Bastian Bielendorfer

Das „Lehrerkind“ plaudert über Lustiges aus seinem Leben

Bastian Bielendorfer, Buchautor und Comedian aus Gelsenkirchen, stellte sein neues Buch „Papa ruft an“ vor.

Foto: Olaf Ziegler

Bastian Bielendorfer, Buchautor und Comedian aus Gelsenkirchen, stellte sein neues Buch „Papa ruft an“ vor. Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen.   Der Gelsenkirchener Buchautor und Comedian Bastian Bielendorfer begeistert sein Publikum bei ausverkauften Auftritten im Hans-Sachs-Haus.

„Ein Mann mit Pils in der Hand, der nicht klatscht. Das ist Gelsenkirchen. Schön, in der Heimat zu sein“, waren die ersten Worte von Bastian Bielendorfer als er unter Beifall auf die Bühne stieg. Der 33-Jährige, der in der Ruhrpottstadt aufgewachsen ist, das Grillo-Gymnasium besuchte, mittlerweile in Köln lebt und die Leute als Comedian und Buchautor deutschlandweit zum Lachen bringt, gastierte am Donnerstag und Freitag mit seinem Programm „Papa ruft an“ im Hans-Sachs-Haus. Nach dem Motto „Aller guten Dinge sind drei“ bespielt er am heutigen Samstag erneut den Saal mit seinen 400 Plätzen.

Geschichten aus dem vierten Buch

Angekündigt war die Veranstaltung, die bereits im Vorfeld an allen drei Terminen ausverkauft war, als Lesung. Zwar las das Kind eines Lehrerehepaars mal auf gedruckten Seiten, mal in einem E-Book mit wechselnder Stimmlage lustige Geschichten aus seinem bereits vierten Buch, aber auch durch mehrere spontane Improvisationen wurde es nie langweilig.

Gerade seine Familie stand im Fokus der lebendigen, bildlich beschriebenen Erzählungen. Wohl am häufigsten wurden seine Eltern, wenn auch nicht immer ganz ernst gemeint, dabei zur Zielscheibe. „Meine Mutter war Lehrerin an meiner Grundschule, mein Vater war Lehrer auf meinem Gymnasium. Und mein Onkel war Direktor. Mein Leben war die Hölle“, sagte der Diplom-Psychologe etwa zur Freude aller.

„Traumwetter, aber nur für Sumpfpflanzen“

Von einem „Heimaturlaub“ mit seiner Familie und „Traumwetter, aber nur für Sumpfpflanzen“ an der Ostsee, berichtete er genauso, wie davon, als sein Vater zum ersten Mal in der Küche auf sich allein gestellt war, während die Mutter in der Kur entspannte. Ein zerschlagenes Fenster, eine kaputte Mikrowelle, kein Essen und „moderne Kunst an der Decke“ seien das Ergebnis des Nahrungsbeschaffungsversuchs gewesen.

An ein Erlebnis in Gelsenkirchen erinnerte sich Bielendorfer ganz genau. Eine jüngere Dame hätte ihn in einem Café mal als „Justin Bieber von Gelsenkirchen“ nach einem Autogramm gefragt. Auch über seinem Neffen Ludger, den Sohn zweier Waldorflehrer, auf den er hin und wieder mal aufpasst, hatte er einige Storys auf Lager. „Ludger spielt auf seiner Geige, als ob man eine Katze durch einen Thermomixer laufen lässt.“

Geburtstag von Mops Otto im Fahrstuhl verbracht

Den feierlichen Geburtstag seines Mopses Otto – den er selbst im eingesperrten Fahrstuhl verbracht hatte – wird der ehemalige „Wer wird Millionär“-Teilnehmer wohl nicht vergessen. „Ich erzähle lustige Geschichten aus dem Leben. Teilweise übertrieben. Der Kern ist aber wahr. Und manche sind komplett wahr“, klärte Bielendorfer sein immer wieder in Gelächter ausbrechendes Publikum auf, in dem sich ganz bestimmt auch der eine oder anderer Lehrer oder Schüler versteckt hatte.

Vater Bielendorfer über den Sohn: „Der macht das gut“

Zwei besondere Gäste hatte Bielendorfer eingeladen. Seinen guten Freund Hannes Weyland, der nach der Pause zwei emotionsgeladene, deutsche Popstücke auf der Akustikgitarre spielte. Zum anderen saß Vater Wolfgang Bielendorfer im Publikum, mit dem er dieses Mal nicht übers Telefon kommunizieren musste. Dem 68-Jährigen, der mittlerweile nicht mehr als Lehrer aktiv ist, schien, der Nachwuchs auf der Bühne gefallen zu haben: „Der macht das gut. Stark übertrieben, aber lustig. So ist der auch sonst.“ So sah es wohl auch der Rest des Publikums. Nach der über zweistündigen Veranstaltung wurden noch fleißig Selfies geschossen und Bücher signiert.

Mit GE verbindet er „schöne und bittere Gefühle“

Nach dem Heimspiel nahm sich Bastian Bielendorfer noch etwas Zeit – nicht nur für Selfies, sondern auch für ein Gespräch mit WAZ-Mitarbeiterin Maria Eckardt.

Wie ist es für Sie, in der Heimat aufzutreten?

Bastian Bielendorfer: Es ist ungelogen immer etwas ganz Besonderes. Die Stadt bedeutet mir sehr viel, weil sie immer meine Heimat sein wird, weil nirgendwo sonst so viele Menschen zu meinen Auftritten kommen und weil nirgendwo die Menschen so sind wie hier. Mit diesem Ort verbinde ich schöne und auch bittere Gefühle, weil ich ja wirklich als Lehrerkind auch gemobbt wurde.

Vermissen Sie Gelsenkirchen und auch Ihre Eltern manchmal?

Gemischt. Ich bin immer gerne hier, aber es ist nicht so schlimm, dass ich woanders lebe, allein wegen des Privatlebens. Dass ich als Justin Bieber von Gelsenkirchen bezeichnet wurde, stimmt übrigens wirklich. Zu meinen Eltern: Ich habe mehrere Bücher geschrieben darüber, wie eng der Kontakt ist. Vermissen wäre das falsche Wort, ich mag sie sehr gerne. Unsere portionierte Beziehung ist genau so richtig, wie sie ist.

Wie geht’s Ihren Eltern?

Gut! Mein Vater kommt ja auch zu den Shows und gibt bereitwillig Autogramme. Meine Mutter kommt allerdings nicht, weil sie nicht so gut damit zurechtkommt, dass sie die Hälfte der Leute unterrichtet hat (lacht).

Wie oft telefonieren Sie mit ihnen?

Jeden Tag. Mit meinem Vadder ungefähr 17 Sekunden, mit meiner Mutter zwei bis acht Stunden.

Wenn Sie mal selbst Kinder haben, werden Sie sie genauso erziehen?

Die Sperenzien meines Vaters – beispielsweise mit dem Weihnachtsmann – waren pädagogisch fragwürdig. Das würde ich mit meinen Kindern nicht unbedingt machen. Aber sonst scheint es ja gelungen zu sein (lacht).

Was haben Sie aus der Schulzeit mitgenommen?

Die Erkenntnis, dass egal welches Deck das Leben einem gibt, man trotzdem immer noch eine neue Hand bekommen kann. Ich war in der Schule ein richtiger Looser, jetzt darf ich hier spielen.

Letztens hat mir ein Mädel geschrieben, dass sie ihren Exfreund im Buch erkannt hat. Sie fragte, ob das der Idiot wäre, der mich damals immer gequält hat. Mittlerweile sei er der letzte Dorfsheriff bei der Polizei. Ich habe ihr geschrieben, er war’s nicht – aber er war es auf jeden Fall.

Wie sieht Ihr Leben in nächster Zeit aus?

Ich bin im Moment auf Comedy-Tour durchs ganze Land. Zudem werde ich dieses Jahr wahrscheinlich eine TV-Show machen, eventuell auch moderieren. Und das Programm wird wahrscheinlich auch fürs Fernsehen aufgezeichnet.

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