Technologie

Der Blick durch die Brille verändert Gelsenkirchen-Ückendorf

Jeder sieht seinen ganz eigenen Teil des Films: Im alten Stadttheater, heute „Exodos“, werden 360-Grad-Clips per Brille und eingeklinktem Smartphone präsentiert.

Jeder sieht seinen ganz eigenen Teil des Films: Im alten Stadttheater, heute „Exodos“, werden 360-Grad-Clips per Brille und eingeklinktem Smartphone präsentiert.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen-Ückendorf.   Vier Tage lang bestimmt das erste „Virtual Reality Festival Places“ an 18 Orten das Bild im Kreativ-Quartier rund um die Bochumer Straße.

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Größer könnte der Kontrast kaum sein: Über ausgetretene Holztreppen mit Schalbrettern als Geländer in eine der vielen leerstehenden Wohnungen, durch eine frühere Küche mit Fliesenspiegel ins ehemalige Wohnzimmer – und da zeigt ein ausladender Flachbildschirm eine andere Welt. Die ganz eigene Realität, die gerade der Spieler mitten im leeren Raum über seine Brille erlebt. Willkommen in der virtuellen Welt.

28 Programmpartner, 18 Standorte und 30 Stationen

„Places“, Orte, heißt das erste frei zugängliche und kostenfreie Festival für Virtual Reality, das vier Tage lang bis zum Sonntag die Szenerie im Viertel an der Bochumer Straße rund um die Heilig-Kreuz-Kirche bestimmte. In alten Gründerzeithäusern, Ladenlokalen und vor allem zahlreichen Leerständen hatten die Macher mit 28 Programmpartnern an 18 einzelnen Standorten über 30 Stationen eingerichtet. Und nicht nur versierte Spieler nutzten das breitgefächerte Angebot, sondern vor allem auch Neugierige der älteren Semester. Denn die Möglichkeiten der virtuellen Realität (VR) gehen weit über den Flug mit dem Weltraumjäger und der Laserkanone hinaus.

Ganz unblutig „und ohne alles zu versauen“

Medizinerin Beate etwa kommentierte ebenso konzentriert wie fasziniert die Entdeckungen ihres Begleiters im virtuellen Anatomieraum. Ganz unblutig „und ohne alles zu versauen“ konnte der ein digitales Skelett drehen und wenden, Einzelteile herausziehen und wieder einsetzen oder die Muskeln auf der Schädeldecke des Modells die Augenbrauen hochziehen lassen. „So kann ich Patienten viel besser erklären, warum sie Rückenschmerzen haben“, nennt sie überzeugt den eindeutigen Vorteil der beweglichen Bilder.

Die Macher des Festivals um Roman Pilgrim und Matthias Krentzek sind die „Insane Urban Cowboys“, die „wahnsinnigen städtischen Cowboys“, die die vier Tage auch dafür nutzen, den Stadtteil zu beleben. Und dabei zu zeigen, was in noch leerstehenden Altbauten noch alles möglich ist, nicht nur im Kreativ-Quartier im Gelsenkirchener Süden.

Wanderung mit Straßenkarte

An „einen Ort für Begegnung, Austausch und Erlebnis“ hatte Leiter Krentzek eingeladen, und allein durch die Wanderung der Besucher anhand der Übersichtskarte zu den einzelnen Gaming- und Erlebnisstationen durch die Straßenschluchten entstand eine ungewöhnliche Atmosphäre.

„Am richtigen Ort zur richtigen Zeit“ sahen die „Cowboys“ das Festival, denn „niemand kann voraussehen, wie es in Ückendorf in zehn Jahren bestellt sein wird“. Schnuppern kann man schon mal virtuell.

> Info: Gelungene Premiere für die Cowboys

Gut 30 Mitglieder zählen die I nsane Urban Cowboys (IUC), für die Organisation und Durchführung des Places-Festivals haben sie außerdem fest auf ihr Netzwerk gebaut.

Das Festival bedeutete für sie Neuland, bisher standen eher Netzwerk-Abende, -Partys, oder -Stammtische im Programm.

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