Kreuzweg

Christen singen und beten auf dem Weg zur Himmelsleiter

Die Mitglieder der St. Johannes-Gemeinde auf dem Kreuzweg auf der Halde Rheinelbe. Bis zum Ziel an der Himmelstreppe machten die Gläubigen an mehreren Stationen halt, sprachen Gebete und sangen.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Die Mitglieder der St. Johannes-Gemeinde auf dem Kreuzweg auf der Halde Rheinelbe. Bis zum Ziel an der Himmelstreppe machten die Gläubigen an mehreren Stationen halt, sprachen Gebete und sangen. Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen.   Seit 2005 gehen Christen aus der Pfarrgemeinde St. Johannes am Karfreitagden Kreuzweg auf der Halde Rheinelbe in Ückendorf.

Der Karfreitag ist einer der höchsten Feiertage in der katholischen und evangelischen Kirche, an denen Christen des Todes Jesu Christi gedenken. Geschäfte bleiben an dem bundesweiten Feiertag geschlossen; es herrscht Tanzverbot. Papst Franziskus verfolgt die Prozession in Rom, mit der die 14 Stationen des Leidenswegs Jesu nachgestellt werden. Doch nicht nur im fernen Rom, auch in Gelsenkirchen, gehen Christen einen Kreuzweg und beten.

Mitgefühl für Leidende im Vordergrund

Seit 2005 ist es Tradition in der Pfarrgemeinde St. Johannes in Leithe, Karfreitag den Weg von der Kirche hinauf zur Himmelsleiter als Kreuzweg zu gehen – seit einigen Jahren auch gemeinsam mit der Propsteigemeinde St. Gertrud. „Wir gedenken dabei nicht nur Jesu, sondern auch anderer Menschen, die einen Leidensweg zu gehen haben. Beim Kreuzweg können wir auch unseren eigenen Weg mit dem ein oder anderen Leid im Blick haben. Das Ganze soll nicht nur ein Gedenken sein, sondern auch ein Nachspüren. Mitgefühl soll dabei im Vordergrund stehen“, erklärt Anke Wolf, Gemeindereferentin von St. Johannes, die unter anderem an den Vorbereitungen der Wanderung beteiligt war.

Themenschwerpunkte gesetzt

Erwachsene und Kinder hatten sich dazu morgens an der St. Johannes Kirche versammelt. Zum ersten Mal bei dem Gebetsgang dabei war Susanne Strick aus Ückendorf. „Es war mir ein inneres Bedürfnis, dieses Mal den Kreuzweg mitzugehen. Das letzte Mal bin ich einen Kreuzweg vor ungefähr zehn Jahren gegangen, damals noch mit meinen Eltern“, sagt die 34-Jährige.

Gemeinsam traten über 100 Gläubige aus Gelsenkirchen und Bochum den Weg Richtung Himmelsleiter an. An sechs verschiedenen Stationen machte man Halt, um an das Leid Christi und das Leid in der Welt zu denken. An der ersten Station mit dem Titel „Verraten und verurteilt“ wurde ein Dornenkranz niederlegt. „Jesus wurde verhaftet und verurteilt. Dann haben ihn die Soldaten verspottet und ihm eine Dornenkrone aufgesetzt. So wie damals Jesu verraten und verspottet wurde, ergeht es auch heute noch Menschen auf der Welt“, predigte eine der Gemeindereferentinnen währenddessen.

Jede Station hatte einen thematischen Schwerpunkt. Sie waren betitelt mit: „Ausgegrenzt-Sein und fallen“, „Trösten und unterstützen“, „Auslachen und weinen“, „Sehnen nach Erlösung“ sowie „Verzweifeln und anvertrauen“. Bei jedem Halt sprachen die Christen Gebete. Auch gesungen wurde bei der Zeremonie. „Herr erbarme dich“ und „Herr in deine Hände“ erklang unter anderem in verschiedenen Stimmfarben auf der Halde Rheinelbe in Ückendorf an der Stadtgrenze zu Wattenscheid.

Bei Wind und Wetter mitgelaufen

Seit wann Katharina Kruszewski mitläuft, fällt ihr spontan nicht ein. „Auf jeden Fall sind es schon viele Jahre. Mir erscheint es sehr wichtig. Auch, um den Weg des Sterbens nachzuvollziehen“, so die 73-Jährige. Auch für Annemarie Tylicki ist der Weg zur Himmelsleiter an Karfreitag Tradition. „Ich bin von Anfang an dabei und habe das Ganze mit ins Leben gerufen. Schön finde ich, dass es auch immer mehr Teilnehmer werden“, meint die 74-Jährige, die im Gemeinderat tätig ist.

Sie fährt fort: „Bei jedem Wetter sind wir gelaufen. Einmal war es sehr, sehr kalt. Uns allen sind die Finger eingefroren. Das war ein richtiger Kreuzweg.“

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