Schul-Initiative

Bessere Integration durch mehr Sprachförderung

Beim Schuluntericht gerade für Kinder unter den Flüchtlingen und Zuwanderern helfen Bilder und Zeichnungen mit Texten.

Beim Schuluntericht gerade für Kinder unter den Flüchtlingen und Zuwanderern helfen Bilder und Zeichnungen mit Texten.

Foto: Michael Kleinrensing

Gelsenkirchen-Erle.   Nach den Sommerferien werden Räume der auslaufenden Michael-Ende-Förderschule genutzt, um neu ankommenden Kindern sprachlich zu fördern.

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Die Zuwanderung von Flüchtlingen und gleichermaßen von Südost-Europäern - sie hört nicht auf. In Gelsenkirchen leben zurzeit 7000 Flüchtlinge aus nicht EU-Staaten und noch einmal 7000 Zugewanderte aus Südost-Europa.

„Das stellt die Stadt als Schulträger vor große Herausforderungen in den Schulen, insbesondere bei Räumen, die zur Verfügung gestellt werden müssen“, sagt Stadträtin Annette Berg. Daher wird nach den Sommerferien die auslaufende Michael-Ende-Förderschule genutzt, um neu ankommenden Kindern eine sprachliche Erstförderung zu geben.

Keine Wartelisten wie in anderen Städten

Nach den Ferien stehen dort zwölf Klassenräume zur Verfügung. Sie sollen erst einmal auf die nächsten zwei Jahre gesehen jeweils 15 Kindern Platz bieten. „Wir haben keine Wartelisten wie andere Städte, in denen die Kinder zum Teil bis zu anderthalb Jahre auf Unterricht warten müssen“, betont die Stadträtin. Um diese Aufgabe stemmen zu können, hat die Gesamtschule Erle hierfür ein pädagogisches Konzept entwickelt, das auch eine zeitweise Integration in den Regelbetrieb vorsieht.

„Wir haben uns in anderen Städten umgesehen und denken, dass unser Konzept den Kindern die größtmögliche Chance bietet, schnell die Sprache zu lernen und in die Gesellschaft integriert werden zu können“, sagt der engagierte Schulleiter der Gesamtschule Erle, Andreas Lisson. Es gibt viele Kinder auch aus Südost-Europa, die zwar im schulpflichtigen Alter sind, aber trotzdem noch nie eine Schule besucht haben. Daher wird es eine Klasse zur Alphabetisierung geben, in der Schüler der Klasse fünf bis neun zusammen lesen, schreiben und Deutsch lernen. Lisson: „Das Aufnahmeverfahren beginnt am 20. Juni und läuft die Sommerferien hindurch.“

Froh ist der Schulleiter vor allem, „weil das gesamte Konzept aus einem Guss ist. Das bringt uns mit Sicherheit schnell weiter.“ Bei den Aufnahmegesprächen werden die Schülerinnen und Schüler je nach Können eingestuft. Es wird eine leistungsstärkere Klasse geben und eine andere für -schwächere Kinder.

Mathematik und weitere Naturwissenschaften

Drei solcher Klassen gibt es bereits, die Klassenstärke ist auf 15 Schüler begrenzt, damit es schnell gute Fortschritte geben kann. 15 Stunden Deutsch in der Woche werden die Schüler in diesen Klassen haben, vier Stunden Mathematik und weitere Naturwissenschaften. „Außerdem soll die Integration durch Sport und Hauswirtschaft gefördert werden, aber auch durch gemeinsame Aktivitäten im schulischen Bereich und in der Freizeit.

„Für die, die schon teilintegriert sind, wird es nach den ersten zwei Jahren, eventuell auch schon früher, eine Brückenklasse geben, in der sie individuelle Stundenpläne haben“, erklärt Lisson das Konzept. Nach dieser Klasse sollen die Schüler dann in die normalen Klassen eingegliedert werden. Zurzeit sind in der Sekundarstufe I, das sind die elf- bis 15-Jährigen ungefähr tausend Schüler in 72 Klassen untergebracht.

Das Konzept ist im Grunde ein Gesamtkunstwerk

Integration und Begegnung sind wichtig, insofern wird auf die gemeinsamen Aktivitäten besonderen Wert gelegt. Vier neue Lehrer hat die Gesamtschule seit 2014/2015 bekommen, um das Konzept umsetzen zu können. Auch ein Sozialarbeiter ist vor Ort, damit das Zusammenleben möglichst ohne Spannungen verläuft. „Das ganze Konzept ist im Grunde ein Gesamtkunstwerk“, sagt Stadträtin Annette Berg.

Zu diesem Kunstwerk gehört auch, dass es in der Gesamtschule Patenklassen gibt, die während der Schulzeit und auch im Freizeitbereich gemeinsam etwas unternehmen.

Gesprächsangebote auch für die Anwohner

Um die Integration der Flüchtlinge und südost-europäischen Kinder gut zu schaffen, engagiert sich auch Bezirksbürgermeister Wilfried Heidl. Erist von Beruf Sozialarbeiter und beschäftigt sich normalerweise mit Langzeitarbeitslosen, denen er hilft, wieder einen Einstieg ins Berufsleben zu bekommen.

„Schule ist ja keine Insel“, sagt er. Auch Schüler brauchten zum Beispiel Praktikumsstellen. Aus dem Grunde sei es wichtig, guten Kontakt zum Einzelhandel zu halten und Probleme bei Schülern und Jugendlichen frühzeitig zu erkennen.

Aus dem Grunde biete man für interessierte Anwohner vor allem im Umfeld des Standortes der Michael-Ende-Schule eine Woche lang Sprechstunden an.

„Wer Fragen in Zusammenhang mit den Integrationsklassen hat, wen Sorgen umtreiben oder wer einfach helfen möchte, kann in der Zeit vom 18. Juni bis 22. Juni jeweils in der Zeit zwischen 10 und 12 Uhr am Standort Surressestraße 22 mit uns sprechen“, betont Wilfried Heidl.

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