Abgelehnte Asylanträge

Die Angst vor der Abschiebung ist Thema der Montagsdemo

Die Montagsdemo setzt sich für den Verbleib einiger von Abschiebung bedrohter Flüchtlinge ein.

Foto: Martin Möller

Die Montagsdemo setzt sich für den Verbleib einiger von Abschiebung bedrohter Flüchtlinge ein. Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.  Zur Montagsdemonstration kamen viele Flüchtlinge, deren Asylanträge abgelehnt wurden. Erisas Eltern hoffen auf die Härtefallkommission.

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„Nur“ von Hartz IV-Themen lebt die Montagsdemo längst nicht mehr, das Spektrum hat sich erweitert – etwa auch um die Probleme Geflüchteter oder aber, wie in dieser Woche, um die Schicksale der von Abschiebung bedrohten Menschen aus vermeintlich sicheren Herkunftsländern.

Ein Fall für die Härtefallkommission

Fall eins: Über die albanische Familie Rrustja, die mit der Hoffnung auf eine bessere medizinische Betreuung für ihre Tochter nach Gelsenkirchen kam, hat die WAZ bereits berichtet. Mutter Blerime Rrustja reiht sich Montag in die Gruppe der Montagsdemonstranten ein. Ohne Erisa, ihre mehrfach schwerstbehinderte 19-jährige Tochter. Die Familie wohnt in der fünften Etage eines Mehrfamilienhauses, in dem der Aufzug seit fünf Wochen defekt ist... In Albanien wäre ihre Tochter, die neben ihren Behinderungen auch an Epilepsie leidet, fast verhungert, erzählt sie. 25 Kilogramm leicht war das medizinisch schlecht versorgte Mädchen, als die Familie Deutschland erreichte. Inzwischen wiegt sie doppelt soviel und ist dank medikamentöser Einstellung seit sieben Monaten anfallsfrei.

Der Asylantrag der Rrustjas wurde abgelehnt. Auch das gerichtliche Widerspruchsverfahren endete erfolglos. Die Hoffnung der Familie ruht nun auf der Entscheidung der Härtefallkommission. Und auf dem Untersuchungsergebnis der Ärzte im Krankenhaus in Bethel, die auf Behinderungen und Epilepsie spezialisiert sind. Blerime lächelt, sagt: „Erisa lebt hier.“

Als Wirtschaftsflüchtlinge deklariert

Fall zwei: „Wir wurden als Wirtschaftsflüchtlinge deklariert,“ erzählen die Schwestern Dorina (17) und Elza (19). Sie sprechen gut deutsch, besuchen das Eduard-Spranger-Berufskolleg, ihre jüngere Schwester büffelt an der Mulvany-Realschule, der kleine Bruder geht in die Grundschule. Vor zwei Jahren kam die albanische Familie Beira nach Deutschland. „Wegen der guten Schulausbildung,“ sagen die beiden jungen Frauen. Aber auch die Sechs wurden als Asylbewerber abgelehnt. Die Härtefallkommission hat in diesem Fall die Behandlung abgelehnt. Nach dem Schuljahrsende droht den Beiras die Abschiebung. Dabei hatte der Vater schon zwei Arbeitsangebote – aber keine Arbeitserlaubnis.

Souleyman wurde auf dem Meer gerettet

Fall drei: Souleyman aus Guinea. Er spricht Montag zu den Versammelten. „Ich bin Flüchtling, genauso wie mein Freund Moussa und uns droht die Abschiebung. Wir wollen in Frieden leben,“ sagt er, schildert die Unruhen mit vielen Toten in seiner Heimat. In dem ethnischen Konflikt wurde sein Dorf niedergebrannt, er musste fliehen.

Die Flucht war hart. „Ich musste ein Jahr und acht Monate in Libyen bleiben und wurde gezwungen, wie ein Sklave zu arbeiten.“ Schließlich konnten sie auf ein Schlauchboot mit 123 Personen. Aber ohne Bootsführer. „Glücklicherweise rettete uns endlich ein Rettungsschiff.“ Souleymans Wunsch: „Wir wollen hier einfach nur leben mit euch, zur Schule gehen, deutsch lernen und arbeiten.“

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