Sessions-Bilanz

Das „Steigerlied“ gehört für Julian I. zur Prinzen-Rolle

Einen kurzen Zwischenstopp vor den letzten Sitzungsterminen legte das Gelsenkirchener Stadtprinzenpaar Elisabeth I. und Julian I. in der WAZ-Redaktion in Buer ein.

Einen kurzen Zwischenstopp vor den letzten Sitzungsterminen legte das Gelsenkirchener Stadtprinzenpaar Elisabeth I. und Julian I. in der WAZ-Redaktion in Buer ein.

Foto: Heinrich Jung

Gelsenkirchen.   Julian I. und Elisabeth I. waren bis zu ihrer Proklamation nicht wirklich  Vollblut-Jecken. Das Amt füllen sie mit Freude aus – und mit Gesang.

„Karnevalsprinzessin zu sein, das muss man erlebt haben. Es gibt im Leben nichts Vergleichbares“, schwärmt Elisabeth I. Zumbansen auf dem Höhepunkt der Session. Zugleich gesteht sie: „Ich würde es aber nicht noch einmal machen.“ Wenn sich heute Abend die fünfte Jahreszeit ihrem Ende zuneigt, liegen hinter ihr und ihrem Prinzen, Julian I. Nienhaus, mehr als 120 Termine, die es in nur wenigen Wochen zu absolvieren galt. Und egal, wie man sich fühlte, Frohsinn war Pflicht. Ein strahlendes Stadtprinzenpaar nämlich krönt jeden jecken Abend.

Von der Überwindung, vor Publikum zu sprechen

Vor der Proklamation waren beide zwar dem Karneval zugetan, jedoch noch keine Vollblut-Jecken. „Man wächst da rein“, sagen beide und erinnern sich an die ersten Schritte als Tollitäten. „Für mich war es zu Beginn schon eine Überwindung, vor Publikum zu sprechen. Besonders, wenn die Zuhörer so gespannt und still waren, dass man die Stecknadel fallen hören konnte“, sagt Elisabeth I. Zumbansen. Besonders einer flößte ihr Respekt ein. „Am schlimmsten pochte mein Herz, wenn der Oberbürgermeister dabei war.“ Und eben dem musste sie an Weiberfastnacht den Schlüssel entreißen. „Er hatte mir ja bei der Proklamation gesagt, mal sehen, was ich mir dafür einfallen lasse. Das habe ich gemacht und hatte etwas vorbereitet.“ Frank Baranowski aber hatte andere Pläne. „Und ich dachte immer, warum spielt der denn nicht mit?“

Aus einer Laune heraus gesagt: „Ich mache das“

So sehr sich beide einfinden mussten in die Rolle, die Aufgabe war frei gewählt. „Ich hatte im letzten Jahr bei der Gala der Astorianer aus einer Laune heraus gesagt, im nächsten Jahr mache ich das“, erinnert sich Julian I. Nienhaus. Darauf wurde er wenig später fest genagelt. „Ich habe mir dann noch eine Woche Bedenkzeit erbeten. Als ich zugesagt hatte, habe ich mich aber drauf gefreut“, so der Prinz, bei dem der Karneval Familiensache ist. Vater Peter ist Sitzungspräsident beim „KC Astoria“ und steht singend mit Anette Schwenzfeier auf der Bühne.

Das mit dem Singen gehörte für Julian I. eigentlich nicht zum Plan. Allein bei der Karnevalsparty der „Jecken vom Pütt“ stimmte er das „Steigerlied“ an, gefolgt von dem Versprechen, das nie wieder zu tun. Dann verselbstständigte sich die Sache. „Jetzt komme ich aus dem Singen nicht mehr raus.“ Jedoch bescherte es dem Prinzen einen unvergesslichen Moment: „Wir waren bei der Lebenshilfe und ich habe das Lied angestimmt. Es war beeindruckend, wie alle mitgemacht haben. Es ist sehr schön zu sehen, dass es Menschen gibt, die sich so darüber freuen.“

„Was Karneval in Menschen bewirken kann“

Wie sehr der Karneval die Menschen bewegt, das erlebte auch Elisabeth I. bei vielen Gelegenheiten. „Ich erinnere mich besonders an eine Seniorensitzung. Da sprach mich eine Frau schon an der Eingangstür an. Sie erzählte mir, dass ihr Mann seit vier Jahren nicht mehr spricht und nur liegt. Aber an dem Tag sprach er, sang, und klatschte. Das hat mich so berührt, dass ich bis zum Schluss mit den Tränen gekämpft habe. Da habe ich gedacht, es ist unglaublich, was der Karneval in Menschen bewirken kann.“

Apropos Tür-Erlebnisse: Vor der Proklamation hatte die Prinzessin vermutet, es werde ihr schwer fallen, sich daran zu gewöhnen, dass ihr die Herren nun die Türe öffnen und sie vorgehe. Eine Berufskrankheit sei das. „Ihre Lieblichkeit“ nämlich arbeitet im wahren Leben in der Justizvollzugsanstalt an der Munckelstraße, wo sie ihren Mann stehen muss und stets den Insassen die Türen öffnet. „Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt und beschwere mich sogar, wenn mir keiner die Tür aufhält.“

Hoffen auf gutes Wetter

Mit dem heutigen Tage fallen Stress und Anspannung vom Prinzenpaar ab. Morgens besucht man noch die „Gelsenkirchener Werkstätten“, dann geht es zum Rosenmontagszug. Der Moment, in dem beide das jecke Treiben nur noch genießen können. „Wir hoffen, dass bis dahin alle gesund bleiben. Besonders die Garde, die mittlerweile auf dem Zahnfleisch geht und die uns großartig unterstützt hat.“ Für sich selbst hat das Prinzenpaar nur einen Wunsch für den Rosenmontag: „Dass das Wetter mitspielt.“

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