lehre und lernen besser zu machen“.

Hohe Flexibilität verspricht das Konstrukt

„2016 hat der Vorstand entschieden, dass wir die Aktivitäten zu einer Stiftung bündeln, sagt Felix Wirtz. Mit Bärbel Kerkhoff bildet er das Geschäftsführungs-Duo der Stiftung, die als gemeinnützige GmbH gegründet wurde – als sogenannte „Verbrauchsstiftung“, die von der Zuwendung des Gesellschafters lebt. Hohe Flexibilität verspricht das Konstrukt. „Wir bekommen ein jährliches Budget. Die Mittelzusage läuft über einen längeren Zeitraum, bis 2022 ist sie bereits für Schulen und Kitas festgeschrieben. Rund zwei Drittel der Mittel fließen in diesen Bereich. „Ich glaube, das ist eine gute Nachricht“, sagt Wirtz und nennt die wenigen Ausschlusskriterien: „Keine Sportförderung. Keine Tiere. Wir fördern auch keine Klassenfahrten oder Zirkusprojekte.“

335 Kitas und 381 Schulen hat die Stiftung bedacht. Rund 500 000 Euro stehen dafür pro Jahr zur Verfügung. „Wir sind stolz darauf, dass wir die Summe bis auf 56 Euro komplett verausgabt haben“, sagt Wirtz. Dreimal im Jahr entscheidet eine Jury über die Förderanträge, alle 14 Tage berät eine Stiftungsrunde über Einzelprojekte. „2017 haben wir unsere Projekte evaluiert“, sagt Kerkhoff. „Sie sind sehr gut angekommen. Die Wege sind kurz, die Vergabe ist transparent und klar“, die Verfahren unbürokratisch.

Um Nachhaltigkeit bemüht

„Wir machen sehr viel im Bereich Stärken stärken, beispielsweise bei Bewerbungstraining, der Unterstützung bei Schulabschlüssen oder Maßnahmen gegen sexuelle Gewalt“, so Geschäftsführerin Bärbel Kerkhoff. „Unsere Spenden und Förderungen sollen nachhaltig wirken. Darum investieren wir in der Regel in mehrjährige Projekte und stehen im engen Kontakt zu den Empfängern. Bereits zwei Jahre nach der Gründung gelingt es zunehmend, gute Ideen aus einer Kommune oder ein Projekt auch an anderen Orten bekannt zu machen und dort zu etablieren.“

Bei größeren Förderprojekten mit höherem Finanzbedarf kann es aus Sicht der beiden Geschäftsführer durchaus Sinn machen, „mit anderen Stiftungen zu kooperieren. „Wir erleben sehr häufig, dass unsere 2000 Euro nur ein Teil der Zusage sind, aber weitere Spenden als Anschubfinanzierung bringen“, stellt Wirtz fest.

Kooperation mit der Stadterneuerungsgesellschaft

In Ückendorf sammelt die Stiftung gerade neue Kooperationserfahrungen. Dort will sie nach Duisburger Vorbild eine besondere Tauschbar einrichten. „Tausche Bildung gegen Wohnen“ lautet die Grundidee. Für Kerkhoff ist es aktuell ihr „Lieblingsprojekt!" Junge Leute wohnen dabei mietfrei, engagieren sich dafür aber vor Ort in der Wissensvermittlung. Mit der Gelsenkirchener Stadterneuerungsgesellschaft kooperiert die Gelsenwasser-Stiftung dabei, die SEG stellt für fünf Jahre ein Haus an der Bochumer Straße zur Verfügung. Im Juni soll der Umbau beginnen. Wirtz: „Wir haben uns beeindrucken lassen von dieser positiven Grundidee.“

Doppelpass mit den Kiez-Kickern auf St. Pauli

Mit der Eintragung ins Handelsregister Ende Januar 2016 war die Gründung der Gelsenwasser-Stiftung gGmbH amtlich. Sie übernahm damals die Aktivitäten der Gelsenwasser AG in den Bereichen Bildung, Kultur und internationale Projekte. „Mit der Stiftung bündeln wir unser Engagement in der Region. Unsere Partnerkommunen und die Kulturinstitutionen haben nun einen festen Ansprechpartner“, erläuterte Henning R. Deters, Vorstandsvorsitzender des Konzerns die Gründungsidee. Gelsenwasser ist die alleinige Gesellschafterin der Stiftung.

Die kulturelle Vielfalt in der Region fördern

Die Bandbreite ist – nicht nur beim Schwerpunkt Bildung – groß und reicht von der Förderung von Schulgärten bis zur Mitfinanzierung eines Trauerraums im Halterner Gymnasium für die Opfer der Germanwings-Flugkatastrophe.

Auch die Kulturförderung nimmt breiten Raum ein. Einige Profiteure: das Consoltheater in Gelsenkirchen, das Literaturhaus in Herne, die Neue Philharmonie Westfalen oder die Junge Oper in Dortmund. Der Anspruch lautet hier: Kulturelle Vielfalt in der Region fördern – dauerhaft oder mit einmaligen Spenden.

Hilfe für Einrichtungen in Nepal, Haiti oder Bolivien

Dritter Förderschwerpunkt sind, passend zum Konzerngeschäft, internationale Wasserprojekte. Dabei arbeitet die Stiftung mit den Organisationen Viva con Agua und den SOS Kinderdörfern zusammen. Die Verbesserung der Trinkwasserversorgung oder von sanitären Einrichtungen in Nepal, Haiti, Gambia oder Bolivien wird angestrebt. Dass sich die Gelsenwasser-Belegschaft mit den Stiftungszielen identifiziert, ist gewünscht, dass sie sich auch aktiv dafür einsetzt, gern gesehen. Jennifer Kownatzki half zuletzt beim Hamburger Zweitligisten St. Pauli im Stadion am Millerntor, Pfandbecher einzusammeln. Auf Initiative der Kiez-Kicker fließt der Erlös in Wasserprojekte. Initiator war der Spieler Benjamin Adrion, der 2005 mit der Mannschaft im Trainingslager auf Kuba war. „Bechersammeln können wir uns auf Schalke auch vorstellen“, schmunzelt Wirtz. „Viva con Agua steht bereit.“

Kontakt zur Stiftung: Jennifer Kownatzki, T. 0209 708 456
https://www.gelsenwasser-stiftung.de/die-stiftung/

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