Chöre im Süden

Der türkische Chor „Turnalar“ singt auch das Steigerlied

Frauen sind eindeutig in der Überzahl: Der Chor Turnalar unter der Leitung von Ibrahim Cetin (vorne links) sucht männliche Verstärkung.

Frauen sind eindeutig in der Überzahl: Der Chor Turnalar unter der Leitung von Ibrahim Cetin (vorne links) sucht männliche Verstärkung.

Foto: Joachim Kleine-Büning / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Bulmke-Hüllen.  Der Gelsenkirchener Chor „Turnalar“ hat sich dem türkischen Liedgut verschrieben. Geprobt wird im „Alevitischen Bektaschi Kulturverein“.

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Die Musik zweier türkischer Volksgitarren erklingt. Chorleiter Ibrahim Cetin klopft auf seinem Instrument mit einem Finger den Takt. Dann setzt der Chor ein – einstimmig aber klanggewaltig. Er singt von Mecnun und Leyla. Ein Lied, das eine bekannte Sage vertont. „Das ist die türkische Version von Romeo und Julia“, erklärt Nurgül Erdem. Sie ist eine der Sängerinnen im Chor „Turnalar“. Übersetzt bedeutet das: „Die Kraniche“. „Das sind Zugvögel, die von Ort zu Ort ziehen. So wie unsere Lieder.“

Vor rund drei Jahren träumt Zeynep Kurucay davon, einen Chor zu gründen. Erst kurze Zeit ist sie damals in Deutschland – und vermisst den Klang der Heimat. „Ich liebe die türkischen Volkslieder“, erzählt sie mit leuchtenden Augen. Sie ist glücklich, heute mit anderen die musikalische Kultur im „Alevitischen Bektaschi Kulturverein“ leben und pflegen zu können. Schon plant sie ein nächstes Projekt, will Kinder über die Musik zusammen bringen, mit ihnen türkische und auch deutsche Lieder singen.

„Old McDonald“ wird zu „Ali Baba“

Gerade im Bereich der Kinderlieder gebe es Berührungspunkte, erzählt Nurgül Erdem. Dann schildert sie humorvoll, manch Hit sei quasi universell. Bruder Jakob gebe es ebenso im Türkischen wie „den Mann mit der Farm“. Nur dass „Old McDonald“ in der Türkei „Ali Baba“ heiße. Im Bereich der Volkslieder allerdings sei man sich zuweilen noch fremd. Der Chor „Turnalar“ jedoch wagt gerade eine Annäherung. Ein erstes deutsches Lied gehört nun zum Repertoire und wurde gar schon bei einem kleinen Konzert aufgeführt: das Steigerlied.

Freuen würden sich die Sänger auch, würden ein paar Deutsche zum Chor stoßen. Man sei offen für andere Kulturen. „Unsere Lieder kann man auf jeden Fall auch dann lernen, wenn man die Sprache nicht spricht“, macht Nurgül Erdem Neugierigen Mut. Zumal die Stücke eingängig seien. „Ich beobachte immer wieder, dass Menschen bei unseren Auftritten den Takt halten.“ Da scheine der Funke überzuspringen. „Musik verbindet. Sie ist wie eine Brücke zwischen den Kulturen.“

Süßigkeiten gehören bei den Proben dazu

So gern und so viel bei den Proben gesungen wird, dazwischen entstehen schnell angeregte Gespräche. Im großen Saal des Kulturvereins befindet sich auch eine Küchenzeile. Da ist Geselligkeit vorprogrammiert. „Wir haben hinten einen Teekocher“, verrät Nurgül Erdem, dort treffe man sich häufig während der Probe. „Und die Frauen können es einfach nicht lassen. Die bringen immer Süßigkeiten mit. Wir alle haben schon Angst, dass wir mit jeder Probe an Gewicht zunehmen.“ Das ist natürlich nicht ganz ernst gemeint. Die Frauen genießen sichtlich die Gemeinschaft, in der die Musik das Bindeglied ist. „Die älteste ist über siebzig Jahre alt, die jüngste ist um die zwanzig Jahre alt. Es ist ein schönes Miteinander.“

Eines, das maßgeblich von Frauen geprägt ist. Die einzigen Männer sind Chorleiter Ibrahim Cetin und ein weiterer Musiker. Ersterer trägt sein Schicksal mit Humor. Zu wichtig ist ihm die Pflege des Kulturgutes aus den verschiedenen Regionen der Türkei. Freuen würde er sich aber schon über männliche Verstärkung, sagt er und lacht. Die könne man auch als stimmliche Unterstützung in den Tiefen gut brauchen. Ein oder zwei Sänger hätten das auch mal ausprobiert. „Aber dann sind sie nicht wieder gekommen. Vielleicht waren hier doch zu viele Frauen für sie.“

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