Festival der Freien Kulturszene

Blick zum bunten Horizont

Die ehemalige Lüfterhalle der Kaue war kurzfristig als Ausstellungsraum hinzugekommen. Hier zeigen KPR-Künstler Malerei, Skulpturen, Installationen und Video. Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool

Die ehemalige Lüfterhalle der Kaue war kurzfristig als Ausstellungsraum hinzugekommen. Hier zeigen KPR-Künstler Malerei, Skulpturen, Installationen und Video. Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool

Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen.   Mit viel Musik und bildender Kunst wurde „Hinterm Tellerrand geht’s weiter“, das Festival der Freien Kulturszene, in der Kaue eröffnet. Die Resonanz von außen war aber gering.

Frei war am Mittwochabend nicht nur die Kulturszene. Frei blieben zur Eröffnung des fünftägigen Festivals „Hinterm Tellerrand geht’s weiter“ in der Kaue auch ganz viele Plätze vor der Bühne. Die Auftritte der Bands wollten nicht mehr als 30, 40 Leute sehen. Im Erdgeschoss der Kaue kamen dafür die Künstler zwischen den Ausstellungsstücken der 9. Kunst Peripherie Ruhrstadt (KPR) untereinander ins Gespräch. Und das ist das erklärte Ziel des Festivals: die Vernetzung der Szene.

Lediglich 75 Besucher zählte Festivalleiter Ulrich Penquitt in der Kaue, beteiligte Künstler ausgenommen; nicht aber die Personen aus deren Dunstkreis. „Dritte“ fanden ihren Weg in die Kaue kaum. Schade, denn das Programm zur Eröffnung vom Festival der Freien Kulturszene war durchaus ambitioniert. Neben bildender Kunst wie Malerei, Skulpturen und Installationen waren Ska, Gypsy-Jazz, Rock und Pop im Angebot.

„Das ist keine Leistungsschau“, war Ulrich Penquitt nicht enttäuscht von der geringen Resonanz von außen. Vielmehr als um Masse gehe es um Qualität, gehe es darum: „Wie kann man Sparten zusammenführen? Die Kollegen sollen sich treffen und gegenseitige Projekte voranbringen. Die Generationen sollen sich verbinden. Wenn wir das schaffen, ist das Festival ein absoluter Erfolg.“ Und außerdem, so der Schauspieler, der am heutigen Freitag im Dialogstück „Drei alte Männer wollten nicht sterben“ von André Wülfing selber auf der Bühne steht, laufe das Festival ja auch erst an. Und zudem – das muss dazu gesagt werden – war die Eröffnung an einem Mittwoch vielleicht nicht glücklich gewählt. Ein Umstand, der auch einigen der Beteiligten nicht unbedingt behagte.

In Frack und Zylinder eröffnete Penquitt den Blick über, unter, vor allem aber hinter den Tellerrand. „Ich bin Festival“, sagte er und überließ nach ganz kurzer Einführung Magic Lauster, dem singenden Bergmann, die Bühne. Das Trio „Django Was Booked Up“ übernahm und spielte Gypsy-Jazz und Balkan-Sound, der wiederum vom Ska der Formation „Funky Fish & The Skangaroos“ abgelöst wurde – wie beschrieben vor fast leerer Kulisse. Wenn denn mal jemand den direkten Weg vor die Bühne fand, dann um das Papierbanner vor deren Kopf um einen künstlerischen Beitrag zu ergänzen, was durchaus erwünscht war.

Kurzfristig war für die kostenlos begehbare Ausstellung der KPR die ehemalige Lüfterhalle der Kaue hinzugekommen. In schroffer Betonkulisse tauchen die Arbeiten von Uwe H. Koch, Anna Hollmann, Katrin Keller (Malerei), Roger Löcherbach (Holzskulpturen), Martin Peter Phy (Installation) und Luis Saez und Jesse Krauß (Video) ihre Umgebung in individuelle Stimmungen. Besonders Katrin Kellers grell-bunte „Kompositionen“ kontrastieren mit dem schaurig-schön ausgeleuchteten Grau.

Im Erdgeschoss zeigt Bärbel Frank taktile Kunstobjekte, Sven Piayda und Karl Rosenwald Video-Installationen, von der Decke hängen Stoffskulpturen von Barbara Ring und Gemälde von Henning Dahlhaus, neben dem Kaue-Eingang prangt ein Graffiti von Beni Veltum und Jürgen Rudolph macht Lichtdesign. Und über der Theke zieht Arnold Schwarzenegger die Blicke auf sich. „The Wrestler“ Mickey Rourke und Leni Riefenstahl leisten ihm dabei Gesellschaft. Denn darum geht es schließlich: um Vernetzung.

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