„Bistro auf Schalke“

Bewährungsprobe für Handicap-Azubis an Herd und Tablett

Unter Strom: „Bistro-auf-Schalke“-Azubis Steven Busch, Chris Mühlenfels und Rosa Marmo (v.l.) machen die Teller servierfertig. Sie verwöhnen Familie und Freunde mit einem spanischen Vier-Gänge-Menü.

Unter Strom: „Bistro-auf-Schalke“-Azubis Steven Busch, Chris Mühlenfels und Rosa Marmo (v.l.) machen die Teller servierfertig. Sie verwöhnen Familie und Freunde mit einem spanischen Vier-Gänge-Menü.

Foto: Michael Korte

Gelsenkirchen-Berger Feld.   Einer besonderen Prüfung stellten sich Azubis mit Assistenzbedarf im integrativen „Bistro auf Schalke“: Sie kochten und servierten ein Menü.

Was für ein Abend! Die Auszubildenden im „Bistro auf Schalke“ sind sichtlich angespannt. Kein Wunder: Sie bewirten hauptsächlich Freunde und die eigene Familie. Mehr noch: Den ganzen Abend haben die jungen Menschen allein geplant, müssen sich nun an Herd oder Tablett bewähren.

„Ich hatte die Idee, weil ein solcher Abend auch Bestandteil meiner Ausbildung war“, sagt Jan Scholten, Küchenchef und einer der drei Betriebsleiter. „Für unsere Auszubildenden ist das ein Highlight.“ Weil sie zeigen dürfen, was sie können und man ihnen etwas zutraut. Die meisten haben einen Assistenzbedarf, werden hier, im Inklusionsbetrieb, ausgebildet und fit gemacht für den ersten Arbeitsmarkt. „Da ist ein solcher Abend eine gute Probe, ob sie gerüstet sind.“

Von Paella bis Creme Catalan

Die Azubis haben unterschiedliche Lernstände. Steven Busch etwa steht kurz vor der Abschlussprüfung. Die Herausforderung des heutigen Abends findet er gut. „Es macht Spaß und man lernt immer etwas dazu.“ Zumal der Ablauf etwas anders ist als an normalen Tagen. „Heute hat jeder seinen Posten und ist dafür verantwortlich. Sonst helfen alle überall.“ Der 22-Jährige richtet gleich die warmen Speisen an. Konkret besteht das aus spanischen Leckereien von der Paella bis zur Creme Catalan.

„Die Menschen sollen heute bei uns speisen und merken, die haben sich etwas gedacht bei der Menüfolge“, sagt Busch und ist mächtig stolz auf die Teamleistung. Kurz vor seiner Abschlussprüfung scheint er zufrieden mit seiner Jobwahl. „Ich habe schon als Kind gern gekocht. Auch später in der Schule. Danach habe ich hier anderthalb Jahre ein Praktikum gemacht – ich wollte mir einfach sicher sein.“ Nach seiner Ausbildung möchte er noch ein Jahr im Inklusionsbetrieb bleiben. „Weil nach der Prüfung erst die richtige Herausforderung wartet.“ Dann nämlich müsse sich der Koch bewähren.

Tims Eltern lassen sich vom Menü überraschen

Pling! Die Glocke erklingt im Minutentakt. Kenner wissen, das Essen steht bereit, will nun serviert werden. Zunächst gibt es einen kleinen Gruß aus der Küche. Auf den warten die Bußmanns gespannt. Sie sind mit der ganzen Familie hier, um Sohn Tim zu unterstützen, der seit September im Bistro lernt. „Er hat zu Hause viel geschwärmt, aber noch nichts verraten. Nur, dass wir uns auf einen außergewöhnlichen Abend mit Überraschungen freuen sollen“, sagt Mutter Susanne. Vater Volker ergänzt: „Diesen Abend wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.“ Er hat eben einen Blick auf das Menü geworfen. „Es gibt Paella. Darauf freue ich mich.“

Unter den 59 Gästen sind auch einige wenige Außenstehende. So wie Christian Behne. Er ist gekommen mit Mitarbeitern seines Unternehmens. Durch eine persönliche Verbindung hat er von dem Abend erfahren. „Ich habe sofort gesagt, da gehe ich hin. Ich kenne ein ähnliches Restaurant aus Essen, da bin ich immer zu Mittag hin gegangen“, erzählt er, dass er das Engagement der jungen Menschen mit Assistenzbedarf würdigen will. „Ich weiß, dass das für die Auszubildenden ein riesiges Event ist und eine große Herausforderung. Ich finde es toll, wie alle ihren Mut zusammen nehmen.“

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