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Bundestagswahl 2021 in Gelsenkirchen: Die wichtigsten Fragen

| Lesedauer: 11 Minuten
Sechs der elf Gelsenkirchener Bundestagskandidaten: Markus Töns (SPD), Laura Rosen (CDU), Irene Mihalic (Grüne), Marco Buschmann (FDP), Jörg Schneider (AfD) und Ayten Kaplan (Linke).

Sechs der elf Gelsenkirchener Bundestagskandidaten: Markus Töns (SPD), Laura Rosen (CDU), Irene Mihalic (Grüne), Marco Buschmann (FDP), Jörg Schneider (AfD) und Ayten Kaplan (Linke).

Foto: Funke Foto Services

Gelsenkirchen.  Wer zieht für Gelsenkirchen im September in den Bundestag ein? Hier finden Sie alle Infos über die Kandidaten, das Wahlsystem und die Parteien.

Die Deutschen wählen am 26. September einen neuen Bundestag – und damit indirekt, wer Angela Merkel als nächste Kanzlerin oder nächster Kanzler im Amt beerbt. Zudem können die Wahlberechtigten in Gelsenkirchen einen Direktkandidaten wählen. Alle Infos zur Bundestagswahl 2021 und den Direktkandidaten in Gelsenkirchen finden Sie hier im Überblick.

Wofür ist die Erststimme?

Mit der Erststimme wählen die Deutschen – „personalisiert“ – einen Direktkandidaten oder eine Direktkandidatin ihres Wahlkreises. Der Kandidat oder die Kandidatin mit den meisten Stimmen zieht in den Bundestag ein. Deutschland ist in 299 Wahlkreise aufgeteilt, in denen jeweils durchschnittlich 250.000 Menschen leben. Im Bundestag werden somit 299 Plätze über die Erststimmen besetzt und es wird dadurch sichergestellt, dass jede Region aus Deutschland vertreten ist. Gelsenkirchen ist ein eigener Wahlkreis (Wahlkreis 123), in dem elf Direktkandidaten zur Wahl stehen (Übersicht weiter unten).

Wofür ist die Zweitstimme?

Mit der Zweitstimme wählen die Wahlberechtigten eine Partei, die ihren Überzeugungen am meisten entspricht. Die Zweitstimme entscheidet damit über die Mehrheitsverhältnisse der Parteien – also wie viele Sitze einer Partei im Bundestag zustehen. Damit ist die „Zweitstimme“ trotz ihres Namens wichtiger als die „Erststimme“.

Mit ihrer Zweitstimme wählen Bürger die Landesliste einer Partei. Darauf stehen Kandidaten und Kandidatinnen, die eine Partei für ihr Bundesland nach Berlin entsenden möchten. Je weiter eine Person in der Liste oben steht, desto besser stehen die Chancen, in den Bundestag einzuziehen. Wer also nicht direkt durch die Erststimme gewählt wird, hat nur noch die Chance über die Landesliste in den Bundestag einzuziehen.

Was sind Überhangmandate?

Damit eine Partei im Bundestag vertreten ist, muss sie mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen oder mindestens drei Direktmandate über die Erststimme bekommen. Erhält eine Partei weniger als fünf Prozent, verfallen ihre Zweitstimmen. Es kann allerdings auch sein, dass eine Partei in einem Bundesland mehr Direktmandate über die Erststimmen erhält, als ihr Sitze im Bundestag laut Zweitstimmen überhaupt zustehen. Da alle direkt gewählten Kandidatinnen und Kandidaten in den Bundestag auf alle Fälle einziehen, gibt es quasi Mandate, die „zu viel” sind. Diese Mandate nennt man „Überhangmandate”.

Nach dem neuen Wahlrecht werden diese Überhangmandate seit 2013 durch so genannte Ausgleichsmandate für anderen Parteien ausgeglichen, damit das Verhältnis zum Zweitstimmen-Ergebnis wieder stimmt. Diese Ausgleichsmandate werden wiederum in einem komplizierten Rechenverfahren ermittelt. Die Anzahl der Sitze im Bundestag wird so lange erhöht, bis die Sitzverteilung wieder das Zweitstimmenverhältnis erreicht.

Die Folge: Der Bundestag wird immer größer. So umfasst beispielsweise der aktuelle Bundestag 709 Sitze – und damit insgesamt 111 Übergangs- und Ausgleichsmandate – mehr als ein Siebtel aller Mandate im Bundestag.

Wer sind die Direktkandidatinnen und Direktkandidaten in Gelsenkirchen?

Im Gelsenkirchener Wahlkreis 123 kandidieren elf Kandidatinnen und Kandidaten.

Markus Töns (SPD): Bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2017 holte Markus Töns mit 38,3 Prozent die meisten Erststimmen – und zog nach zwölf Jahren im NRW-Landtag als direkt gewählter Abgeordneter in den Bundestag ein. Auf der Landesliste steht der Name des 57-Jährigen an Position 56. Unser Interview mit dem Sozialdemokraten lesen Sie hier:Armutsmigration: Töns (SPD) fordert Sonderfonds fürs Revier.

Laura Rosen (CDU): Sie sitzt seit der Kommunalwahl 2020 im Rat der Stadt Gelsenkirchen, jetzt will sie für ein überregionales Mandat Stimmen sammeln: Laura Rosen, 26 Jahre alt, Diplom-Finanzwirtin (FH). Die Sachbearbeiterin im Finanzamt Gelsenkirchen ist seit 2014 Mitglied der CDU. Auf der Reserveliste der NRW-CDU steht Laura Rosen auf Platz 30. Die junge Politikerin folgt auf den ehemaligen Gelsenkirchener Oberbürgermeister Oliver Wittke, der seit 2013 für die CDU Gelsenkirchen Mitglied des Deutschen Bundestages war und seit März 2021 Hauptgeschäftsführer des „Zentralen Immobilien Ausschusses“ in Berlin ist. Unser Interview mit der CDU-Kandidatin lesen Sie hier: Rosen (CDU): „Nach 16 Jahren Regierung ist zu wenig passiert“

Irene Mihalic (Bündnis 90/Die Grünen): Mit einem Listenplatz 3 stehen die Chancen für die Grünen-Politikerin Irene Mihalic sehr gut, auch in der kommenden Legislaturperiode die Interessen Gelsenkirchens im Deutschen Bundestag vertreten zu können. Die ehemalige Polizeibeamtin und promovierte Juristin sitzt seit 2013 in Berlin, ist in der Grünen-Fraktion Sprecherin für Innenpolitik. Die heute 44-Jährige war in den Jahren 2009 bis 2013 auch Mitglied im Rat der Stadt. Unser Interview mit der Grünen-Kandidaten lesen Sie hier: Warum Irene Mihalic (Grüne) das Grundgesetz ändern will.

Marco Buschmann (FDP): Auch für den Kandidaten der FDP, Dr. Marco Buschmann, könnte es ab dem 27. September mit einer weiteren Wahlperiode im Bundestag weitergehen. Der Kreisvorsitzende der Gelsenkirchener FDP und gebürtige Gelsenkirchener hat den Landeslistenplatz 4 inne, an Position eins steht der Bundesvorsitzende der FDP, Christian Lindner. Der 44-Jährige promovierte Jurist ist seit 2017 Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion im Bundestag. Unser Interview mit dem FDP-Kandidaten lesen Sie hier: Buschmann (FDP): „Keine Jammer-Lieder mehr in Gelsenkirchen“.

Jörg Schneider (AfD): Der Politiker Jörg Schneider ist der Direktkandidat der Gelsenkirchener AfD und steht auf der Landesliste seiner Partei auf Platz 5. Sehr wahrscheinlich, dass der 57 Jahre alte Schneider, seit 2010 Lehrer am Berufskolleg für Technik und Gestaltung der Stadt Gelsenkirchen, auch dem 20. Deutschen Bundestag angehören wird. Er ist bereits seit 2017 Vertreter seiner Partei in Berlin. Schneider hatte sich bei der Kommunalwahl 2020 ebenfalls um das Amt des Gelsenkirchener Oberbürgermeisters beworben. Was Jörg Schneider im Interview zu sagen hat, lesen Sie hier: Schneider (AfD): Keine Solaranlagen auf deutsche Dächer.

Ayten Kaplan (Die Linke): Mit ihr stellt die Gelsenkirchener Linke ein neues Gesicht zur Wahl. Die 51-jährige Pädagogin folgt auf die verstorbene Ingrid Remmers, die bereits vor ihrem plötzlichen Tod ankündigte, nicht mehr kandidieren zu wollen. Auf der Landesliste ihrer Partei ist sie nicht zu finden. Lesen Sie hier das Interview mit der Linken-Kandidatin: Kaplan (Linke): 11. September war Wendepunkt für Migranten.

Die PARTEI will ebenfalls eine ehemalige OB-Kandidatin ins Rennen um einen Sitz im Bundestag schicken: die 1987 geborene Claudia Kapuschinski. Weitere Bundestagskandidaten für Gelsenkirchen sind Frank Perlik (Freie Wähler), Lisa Gärtner (MLPD), Frank Lustig (Basisdemokratische Partei Deutschland Die Basis) und Ronald Wetklo (Bürgerstimme).

Welche Parteien können in Gelsenkirchen über die Zweitstimme gewählt werden?

Der nordrhein-westfälische Landeswahlausschuss hat für die Bundestagswahl 27 Parteien zugelassen. Beworben hatten sich 32 Parteien mit ihren Landeslisten und insgesamt 781 Bewerberinnen und Bewerbern. Zurückgewiesen hat der Ausschuss die Listen von „Deutsche Mitte (DM)“, „Ab jetzt... Demokratie durch Volksabstimmung“, „Anarchistische Pogo Partei Deutschlands“, die „Unabhängige für bürgernahe Demokratie“ sowie die „Allianz für Vielfalt & Mitbestimmung“. Gewählt werden können mit der Zweitstimme nun:

  • Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)
  • Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
  • Freie Demokratische Partei (FDP)
  • Alternative für Deutschland (AfD)
  • BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (GRÜNE)
  • DIE LINKE
  • Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die PARTEI)
  • PARTEI MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ (Tierschutzpartei)
  • Piratenpartei Deutschland (PIRATEN)
  • FREIE WÄHLER
  • Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD)
  • Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP)
  • V-Partei³ - Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer V-Partei³
  • Partei für Gesundheitsforschung
  • Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD)
  • Partei der Humanisten (Die Humanisten)
  • Deutsche Kommunistische Partei (DKP)
  • Sozialistische Gleichheitspartei (Vierte Internationale SGPS)
  • Basisdemokratische Partei Deutschland (dieBasis)
  • Bündnis C - Christen für Deutschland (Bündnis C)
  • Die Urbane. Eine HipHop Partei.
  • Europäische Partei LIEBE (LIEBE)
  • Liberal-Konservative Reformer (LKR)
  • Partei des Fortschritts (PdF)
  • Partei für Kinder, Jugendliche und Familien (Lobbyisten für Kinder, LfK)
  • Team Todenhöfer - Die Gerechtigkeitspartei
  • Volt Deutschland

Wie wurde bei der Bundestagswahl 2017 in Gelsenkirchen gewählt?

Bei der letzten Wahl zum Deutschen Bundestag am 24. September 2017 hatte sich in Gelsenkirchen Markus Töns (SPD) mit 38,3 Prozent der Stimmen durchgesetzt. Oliver Wittke (CDU) erreichte damals 25,4 Prozent. Drittstärkste Kraft nach der Auszählung der Erststimmen war die AfD mit 16,9 Prozent, die Kandidaten der FDP (6,7 Prozent), der Linken (6,5 Prozent) und Grünen (4,6 Prozent),l agen dahinter.

Als Direktkandidat nach Berlin ging nach der Wahl 2017 also Sozialdemokrat Markus Töns. Aufgrund ihrer hohen Listenplätze erhielten aber auch Oliver Wittke (CDU), Irene Mihalic (Grüne), Ingrid Remmers (Linke) und Marco Buschmann (FDP) sowie Jörg Schneider (AfD) ein Bundestagsmandat. Das heißt: Der Wahlkreis ist mit sechs Abgeordneten und somit mit allen Direktkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien in Berlin vertreten gewesen.

Die Verteilung der Zweitstimmen sah bei der Wahl 2017 wie folgt aus: Die SPD erreichte 33,5 Prozent, die CDU 22,4 Prozent, die AfD 17 Prozent, die FDP 9,2 Prozent, die Linke 7,4 Prozent und Bündnis 90/Die Grünen 4,6 Prozent.

Wo und wie kann ich wählen?

Am Wahlsonntag werden insgesamt 156 Wahllokale ihre Türen für die Gelsenkirchener Wähler öffnen. Sie sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Die Wahllokale haben in der Zeit von 8 bis 18 geöffnet. Wer wo seine Stimme abgeben kann, hängt von der Wohnadresse ab. Die Stadt hat erneut eine Übersichtskarte aller Wahlräume ausgearbeitet. Sie ist online auf der Homepage der Stadt zu finden und gibt Auskunft über die Anschrift oder ob die Wahllokale barrierefrei sind.

Wer nicht ins Wahllokal kommen kann oder möchte, kann im Vorfeld auch per Briefwahl abstimmen. Auf der Rückseite der Wahlbenachrichtigung befindet sich der Antrag für die Briefwahl. Der ausgefüllte und unterschriebene Vordruck wird dann in einem verschlossenen Umschlag an die Stadt Gelsenkirchen geschickt. Hier lesen Sie, wie Sie Briefwahlunterlagen beantragen können.

Neben der Stimmabgabe am Wahlsonntag im Wahllokal oder der Briefwahl haben Gelsenkirchener auch noch die Möglichkeit, eine der beiden barrierefreien Wahlscheinstellen aufzusuchen. Sie öffnen am Montag, 30. August, und befinden sich an der Horster Straße 6 in Buer und im Atrium des Hans-Sachs-Hauses an der Ebertstraße. Die Wahlscheinstellen sind bis zum 24. September geöffnet, und das zu folgenden Uhrzeiten: montags bis mittwochs und freitags von 8 bis 16 Uhr, donnerstags von 8 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 12 Uhr. Am Freitag, 24. September, haben die Wahlscheinstellen noch einmal von 8 bis 18 Uhr geöffnet. (gowe/math/red)

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