Digitalisierung

Blockchain – Datenbank der Zukunft auch für Gelsenkirchen

Blockchain-Technologie könnte alsbald unsere Realität bestimmen.

Blockchain-Technologie könnte alsbald unsere Realität bestimmen.

Foto: Jenny Kane / dpa

Gelsenkirchen. .  An der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen wird an der Datenbank der Zukunft gearbeitet. Blockchain heißt das Zauberwort. Was dahinter steckt.

Die Blockchain-Technologie (übersetzt: Blockkette) macht es möglich, digitale Informationen zu verteilen, ohne dass diese kopiert werden können und bildet damit das Rückgrat einer neuen Art des Internets. Ursprünglich für die digitale Währung Bitcoin (Buy Bitcoin) entwickelt, findet die Tech-Community nun weitere Einsatzmöglichkeiten für die Technologie. Die Westfälische Hochschule (WH) Gelsenkirchen arbeitet intensiv mit und an dieser Technologie, die bald auch schon Einzug halten könnte in Ämtern und Behörden.

Professor Norbert Pohlmann ist der Leiter des Instituts für Internet-Sicherheit an der WH und skizziert für diese Zeitung künftige Anwendungsgebiete. „Die Blockchain-Technologie könnte im Bereich der Überprüfung von Zeugnissen und Zertifikaten in der Emscher-Lippe-Region zum Einsatz kommen“, sagt der IT-Experte. Beispielsweise um die Echtheit von persönlichen Unterlagen wie Zeugnissen zu dokumentieren. Immerhin seien zehn Prozent aller Zeugnisse eine Fälschung. Bei 23 Hochschulen in NRW und etwa zwei Millionen Studenten ist das eine erhebliche Fallzahl.

Hochschule nutzt bereits diese Technologie bei Zeugnissen

Darum werden an der Westfälischen Hochschule – in einem ersten Schritt vorerst nur im Fachbereich Informatik – Zeugnisse nicht nur als Papier, sondern auch als PDF-Datei an die Absolventen verteilt. Eine digitale Signatur der PDF-Datei des Zeugnisses wird in einer Blockchain verstetigt. „Die Arbeitgeber in der Region können dann die Echtheit der Zeugnisse mit Hilfe der Signatur in der Blockchain überprüfen. Zusätzlich sollen künftig die Bürgerämter in der Region in der Lage sein, Beglaubigungen auf der Basis dieser Technologie umzusetzen“, erklärt Pohlmann, der bereits weit über den Tellerrand hinausschaut. „In Zukunft könnte es eine digitale Blockchain-Identität geben, die den herkömmlichen Personalausweis ersetzt.“ Erste Expertenworkshops der WH in Zusammenarbeit mit dem Bundeswirtschaftsministerium sind bereits abgehalten worden.

Eine Art Buchhaltung 4.0

Doch was steckt hinter der Technologie, wie funktioniert sie und vor allem: Wie sicher ist sie?

Informationen, die auf einer Blockchain gespeichert sind, existieren als gemeinsam genutzte – und kontinuierlich abgeglichene – Datenbank. „Sie besteht aus einer Kette („chain“) von Datenblöcken („block“). Diese Kette wird dauernd um neue Blöcke erweitert, in denen Transaktionen abgelegt werden“, sagt Professor Pohlmann.

Klingt nach klassischer Buchhaltung und ist prinzipiell nicht weit davon entfernt: Es lässt sich prima mit der Arbeit eines Buchmachers vergleichen, der täglich alle Überweisungen in einem Netzwerk auf ein Blatt Papier schreibt und dieses abends in einen großen Ordner, ins Kassenbuch, heftet. „Das Blatt Papier wäre der Datenblock, der Ordner die Blockchain. Welche Informationen dabei in den Datenblöcken gespeichert werden – Zeugnisse, Besitzurkunden, Fracht- oder Warenbücher – das ist im Prinzip egal“, so der IT-Experte.

Hacker-Manipulation ist so gut wie unmöglich

Der entscheidende Unterschied ist der: Dieses Kassenbuch liegt nicht im Aktenschrank des Buchhalters und kann dort nur von ein paar wenigen zugangsberechtigten Leuten eingesehen werden, sondern es befinden sich Tausende Kopien dieses Kassenbuches auf Computern rund um den Globus. Heißt: Es gibt keine zentralisierte Version dieser Informationen, die ein Hacker manipulieren könnte. Neue Posten erscheinen demnach also in allen anderen Kassenbüchern und werden von den Computern, auf denen die Kassenbücher gespeichert sind, authentifiziert. Erst dann ist die Transaktion gültig. „Jede Zeile bleibt für immer und unveränderlich im Kassenbuch stehen und muss von Hunderten Computern authentifiziert werden“, sagt Pohlmann. Daher gelten Transaktionen über eine Blockchain – im Vergleich zu heutigen Systemen – als so gut wie fälschungssicher.

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