Brand

Gelsenkirchen: Nach Flachdachbrand barfuß ins Freie gerettet

Ein Blick von oben auf die völlig zerstörten Dachgeschosse der drei Häuser an der De-la-Chevallerie-Straße in Gelsenkirchen-Buer. Die Löscharbeiten der Feuerwehr dauerten den gesamten Donnerstag über an. Der Brand war in der Nacht ausgebrochen. Alle 32 Anwohner blieben unverletzt.

Ein Blick von oben auf die völlig zerstörten Dachgeschosse der drei Häuser an der De-la-Chevallerie-Straße in Gelsenkirchen-Buer. Die Löscharbeiten der Feuerwehr dauerten den gesamten Donnerstag über an. Der Brand war in der Nacht ausgebrochen. Alle 32 Anwohner blieben unverletzt.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Buer.  Ein Balkon-Feuer wird zum Großbrand und macht drei Häuser unbewohnbar. De-la-Chevallerie-Straße bleibt Richtung Norden bis auf Weiteres gesperrt.

Der 50-jährige Anwohner steht am Donnerstagvormittag um halb zehn hinter dem Flatterband, das als Absperrung dient, und blickt hinauf zu seiner Wohnung. „Wir sind mitten in der Nacht von unserem Nachbarn geweckt worden. Er hat mit den Fäusten gegen unsere Haustür getrommelt und geschrien: Feuer, Feuer!“, erzählt der Mann. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern an der Hand war er durchs Treppenhaus ins Freie geeilt – und entkam so den Flammen, die in der Nacht auf Donnerstag gleich drei Häuser auf der De-la-Chevallerie-Straße in Gelsenkirchen-Buer schwer beschädigten. Das große Glück im Unglück: Alle 32 Anwohner, die in den drei betroffenen Häusern leben, kamen mit dem Schrecken davon. Dieser und der Sachschaden sind aber gewaltig.

Großbrand in Gelsenkirchen: Häuser sind unbewohnbar

„Wir sind im Schlafanzug raus auf die Straße und hatten nicht mal Zeit, uns Schuhe anzuziehen“, erzählt der Anwohner, der in einer Wohnung im dritten Obergeschoss lebt. Nun steht er in normaler Garderobe da. „Das sind Anziehsachen, die mir meine Cousins geliehen haben“, sagt er und zeigt auf die beiden Männer, die rechts und links neben ihm stehen. Seine Frau und Kinder hat er bei der Familie unterbringen können, die auch in Gelsenkirchen lebt. Er stehe schon seit Stunden wieder hier – weil er sehen will, was aus dem Zuhause wird. „Das Wichtigste ist, dass alle heil da rausgekommen sind“, sagt er.

Laut der Gelsenkirchener Feuerwehr konnten die Bewohner im Laufe des Donnerstags bei Freunden und Familie und in einem Gelsenkirchener Hotel unterkommen. Die betroffenen Häuser sind unbewohnbar – durch das Feuer sei das komplette Dachgeschoss zerstört worden, die unteren Etagen sind stark durch das Löschwasser betroffen, heißt es seitens der Feuerwehr. Entgegen anders lautender Berichte sei das Gebäude aber nicht einsturzgefährdet.

Alarm ging um 2.44 Uhr in der Nacht auf Donnerstag bei der Feuerwehr ein

Um 2.44 Uhr war der Alarm bei der Feuerwehr eingegangen: Ein Balkon brennt. „Alarmgeber war ein Anwohner des Hauses, der sich gerade auf den Weg zur Arbeit machen wollte“, berichtet Polizeisprecher Christopher Grauwinkel. Zunächst rückten die Besatzungen von drei Wachen mit einem rund 30-köpfigen Team aus, berichtete Feuerwehr-Sprecher Manuel Schneider. Als sie vor Ort eintrafen, stand bereits fest, dass sich alle Anwohner selbstständig in Sicherheit gebracht hatten. „Eine Menschenrettung war also nicht vonnöten“, so Schneider.

Das Feuer breitete sich in Windeseile von einem Balkon im vierten Obergeschoss auf das Flachdach darüber aus und griff so auf die beiden Nachbarhäuser über, die durch das durchgehende Dach miteinander verbunden sind. „Die Brandbekämpfung im Dachbereich ist besonders schwierig“, sagt Schneider. Mit einer Kombination aus Wasserfontänen und Löschschaum versuchten die Rettungskräfte, das Feuer in den Griff zu bekommen.

Weil sich das als äußerst schwierig erwies, wurden schnell Nachschubkräfte aktiviert. „In der Spitze waren 90 Leute von uns hier im Einsatz“, so der Feuerwehr-Sprecher. Darunter auch die Besatzungen von vier Drehleiterwagen, die das Feuer von oben aus der Luft bekämpften. Am späten Nachmittag waren dann noch 40 Einsätzkräfte der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr mit den Nachlöscharbeiten beschäftigt. Die Anzahl der Kräfte solle nun sukzessive reduziert werden, da nur noch sehr vereinzelt Glutnester aufflammen, so die Feuerwehr.

Ein Teppich aus Löschschaum liegt auf der De-la-Chevallerie-Straße

Auch am Morgen danach züngeln noch hier und da ein paar Flammen auf. „Das Feuer sitzt noch hartnäckig in den Zwischenräumen des Flachdaches und flammt immer wieder auf“, erklärt Schneider. Die De-la-Chevallerie-Straße ist gesäumt von einem riesigen Teppich aus Löschschaum. Das Löschwasser rinnt an der Hausfassade entlang. Die Geschäfte im Erdgeschoss der drei Häuser – ein Brautmodenladen, ein Tattoo-Studio und ein Versicherungsbüro – bleiben geschlossen. Und noch immer liegt der beißende Geruch des Rauchs in der Luft.

Auf dem Marktplatz in Buer, der direkt gegenüber vom Brandort liegt, haben sich seit dem frühen Morgen Dutzende Schaulustige versammelt, um einen Blick auf die Einsatzstelle zu werfen. Kräfte der Polizei achten darauf, dass niemand hinter die Absperrungen tritt. Weil die De-la-Chevallerie-Straße in beiden Fahrtrichtungen und auch die Nienhofstraße gesperrt waren, musste der Verkehr umgeleitet werden, was am Morgen zu langen Staus in und rund um Buer führt. Am späten Nachmittag vermeldete die Feuerwehr, dass De-la-Chevallerie-Straße in Fahrtrichtung Süden in Kürze wieder freigegeben werden kann. Die Fahrtrichtung Nord bleibt bis auf Weiteres gesperrt.

Ermittlungen des Brandsachverständigen können Tage dauern

Die Löscharbeiten dauern den ganzen Tag über an. Regelmäßig kommen frische Feuerwehrkräfte zum Einsatzort, um die erschöpften Kollegen abzulösen. „Zur Brandursache können wir noch gar nichts sagen. Wir haben den Bewohner der Brandwohnung aber bereits befragen können“, so Polizeisprecher Grauwinkel. Ein Brandsachverständiger könne sich die Häuser erst nach dem Ende der Löscharbeiten anschauen, um die Ursache zu ermitteln. „Das kann eventuell aber einige Tage dauern.“

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