Ausstellung

Der Stoff (aus dem die Träume sind) ist museumsreif

Die japanische Künstlerin Kaoru Hirano zeigt im Kunstmuseum Gelsenkirchen Werke, bei denen sie Stoff wieder in einzelne Fäden zerlegt hat, wie hier einen Drachen mit dem Titel „Koinobori, red“.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Die japanische Künstlerin Kaoru Hirano zeigt im Kunstmuseum Gelsenkirchen Werke, bei denen sie Stoff wieder in einzelne Fäden zerlegt hat, wie hier einen Drachen mit dem Titel „Koinobori, red“.

Gelsenkirchen.   Der Kunstverein Gelsenkirchen zeigt mit der Ausstellung „Textil-Art“ im Kunstmuseum Gelsenkirchen sieben verschiedene Positionen des Genres

Der Stoff, aus dem die Träume sind, hat in diesem Fall viele verschiedene Oberflächen: „’Kunst’-Stoff und ‘Textil’-Art“ treffen in der neuen Ausstellung des Kunstvereins Gelsenkirchen im Museum an der Horster Straße ab diesem Wochenende aufeinander.

Die „Stoff-Spezialisten“

„Die Idee, eine Ausstellung mit Stoffen in unsere Reihe ‘Raum+Objekt’ aufzunehmen, entstand schon 2013“, erzählt Ulrich Daduna, der Vorsitzende des Kunstvereins: „Doch schnell wurde klar, dass sich das nicht so einfach umsetzen lässt, wie gedacht – weil das Feld zu vielfältig ist.“

Der Kontakt zur Künstlerin Ulli Böhmelmann, die 2013 ihre textilen Werke im Gelsenkirchener Kunstmuseum gezeigt hatte, erwies sich für den Kunstverein dann als Glücksgriff, gemeinsam ging man auf die Suche nach „Stoff-Spezialisten“. Sechs Künstler aus (fast) ganz Deutschland und eine Künstlerin aus Japan wurden nun nach Gelsenkirchen geladen, um ihre Werke in der „Alten Villa“ des Kunstmuseums zu präsentieren.

Fantasiewesen mit Pailetten

Viele von ihnen haben sich – wie Ulli Böhmelmann, die unter anderem ihr Kunstwerk „Kapitell“ aus transparentem Vliesstoff hier zeigt – auf die Räume des Museums bezogen. „Meine Werke siedeln sich in den Räumen regelrecht an, wie Parasiten. Sie bilden dabei einen schroffen Gegensatz zu der klaren, geradlinigen Architektur“, erzählt Daniela Bergschneider, die ganz unterschiedliche Werke zeigt – kunstvoll geformt aus stretchbarem Unterwäschen-Stoff oder angeflämmtem Polyester-Baumwoll-Gemisch, das sich auf ganz besondere Weise verzogen hat. Mit ähnlichen Effekten arbeitet auch Alexandra Deutsch, die Fantasiewesen aus Pailetten-stoff oder edel glänzenden Textilien fertigt. „Die Ideen dazu entstehen auf Reisen – und oft bringe ich mir die Stoffe dafür dann auch gleich mit, etwa aus Kolumbien oder Brasilien“, sagt sie.

Fundstücke inspirieren

Einen ganz ähnlichen „Stofftourismus“ hat Reinhold Engberding für seine Kunst betrieben: In Gelsenkirchen zeigt er eine Wandinstallation mit zusammengerollten Kleidungsstücken, die er auf den Straßen von Dallas fand. „Sie waren schon mehrfach überfahren worden — diese Idee, dass jedes Teil eine Geschichte hat, fand ich interessant“, betont Engberding.

Diese Grundidee steckt auch in den Werken von Andrea Ostermeyer, die unter anderem schwebende Objekte aus abgeschnittenen Hemdkragen geschaffen hat. Das Recycling ist auch der Japanerin Kaoru Hirano wichtig: „Ich möchte, dass man sich daran erinnert, aus welchen Materialien aussortierte Kleidungsstücke entstanden sind“, erzählt sie – und hat für ihre Kunst den Kimono ihrer Schwiegermutter ebenso wieder in einzelne Fäden zerlegt wie einen traditionellen japanischen Drachen. So hat man Kunst aus Stoff garantiert noch nie gesehen!

Videokunst trifft auf Stoffobjekte

Der siebte Künstler der Reihe ist in Gelsenkirchen kein Unbekannter: Die markanten Werke des Hamburgers Jens J. Meyer hängen bereits dauerhaft in Buer. Hier zeigt er jetzt Video-Installationen auf neuen Stoff-Kompositionen. Sehenswert.

>>Info: Die Ausstellung wird am Sonntag, 3. September, um 11.30 Uhr im Kunstmuseum an der Horster Straße 5-7 eröffnet. Zur Eröffnung spricht die Kulturjournalistin Dorothee Baer-Bogenschütz. Kulturdezernentin Annette Berg wird die Begrüßung gestalten. Bis zum 5. November sind die Werke dann jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr kostenfrei zu sehen.

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