Coronavirus

Drei Coronavirusfälle: Wie die Stadt Gelsenkirchen reagiert

Sozialdezernent Luidger Wolterhoff (2.v.r.) spricht am Donnerstag, 5. März 2020, in Gelsenkirchen auf einer Pressekonferenz zur Coronavirus-Erkrankung von drei Menschen in Gelsenkirchen. Ebenso im Bild (v.l.): Stadtsprecher Martin Schulmann, Feuerwehrchef Michael Axinger, Stadträtin Karin Welge und Gesundheitsamtsleiter Klaus Mika. Auf einem Tisch liegt Informationsmaterial über Hygienemaßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus.

Sozialdezernent Luidger Wolterhoff (2.v.r.) spricht am Donnerstag, 5. März 2020, in Gelsenkirchen auf einer Pressekonferenz zur Coronavirus-Erkrankung von drei Menschen in Gelsenkirchen. Ebenso im Bild (v.l.): Stadtsprecher Martin Schulmann, Feuerwehrchef Michael Axinger, Stadträtin Karin Welge und Gesundheitsamtsleiter Klaus Mika. Auf einem Tisch liegt Informationsmaterial über Hygienemaßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Die Zahl der Infektionsfälle mit dem Coronavirus ist in Gelsenkirchen auf drei gestiegen. Mittlerweile hat die Stadt über Details informiert.

Die Zahl der Infektionsfälle mit dem neuen Coronavirus in Gelsenkirchen ist auf drei angewachsen. Nach einer Altenpflegerin aus Gelsenkirchen am Mittwoch, die für einen Essener Pflegedienst tätig ist, sind am Donnerstag zwei weitere Fälle in Gelsenkirchen bekannt geworden. Ihre Testergebnisse waren positiv.

Coronavirus: Stadt Gelsenkirchen informiert auf einer Pressekonferenz

Alle drei Personen wohnen in einem Haushalt und sind im Süden der Stadt ansässig. Auf Anweisung des Landes werden keine näheren Angaben gemacht. „Die drei Infizierten befinden sich in häuslicher Quarantäne“, sagte Klaus Mika, Leiter des Gesundheitsamtes Gelsenkirchen, auf einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag. Allen gehe es gut, zwei Familienmitglieder zeigten leichte bis mittelschwere Symptome, eines keine.

„Ich gehe davon aus, dass der Krankheitsverlauf wie in 80 Prozent der Fälle unproblematisch verlaufen wird“, so Mikas Prognose. Grundlage seiner Einschätzung ist der Verlauf der ersten Krankheitstage. Außerdem gehören sie offenbar zu keiner Risikogruppe: Keiner der Infizierten ist Kind, Schüler oder älter als 60 Jahre. Zum Kreis möglicher Kontaktpersonen hieß es, er sei erfreulicherweise überschaubar klein.

Vorerst kein Einfluss auf das öffentliche Leben

Die drei bestätigten Coronavirus-Fälle in Gelsenkirchen haben zurzeit keinen direkten Einfluss auf das öffentliche Leben. Wie die Stadt über Kämmerin Katrin Welge und Sozialdezernent Luidger Wolterhoff mitteilte, finden alle Fußballspiele am Wochenende wie geplant statt. „Wer allerdings Symptome einer Erkältung verspürt, sollte sicherheitshalber zu Hause bleiben“, riet Stadträtin Katrin Welge mit Blick auf die Partie zwischen Schalke und Hoffenheim am Wochenende in der Veltins-Arena. Ebenso Menschen, die in Kernverbreitungsgebieten des Virus – Südtirol oder Heinsberg – gewesen sind.

Für das Spiel Gladbach gegen Dortmund gilt eine Sonderregelung: Alle Fans, die im Kreis Heinsberg wohnen, bekommen vom Verein ein besonderes Angebot: Sie können ihre bereits gekauften Karten für das Topspiel zurückgeben. Je nach Wunsch bekommen entweder ihr Geld zurück oder können sich kostenlos das nächste Champions- oder Europa-League-Spiel im Borussia-Park ansehen.

Für alle anderen Partien – etwa Schalke gegen Hoffenheim – gilt das nicht. Ursprünglich hieß es, dass eine Kartenrückgabe möglich sei.

Für die Theater der Stadt seien zurzeit keine Einlasskontrollen oder besonderen Präventionsmaßnahmen geplant. Aber: Eine für Freitag geplante Messe im Wissenschaftspark anlässlich des Weltfrauentags am 8. März ist vorsichtshalber abgesagt worden. Für größere (Bühnen-)Veranstaltungen, wie etwa den Auftritt der Kabarettistin Lisa Eckhart im Hans-Sachs-Haus am Donnerstagabend, habe die Stadt die Empfehlung an die Veranstalter ausgesprochen, Gästelisten zu führen, damit man im Fall einer späteren Erkrankung mögliche Kontaktpersonen schneller identifizieren könne. Das passiert auf freiwilliger Basis, allein schon aus Datenschutzgründen.

Lagezentrum eingerichtet, zusätzliche Hotline und mehr Retter ab Montag im Dienst

Kämmerin, Sozialdezernent und Gesundheitsamtsleiter betonten unisono, dass es sich um eine Gesundheits- und keine Krisenlage handele, „bei der man jeden Krankheitsfall situativ betrachten müsse.“ Die Stadt halte engen Kontakt zu den Nachbarkommunen, um entsprechend agieren zu können. Alle Informationen laufen im neu gebildeten Lagezentrum Corona der Stadt zusammen. In der Nachbarstadt Essen gibt es aktuell fünf Infektionsfälle, in Bochum zwei. Zudem gibt es ab Montag eine zusätzliche Hotline für besorgte Bürger.


Feuerwehr-Chef Michael Axinger sprach von einer „ruhigen Lage“, trotz des Winterwetters sei die Zahl der Krankentransporteinsätze im Vergleich zu anderen Jahren „eher geringer“. Übersteigerten „Infektionsalarm“ gebe es nicht. Ab nächster Woche gesellt sich zu den 16 Rettungswagen, drei Notarztwagen und fünf Krankentranfahrzeugen im Stadtgebiet noch ein weiteres Kranken-Fahrzeug dazu. Eine Vorsichtsmaßnahme.

Pläne für den Schutz der Ärzte und des Pflegepersonals noch in Arbeit

Eine zentrale Anlaufstelle, wo sich Menschen testen lassen können, wird es vorerst nicht geben, wie die Stadt mitteilte. Testen lassen sollte sich ohnehin nur Patienten nach ausdrücklicher Empfehlung des Arztes. Grundsätzlich gilt: Patienten sollten im Verdachtsfall nicht ohne telefonische Anmeldung eine Praxis, ambulante Notdienstpraxis oder eine Krankenhausambulanz aufsuchen.

Gesundheitsamtleiter in Gelsenkirchen zum Coronavirus
Gesundheitsamtleiter in Gelsenkirchen zum Coronavirus

Aktuell arbeitet nach Angaben der Stadt die Kassenärztliche Vereinigung in Absprache mit Land und Kommunen daran, wie der Schutz der Ärzte und des Pflegepersonals in Praxen und Kliniken sichergestellt werden kann. In den nächsten Tagen soll Klarheit dazu herrschen. Die Gelsenkirchener Krankenhäuser und Kliniken verfügen über Isolierstationen mit zwölf Plätzen, ihre Anzahl lasse sich aber ohne größere Probleme vervielfachen“, so Gesundheitsamtsleiter Klaus Mika.

Auch Essen meldet weitere Corona-Fälle

Aus Essen wurde bekannt: Auch der Pflegedienst, bei dem die infizierte Mitarbeiterin angestellt ist, hat zwei weitere Mitarbeiter ausgemacht, die am Coronavirus erkrankt sind. Diese beiden Mitarbeiter, ein Mann und eine Frau, hätten regelmäßig Kontakt zu etwa 30 Patienten, berichtet Essens Stadtsprecherin Silke Lenz.

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