Fachkräftemangel

Die Awo will das Image sozialer Berufe aufpolieren

Mohammad Teymoori, Heike Skorupa und Gudrun Wischnewski (v.l.) erläutern die Kampagne.

Foto: Oliver Kühn

Mohammad Teymoori, Heike Skorupa und Gudrun Wischnewski (v.l.) erläutern die Kampagne.

Gelsenkirchen/Bottrop.   Mit einer neuen Kampagne stemmt sich die Awo in Gelsenkirchen und Bottrop gegen den Fachkräftemangel. Von den Plakaten lächeln echte Mitarbeiter.

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Die Arbeiterwohlfahrt mahnt den Fachkräftemangel bei Erzieherinnen und anderen sozialen Berufen an. Um ihn aktiv zu bekämpfen beginnt der Unterbezirk GE/Bottrop jetzt mit einer eigenen Personal- und Imagekampagne.

„Wir wollen Reklame für soziale Berufe machen“, sagt Awo-Geschäftsführerin Gudrun Wischnewski. Sie wolle unter anderem jungen Menschen zeigen, dass es mehr Karrieren gebe, als Jurist oder Wirtschaftswissenschaftler zu werden. Sozialpädagogen und Erzieherinnen seien ebenso eine hervorragende Option, und diese Fachkräfte würden immer gebraucht.

Kampagne richtet sich an potenzielle Arbeitsnehmer

Die neue Kampagne richtet sich nicht bloß an Berufseinsteiger, sondern an alle potenziellen Arbeitnehmer. „Wir suchen Junge und Alte, Anfänger, Aufsteiger und Wiedereinsteiger“, sagt Wischnewski und fragt rhetorisch: „Und wer könnte besser für uns werben als unsere Mitarbeiter, die sagen: Bewirb dich?“ Daher blicken keine Profi-Models mit Zahnpastalächeln von den Plakaten – es sind echte Awo-Beschäftigte. Dazu gehört der Sozialberater Mohammad Teymoori, der Flüchtlingen hilft.

Über das Ehrenamt zur beruflichen Perspektive

Begonnen hat der 24-jährige Afghane in Rotthausen zunächst als Ehrenamtler und verdient nun mit der Betreuung von Asylbewerbern seinen Lebensunterhalt. „Als ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich eine Menge Unterstützung erfahren. Die gebe ich heute aus ganzem Herzen weiter“, sagt er, und hat diese Sätze neben sein Foto aufs Plakat schreiben lassen. Er zeigt so, dass man sich über das Ehrenamt bei der Awo auch eine berufliche Perspektive aufbauen kann.

55-Jährige: „Die Awo hat an mich geglaubt“

Dagegen spricht Heike Skorupa eine andere Gruppe an. Sie ist zur Leiterin der Offenen Ganztagsschule Ludgerus (Bottrop) mit gut 150 Kindern aufgestiegen, und mit ihr als Karrierebotschafterin möchte die Awo vor allem eigene Fachkräfte anregen, Leitungsfunktionen zu übernehmen. Solch einen Aufstieg fördere der Arbeitgeber, etwa durch Fortbildungen. Dass sie mit ihrem Gesicht für die Awo wirbt, und das authentisch, ist Skorupa wichtig, denn „die Awo hat immer an mich geglaubt“, und die 55-Jährige habe bereits viele Kolleginnen per Mundpropaganda gewonnen. Die OGS wachse seit Jahren, Erzieher und pädagogische Fachkräfte, aber auch Ergänzungskräfte sind gefragt.

Viele Arbeitsverträge sind unbefristet

Doch auch für die Familienhilfe, fürs Frauenhaus und für die Quartiersarbeit braucht die Awo mehr Angestellte. Und, sagt Gudrun Wischnewski: „Ganz, ganz viele unserer Arbeitsverträge sind unbefristet.“ Sie hofft, dass Teymoori, Skorupa und die übrigen „Plakatgesichter“ helfen, das Image sozialer Berufe aufzupolieren. Auch das Vorurteil, „dass Erzieherinnen nur ein bisschen die Kinder hüten und mit ihnen spielen“, wolle die Awo bekämpfen. „Ein Tag kann noch so stressig sein, wenn Kinderaugen einen anstrahlen, ist das alles sofort vergessen“, bricht Heike Skorupa eine Lanze für ihren Job.

Für Wischnewski ist klar: „Das Thema Fachkräftemangel wird uns noch lange begleiten.“

>> Info: Altenpfleger beim Bezirk angestellt

Der Awo-Unterbezirk Gelsenkirchen/Bottrop hat über 500 Mitarbeiter. „Wir sind eine kleine Awo“, sagt Geschäftsführerin Gudrun Wischnewski. Darunter fallen jedoch keine Alten- und Krankenpfleger, diese sind beim übergeordneten Awo-Bezirk Westliches Westfalen angestellt.

Weitere Informationen auf www.awo-gelsenkirchen.de

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