Serie Starke Frauen

Das Eigengewächs an der Spitze der Gelsenkirchener Sparkasse

Runterkommen: Nach einer 50- bis 60-Stunden-Woche ist das unheimlich wichtig, meint Vorstandsfrau Stephanie Olbering. Der Ziegenmichelhof in Heßler gehört zu den Lieblingsplätzen der gebürtigen Gelsenkirchenerin.

Runterkommen: Nach einer 50- bis 60-Stunden-Woche ist das unheimlich wichtig, meint Vorstandsfrau Stephanie Olbering. Der Ziegenmichelhof in Heßler gehört zu den Lieblingsplätzen der gebürtigen Gelsenkirchenerin.

Foto: Foto: Olaf Ziegler / FFS

Gelsenkirchen-Heßler.  Stephanie Olbering (56) ist Spezialistin der Sparkasse im Kreditgeschäft. Nach ihrer Ausbildung hat die Ückendorferin eine Männerdomäne erobert.

Die Sonne steht über den Wipfeln, auf den Weiden grasen die Pferde, Kamille und Mohn säumen den Wegesrand: Es ist ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch – den Stephanie Olbering ausnahmsweise mal nicht in ihrem Büro verbringt. „Komm, komm her zu mir“, ruft die 56-Jährige dem Mischling zu, der ihr auf dem Trampelpfad entgegen springt. Hier draußen auf dem Ziegenmichelhof in Heßler kann die Vorstandsfrau loslassen. „Wichtig“, meint sie.

Diplom in der Kaderschmiede

Stephanie Olbering wurde in Horst geboren. Als sie nach ihrem Abitur 1982 ihre Ausbildung bei der Sparkasse Gelsenkirchen begann, war ihr keineswegs klar, dass sie über 30 Jahre später in einem der Chefsessel des Geldinstituts landen würde. „Mein ursprünglicher Traum war, Medizin zu studieren“, erzählt die Finanzexpertin. „Aber dazu hat der NC nicht gereicht.“

Dass sie nach der Lehre weiterlernen würde, war für die ehrgeizige junge Frau aber keine Frage. „Ich habe überlegt, ob ich an die Uni gehe oder die internen Weiterbildungsmöglichkeiten nutze.“ Olbering entschied sich für die zweite Variante – und durchlief Sparkassenintern einen Fachlehrgang nach dem anderen. Auch im operativen Geschäft übernahm die aufstrebende Bankkauffrau immer mehr Verantwortung, leitete Geschäftsstellen, spezialisierte sich auf das Kreditgeschäft. 1989/90 dann das Lehrinstitut in Bonn, die „Kaderschmiede“ des Sparkassen-Führungspersonals: Hier absolvierte die damals 25-Jährige ihr Diplom zur Sparkassenbetriebswirtin – formal war sie damit für einen Vorstandsposten qualifiziert. „Aber dann hat es trotzdem noch ziemlich lange gedauert – länger, als ich dachte“, räumt Olbering ein. Denn für die Spitzenposition des Gelsenkirchener Finanzinstitutes zählen nicht nur die richtigen Abschlüsse auf dem Papier. „Am Ende muss man auch gewählt werden.“

Viel gearbeitet, viel gelernt, viel gesprochen

Sparkassenvorstand ist Stephanie Olbering inzwischen seit zwölf Jahren; zusammen mit zwei Männern. Was brauchen Frauen, um in einer Männerdomäne erfolgreich zu sein? „Ich weiß nicht, ob Frauen etwas besonderes brauchen. Ich habe immer viel gearbeitet, viel gelernt. Auch viel gesprochen. Ich habe mich eingesetzt.“ Ob sie als Führungsfrau etwas anders mache als ihre männlichen Vorstandskollegen? „Ich denke schon, dass ich etwas anders mache, ich bin ja eine Frau. Aber genau benennen, was das ist – das fällt mir schwer.“

Trotz Karriere und Topjob: Stephanie Olbering hat Gelsenkirchen nie für längere Zeit verlassen. „Ich wollte in Gelsenkirchen bleiben, weil ich die Akteure hier kenne. Und weil ich an Gelsenkirchen glaube. Ich möchte mit einer stabilen Sparkasse dazu beitragen, dass es meiner Stadt gut geht.“ Die 56-Jährige lacht. „In der Sparkasse nennt man so etwas wie mich Eigengewächs.“ Inzwischen wohnt die Sparkassendirektorin in Ückendorf gegenüber dem Wissenschaftspark. Im Aufsichtsrat der Gesellschaft für Stadterneuerung engagiert sie sich für die Entwicklung der Bochumer Straße. „Die Stadt steckt jetzt Geld in dieses Quartier, und man sieht schon erste Erfolge. Wenn hier in Zukunft auch noch mehr Hausbesitzer Geld in die Hand nehmen, um ihre Gebäude zu sanieren, habe ich wirklich Hoffnung.“

Pferd ist wichtig zum Runterkommen

Stephanie Olbering arbeitet 50 bis 60 Stunden in der Woche. Auf Kinder hat die Karrierefrau verzichtet. „Das wäre auch schwierig geworden, glaube ich.“ Ausgleich vom zehrenden Tagesgeschäft sucht sie dennoch regelmäßig. Der Ziegenmichelhof mit seinen Tieren und idyllischen Anlagen in Heßler gehört zu ihren Lieblingsorten in Gelsenkirchen. „Wo ich wirklich runterkomme: bei meinem Pferd. Das steht auf einem Reiterhof in Gladbeck. Ich versuche es zwei mal in der Woche selbst zu bewegen.“ Auch die regelmäßigen sonntäglichen Telefonkonferenzen mit ihren fünf Geschwistern sind für Pferdenärrin Seelenmassage. „Meine Familie macht mich glücklich.“

Starke Frauen in Gelsenkirchen Folge 4
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