Autobahnbau

Die A 42 bleibt bis 2020 in Gelsenkirchen eine Großbaustelle

Großbaustelle auf der A42 bleibt bis 2020

Neue Fahrbahn, neue Leitplanken und mehr: Die Bauarbeiten an der A42 ärgern so manchen Pendler. Die Großbaustelle bleibt noch bis 2020. Im Video: So aufwendig sind die Areiten. (Luftaufnahmen: Hans Blossey)

Neue Fahrbahn, neue Leitplanken und mehr: Die Bauarbeiten an der A42 ärgern so manchen Pendler. Die Großbaustelle bleibt noch bis 2020. Im Video: So aufwendig sind die Areiten. (Luftaufnahmen: Hans Blossey)

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Gelsenkirchen.   Auf sechs Kilometern A 42 wird hochtourig gearbeitet, auch wenn sich manche Baulücke auftut. Die Gesamtkosten liegen über 30 Millionen Euro.

Autobahnbau – das ist das Synonym für Großbaustelle, für maximalen Maschineneinsatz, für Asphaltfertiger und Großgerät. An der Bottroper Stadtgrenze auf der A 42 sieht das Dienstag komplett anders aus. Hier ist tatkräftige Handarbeit angesagt. Ein Heißluftbrenner faucht, zwei Bauarbeiter kleben Schweißbahnen auf Beton. Flammen lodern, es riecht nach Bitumen. Ein paar Meter weiter kippt ein Schubkarren-Trupp 220 Grad heißen Gussasphalt auf die Fahrbahn im Übergang von Straße zu Brückendecke. Ein Bagger gräbt sich in den Untergrund, legt das Bett frei für die künftige Entwässerung. Metalle werden geflext, Eisen für die künftigen Brückenkappen gebogen. Eine Kakophonie in wilder Konkurrenz zum Motorenlärm

70.000 Bauüberwacher sind täglich unterwegs

Keine fünf Meter entfernt rollt der Verkehr, brettern schwere Laster zwischen Schutzplankenbarrieren. Rund 12,20 Meter Fahrbahnbreite bleiben im Baubereich für den vierspurigen Verkehr in beide Richtungen zur Verfügung. Ein nie abreißender Autostrom ergießt sich Richtung Duisburg und Dortmund. 70.000 bis 80.000 Fahrzeuge passieren täglich die Baustelle zwischen Essen-Nord und Gelsenkirchen- Zentrum. „Das sind 70.000 Bauüberwacher, die täglich durchfahren und von denen viele denken: da tut sich ja nix“, sagt Karsten Uhrig.

Der 55-jährige Bauingenieur ist Projektleiter in der Abteilung Bau von Straßen.NRW. Die A 42 ist sein Revier. Und in dem tut sich aktuell sehr viel – nur eben nicht überall gleichzeitig. Es ist diese Feinabstimmung zwischen den Gewerken, die vermeintliche Baupausen in den Lücken zwischen Zeiten erhöhter Betriebsamkeit erfordert. Wenn beispielsweise Beton gegossen werde, sagt Uhrigs Kollege Benjamin Altmann, dann „muss der halt aushärten“. Und dann müsse auch keiner daneben stehen und dabei zugucken.

Gefälle und Niveau sind entscheidend

In Höhe Gelsenkirchen-Zentrum fräst ein Raupenfahrzeug auf Autobahnkilometer 36,5 Richtung Duisburg den Untergrund eben. Der Caterpillar ist GPS-gestützt mit den nötigen Höhenkoordinaten unterwegs. „Wir bauen auf den Zentimeter genau“, sagt Uhrig. Gefälle und Niveau sind entscheidend, nicht nur für die künftige Entwässerung der Fahrbahn.

Der Straßenunterbau ist knapp 30 Zentimeter stark

„Der Untergrund ist die Basis für alles, was drauf kommt. Und die muss stimmen“, sagt Uhrig. Ein Tankwagen befeuchtet die ebene Fläche, Zement wird aufgebracht und mit einer Großfräse eingearbeitet. Der verfestigte Straßenunterbau ist knapp 30 Zentimeter stark, der Aufbau mit verschiedenen Schichten Asphalt bekommt eine ähnliche Stärke. Straßen.NRW und die bauausführenden Firmen arbeiten an einem Generationenprojekt und im dauernden „Spagat zwischen Erhalt und Aufbau“, wie es Uhrig nennt.

30 Jahre soll im Idealfall mindestens halten, was hier heute fabriziert wird – inklusive der dringend erforderlichen Ertüchtigung und Teilerneuerung von allein 15 Brücken im Bauabschnitt. Überraschungen inklusive: „Wir überprüfen ja viel, wissen oft aber nicht, was uns im Inneren erwartet“, sagt Uhrig. Hinzu kommen die Unwägbarkeiten der Witterung, Altlasten, die Kampfmittelsuche.

Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft

Im Sommer war es lange zu heiß für den Betonbau, im Bereich der Abfahrt Gelsenkirchen Zentrum wurde Ende Juli noch eine 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Das Gesamtpaket hat Folgen für den Bauzeitenplan. „Wir haben erhebliche Verzögerungen gehabt, die momentan durch unheimliche Leistungsbereitschaft und optimierte Disponierung der beteiligten Firmen aufgeholt werden soll“, sagt Uhrig und sieht die Sache auf gutem Weg. „Die Eckdaten passen“. Mitte 2020 rechnet er mit der Fertigstellung des Autobahnabschnitts.

Doch es geht weiter, immer weiter. Bauende, das bedeutet für Straßenbauer eher Zwischenstopp auf Zeit. In zehn, 15 Jahren, rechnet Uhrig, wird auf Essener Gebiet der Ersatz der Bogenbrücke über den Rhein-Herne-Kanal drängen. Und irgendwann soll der sechsspurige Ausbau zwischen Kreuz Herne und Bottrop-Süd vollendet werden. Doch das, sagt der Bauingenieur, „ist alles noch im Planungsstand“. Die Arbeit wird ihm nicht ausgehen.

>> Die Vorarbeiten zwischen Essen und Gelsenkirchen

In den Jahren 2013 und 2014 wurde der A 42-Bereich zwischen dem Kreuz Essen-Nord und der Zufahrt Bottrop Süd hergestellt. Die Entwässerung, Lärmschutz und Schutzplanken im Bereich GE-Heßler wurden bis 2014 erneuert. Nach sogenannten Kurzbauphasen,die der Wiederherstellung der Verkehrssicherheit dienten, läuft seit November 2017 bis voraussichtlich Sommer 2020 die Grunderneuerung des Abschnitts zwischen Gelsenkirchen und Essen. Die Baukosten für das Gesamtprojekt werden aktuell mit 32 bis 35 Millionen Euro angegeben.

>> Der Zeitplan für die A-42-Anschluss-Stellen

Die Ausfahrt Gelsenkirchen Zentrum wird ab 26.November für den Verkehr freigegeben, die Auffahrt Richtung Duisburg voraussichtlich am 3. Dezember.

Die Auf- und Abfahrt der A 42 in Heßler wird ab 11. Dezember gesperrt. Der Projektleiter von Straßen.NRW rechnet – „abhängig von der Witterung“ mit einer Bau- und Sperrzeit „von vier bis acht Wochen“.

Die Anschluss-Stelle in Essen-Altenessen ist ebenfalls aktuell gesperrt. Die Abfahrt soll ab 10. Dezember wieder befahrbar sein, die Auffahrt erst Anfang 2019.

Im März 2019 wird die Baustelle auf der A 42 gedreht. Dann wechseln die Bautrupps auf die Fahrbahn Richtung Dortmund.

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