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Demo-Sonntag in Gelsenkirchen: So reagiert die Gastronomie

Nedzad „Franco“ Kalac räumt die Stühle zusammen auf der Terrasse seiner Eisdiele „Dolce Vita" in Gelsenkirchen. Die bevorstehende Demonstration rechter Gruppen in der Gelsenkirchener Innenstadt beunruhigt ihn schon etwas. Auch wenn er glaubt, gut versicheret zu sein.

Foto: Olaf Ziegler

Nedzad „Franco“ Kalac räumt die Stühle zusammen auf der Terrasse seiner Eisdiele „Dolce Vita" in Gelsenkirchen. Die bevorstehende Demonstration rechter Gruppen in der Gelsenkirchener Innenstadt beunruhigt ihn schon etwas. Auch wenn er glaubt, gut versicheret zu sein.

Gelsenkirchen.  Rechtspopulisten-Aufmarsch und Gegendemonstration am Sonntag, 16. September, in Gelsenkirchen. So reagieren die Gastronomie-Betriebe auf die Kundgebungen.

Wer hätte das gedacht: Die wenigsten Gastronomen in der City zwischen Hans-Sachs-Haus und Hauptbahnhof wussten darüber Bescheid, dass am Sonntag, 16. September, die Rechtsgruppierungen „Mütter gegen Gewalt“ sowie die „Patrioten NRW“ in Gelsenkirchen demonstrieren und dass sich parallel dazu über das Aktionsbündnis 16.9. der Widerstand formiert.

Unterschiedliche Reaktionen

Die Reaktionen auf die bevorstehenden Demos und mögliche (gewalttätige) Auseinandersetzungen zwischen den beiden Lagern, die sich politisch spinnefeind gegenüberstehen, sind indes völlig unterschiedlich. Sie reichen von Gelassenheit über Besorgnis bis hin zum dem Entschluss, am Aktionstag gar nicht erst das Lokal zu öffnen – zum Schutz der Kunden und zur eigenen Sicherheit.

Zur Fraktion der eher Gelassenen gehören die Inhaber respektive Betreiber der Lokale Bizimmangal, Bang Bang Burgers, Extrablatt oder auch die Eisdiele Mercuri (Ebertstraße, Heinrich-König-Platz, Neumarkt). Groß ist hier „das Vertrauen in die Polizei“, die die Lage während der Kundgebungen wohl sicher im Griff haben dürfte – so der Tenor, und nicht nur bei André Hinz von der Back-Factory (Bahnhofstraße).

Schockiert und unschlüssig

Beunruhigung ob der potenziellen Übergriffe auf Kunden, Inventar und Mitarbeiter ist zu spüren bei den Eisdielen Graziella und Dolce Vita. Um die Kunden zu schützen, würden Graziella dell’ Aquila und Nedzad „Franco“ Kalac bei Gefahr schließen, Graziella zudem, wenn alle anderen Gastronomen drumherum es ebenso täten. Man sei aber gut versichert gegen Schäden durch Randalierer, betont Franco etwas trotzig.

Bei Odunlu Firini, Bizim Kasap (Neustadt/Hauptbahnhof) hatten die Betreiber vor, wie immer sonntags zu öffnen. Riza Yildiz, Schichtleiter im Odunlu Firini, kam aber ins Grübeln angesichts eines Auflaufs rechter Sympathisanten und zog „eine kurzfristige Schließung“ in Betracht, während die anderen Gastronomen noch etwas unschlüssig und schockiert waren. Zu neu war für sie die Nachricht über die Proteste.

Überraschung auch bei Rossmann und „Press & Book“ im Hauptbahnhof. Was tun am Sonntag – darüber waren die Mitarbeiter im Unklaren. Bei Rossmann zumindest gibt es am Wochenende standardmäßig einen Wachmann am Eingang.

Lieber auf Nummer sicher gehen

Auf Nummer sicher will Bakri Rakie vom Shaba Rose am Neumarkt gehen. „Ich werde sicherheitshalber schließen und Stühle und Tische einräumen“, sagt der Restaurant-Chef. Schräg gegenüber bei Topkapi will man es ihm gleichtun mit dem Mobiliar – trotz des Ruhetags am Sonntag. Sicher ist sicher.

1500 Gegendemonstranten erwartet

Die „Patrioten“ und die „Mütter gegen Gewalt“ wollen von 14 bis 16 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz demonstrieren, ihre Gegner von 13 bis 16 Uhr auf dem Heinrich-König-Platz. Erwartet werden laut Polizei insgesamt 500 Rechte und etwa 1500 Gegendemonstranten. Getreu dem allgegenwärtigen Motto: Wir sind mehr.

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