Straßenkunst

Der Gelsenkirchener Künstler Dan Geffert lebt für Graffitis

Dan Geffert, als Künstler bekannt unter dem Namen „Sponk“, vor einer seiner größten Arbeiten in Scholven vor der Salzgrotte.

Dan Geffert, als Künstler bekannt unter dem Namen „Sponk“, vor einer seiner größten Arbeiten in Scholven vor der Salzgrotte.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Unter dem Künstlernamen Sponk besprüht der Gelsenkirchener Dan Geffert ganze Häuser – legal. Viele seiner Werke sind in Herfort entstanden.

„Als Künstler muss man ein dickes Fell haben, 99 Absagen verkraften und sich über die eine Zusage freuen. Es ist schon hart“, sagt Dan Geffert. Doch der 30-Jährige scheint seinen Weg zu gehen. Einige aufsehenerregende Arbeiten hat er schon gemacht, einige große Ausstellungen stehen bevor.

Der Beginn seiner Leidenschaft für Graffitis ist klassisch und liegt 16 Jahre zurück: „Ich habe ältere Sprayer begleitet. Die haben mir geholfen, meine Zeichenfähigkeiten weiter zu entwickeln. Zwei Jahre später habe ich selbst angefangen zu sprühen.“ Zu dieser Zeit entsteht gerade die legale Szene, gibt es Flächen, die freigegeben sind. „Ich habe dort gemalt, weil ich Zeit haben wollte für meine Arbeiten.“

Auf legalen Flächen werden die Werke schnell übermalt

Zum Beispiel im Bochumer Uni-Tunnel. „Da kamen die besten Sprayer aus dem Land hin.“ Ein Wermutstropfen aber bleibt: Auf solch legalen Flächen werden Bilder recht schnell übermalt. Die Straßenkunst ist vergänglich. „Also habe ich früh begonnen, auf privaten Flächen zu malen. Da bleibt das dann auch stehen.“ Zu den wenigen Zeugnissen in seiner Heimatstadt zählt der junge Mann Arbeiten in der Zoosiedlung und die Gestaltung der Fassade der Salzgrotte in Scholven. „Eine meiner bislang größten Arbeiten“, sagt Dan Geffert, dessen Künstlername „Sponk“ ist. „Das hat mir viel abgefordert.“ Anderthalb Monate steht er damals Tag für Tag auf dem Hubsteiger, malt von morgens bis abends. „Ich habe in dieser Zeit sieben Kilo abgenommen.“

Über Empfehlungen fasst er vor fünf Jahren in Herford Fuß, gestaltet dort zunächst 15 Stromkästen – gemeinsam mit jungen Flüchtlingen und mal auch mit Strafgefangenen. Wenig später folgt ein Auftrag der Stadt, der ein echtes Event wird. „Ich habe, gemeinsam mit einem anderen Künstler, ein Abrisshaus bemalt. Da hatten wir die komplette Fläche, haben über die Fenster hinweg gemalt.“ Für einige Jahre wird Herford für Dan Geffert zur zweiten künstlerischen Heimat. „Da habe ich so viel gesprüht, da kann man mich gar nicht übersehen.“ Die Krönung dieser Schaffenszeit: Eine Litfasssäule vor dem Museum für Kunst, Architektur und Design „Marta“. „Das ist eine richtig tolle Arbeit, die man live sehen muss.“ Man müsse sie umrunden können.

Von Holland bis Malaga: Geffert ist international gefragt

Mit Herford hat der gebürtige Bismarcker vorerst abgeschlossen. Nun will er weiter ziehen. Internationale Projekte hat er hinter sich, in Malaga zieren seine Arbeiten gleich ein ganzes Hotel, in Holland einen Bauernhof. „Mein Ziel sind jetzt die großen Städte am Rhein, Düsseldorf und Köln. Ich würde gern auch in Gelsenkirchen mehr machen. Das sage ich oft zu den Mitarbeitern des Kulturreferates. Aber das ist schwierig.“

Mitunter aber bleibt dafür demnächst auch nur noch wenig Zeit. Im vergangenen Jahr hat Dan Geffert das Studium des Industriedesigns an der Folkwang Universität abgeschlossen. Mit Bestnote. Nun widmet er sich seinen Graffitis und einem weiteren Projekt: „Seit drei Jahren erforsche ich die Ästhetik des zufälligen Verhaltens von Flüssigkeiten und Farbe.“ Mittels einer selbst gebauten Maschine hält er selbst kleinste Effekte fest, macht aus solchen Makroansichten große Arbeiten. „Ich mache auch Videoinstallationen für psychodelische Festivals wie zum Beispiel das Wonderland.“

Aktuell bereitet sich der junge Künstler auf zwei Ausstellungen vor. Im November gehen seine Arbeiten, samt der entwickelten Maschine, in die Ausstellung „Das beseelte Ding“ im Folkwang Museum ein. Im Januar dann stellt er auf Vermittlung seiner Hamburger Galerie in der chinesischen Stadt Chongqing aus. Einer Stadt mit rund 33 Millionen Einwohnern. Es läuft also beim künstlerischen Nachwuchs, oder? „Ich hoffe“, sagt der bescheiden. „Aber man muss auch wirklich viel daran arbeiten.“ Wagen will er es dennoch. „Mein Leben ist die Kunst.“

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