Großbrand

Brandnacht-Lebensretter Karsten Höhne: „Ich bin kein Held“

Der Gelsenkirchener Kraftfahrer Karsten Höhne (48) hat in der Nacht auf Donnerstag alle Nachbarn aus den drei Brandhäusern in Buer aufgeweckt und ihnen so das Leben gerettet. Die Ergebnisse zur Ermittlung der Brandursache werden laut Polizei erst nächste Woche vorliegen.

Der Gelsenkirchener Kraftfahrer Karsten Höhne (48) hat in der Nacht auf Donnerstag alle Nachbarn aus den drei Brandhäusern in Buer aufgeweckt und ihnen so das Leben gerettet. Die Ergebnisse zur Ermittlung der Brandursache werden laut Polizei erst nächste Woche vorliegen.

Foto: Thomas Richter

Buer.  Beim Großbrand in Gelsenkirchen-Buer kamen keine Personen zu Schaden. Karsten Höhne hatte das Feuer entdeckt und alle seine Nachbarn aufgeweckt.

Als Karsten Höhne in der Nacht auf Donnerstag um 2.40 Uhr aus seiner Wohnung kommt, fällt ihm der Qualmgeruch im Hausflur auf. Der Berufskraftfahrer (48), der auf dem Weg zur Arbeit ist, tritt aus dem Treppenhaus in Freie. Blickt instinktiv nach oben. Und sieht die Flammen, die da oben auf dem Balkon im Dachgeschoss gen Himmel züngeln.

Er reagiert sofort, weckt als erstes einen Nachbarn aus der ersten Etage. Mit ihm rennt er durch alle drei Häuser, die zu diesem Gebäudekomplex am Rande der De-la-Chevallerie-Straße gehören, und hämmert mit Fäusten vor die Türen, schellt Sturm, schreit laut, macht Alarm. So schaffen sie es, alle übrigen Anwohner aufzuwecken. Und ihnen so das Leben zu retten.

Sachschaden in sechsstelliger Höhe

„Ich bin kein Held“, stellt Höhne im Interview mit dieser Zeitung am Freitagmorgen klar. „Ich habe nur in einer Notsituation sofort reagiert und das getan, was selbstverständlich war.“ Der Schrecken über das Feuer, das in der Nacht zuvor dort gewütet, drei Häuser zerstört und einen sechsstelligen Sachschaden zurückgelassen hatte, steht ihm noch ins Gesicht geschrieben.

Höhne läuft langsam über die De-la-Chevallerie-Straße, die in Fahrtrichtung Norden auch am Freitag immer noch gesperrt ist. Nach und nach trudeln andere Einwohner der drei Brandhäuser sowie die betroffenen Geschäftsinhaber ein. Gegen 10 Uhr dürfen sie für eine Viertelstunde ihre Wohnungen und Läden betreten und die wichtigsten Dokumente und Habseligkeiten herausholen. Ihr Zuhause werden sie danach wohl länger nicht mehr betreten dürfen. Zumindest die völlig zerstörte Dachetage wird auf Monate unbewohnbar sein.

Beim Feuerwehr-Notruf hing der Alarmgeber zunächst in der Warteschleife

„Da ist unser Retter!“, sagt eine Frau, als sie Höhne erblickt. Der wiegelt ab. Will gar nicht so sehr im Mittelpunkt stehen. Seine Nachbarn sind dennoch froh und erleichtert, wie gut der Mann reagiert hatte. „Ich habe natürlich auch sofort die Feuerwehr angerufen. Aber da habe ich erstmal in einer Warteschleife gehangen. Es hat etwas gedauert, bis ich jemanden in der Leitung hatte“, sagt Höhne.

Feuerwehr-Sprecher Frank Gies vermutet, dass in diesem Moment wohl mehrere Anrufer gleichzeitig die Notrufnummer gewählt hatten und der ein oder andere deshalb nicht sofort durchgekommen ist. „Die Notrufabfrage unserer Kollegen am Telefon ist klar strukturiert. Sie soll nicht länger als 30 bis 60 Sekunden dauern“, erklärt Gies. „Letztlich waren Feuerwehr und Polizei aber auch sehr schnell vor Ort“, bestätigen die Anwohner.

Inhaberin des Brautmodengeschäfts bekommt ein Ersatzladenlokal

Auch Angelika Ullrich steht vor den Häusern. Die Gladbeckerin ist Inhaberin des „Brautateliers Angelina“. Seit 30 Jahren betreibt sie das Geschäft, seit 1999 hat es seinen Sitz im Erdgeschoss des Eckhauses De-la-Chevallerie-Straße/Nienhofstraße, das ebenfalls schwer beschädigt wurde. Die Massen an Löschschaum und Wasser sind vom Dachgeschoss durch alle drei Häuser gelaufen. „Ich glaube, ich werde die komplette Ware wegschmeißen müssen“, sagt Ullrich mit Blick auf die rund 500 Brautkleider, die sie im laden ausgestellt und aufbewahrt hat. Der Wert jedes einzelnen liegt bei 1000 bis 2500 Euro. „Ich mache mir nun große Sorgen um meine berufliche Existenz“, sagt Ullrich mit ernster Miene.

Ein Silberstreif am Horizont tat sich für sie aber auf, als sie am Freitag erfuhr, dass sie nächste Woche ein Ersatzladenlokal an der Horster Straße beziehen kann, das direkt neben dem Kino „Schauburg“ liegt. „Und ich habe gute Lieferanten, die mir jetzt hoffentlich auch schnell aus der Patsche helfen können. Ich möchte wieder nach vorne schauen können.“

Vor Sorge kein Auge zugetan

In der Nacht auf Freitag habe sie vor lauter Sorge kaum ein Auge zugetan. Das gilt auch für den Retter Karsten Höhne, der mit seiner Familie bei den Schwiegereltern untergekommen ist. „Die Nerven sind am Ende“, gesteht er. Das gilt natürlich vor allem für den Mieter aus der Brandwohnung. Auch ihn hat Höhne wachbekommen und „im Schlafanzug aus der Wohnung nach draußen geschoben“. Und wurde auch hier zum Lebensretter.

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