Gesamtschule

Berger Feld - Aussagen zur Zukunft vermisst

Mit Transparenten und Vuvuzelas demonstrieren am Montag Schüler, Eltern und Lehrer Gesamtschule Berger Feld für ihre Schule. Foto: Martin Möller

Mit Transparenten und Vuvuzelas demonstrieren am Montag Schüler, Eltern und Lehrer Gesamtschule Berger Feld für ihre Schule. Foto: Martin Möller

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Gelsenkirchen.„Die Toiletten sind eine Zumutung.“ Monetta Marchiano rümpft die Nase. „Dort stinkt es“, beschreibt die 16-jährige Schülersprecherin der Gesamtschule Berger Feld Montagabend am Rande der Demo, was an ihrer Schule im Argen liegt.

Dazu gehörten auch die teilweise „zugenieteten“ Fenster in den Klassenräumen. Die wiederum im Sommer miefen würden. Monetta drückt’s diplomatisch aus. Jeder Mensch habe ja eine andere Intensität an Ausdünstungen. „Die Raumluft ist im Sommer ganz schlimm. Es ist stickig und man kann sich kaum konzentrieren“, beschreibt sie den von ihr erlebten Ist-Stand.

Schulleiter Georg Altenkamp grenzt das Fensterproblem etwas ein. Vor sieben Jahren sei die Sanierung aller Fenster beschlossen und mit der Maßnahme auch begonnen worden. „Es ist aber nur eine Front im Erdgeschoss saniert worden“, sagt er. Das seien etwa acht bis 10 Prozent der Fenster. „Die Arbeiten wurden dann wegen der WM gestoppt.“ Und dabei blieb es seinen Worten zufolge. Die Fenster seien auch ein energetisches Problem. „Wir pulvern hier viel zu viel Energie raus“, sagt Altenkamp.

1360 Schülerinnen und Schüler

1360 Schülerinnen und Schüler besuchen die Gesamtschule im Schatten der Schalke Arena. An die 600 von ihnen im Sportbereich. Fünf Klassen in den Jahrgangsstufen 5 bis 9 haben gemeinsamen Unterricht, 35 Schüler mit Behinderungen würden hier lernen, zählt Altenkamp auf. Schulpflegschaftsvorsitzende Ilona Pleßa erinnert an den Mensaverein der GS, der fünf Schulen mit Essen beliefere. Und die eigene, natürlich. Sie ist ziemlich angesäuert. So wie ihre Stellvertreterin Daniela Gosda. „Wenn ich sehe, wie viele Millionen in das Projekt in der Stadt fließen ...“

Dabei sind sie nicht „futterneidisch“. Es geht allen – Schülern, Eltern und Lehrern – um eine klare Aussage zur Zukunft der Schule. Schließungsgerüchte machten immerhin auch schon die Runde. Als SPD-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Heike Gebhard eintrifft, betont sie mehrfach, dass solche Gerüchte jeder Grundlage entbehrten. Schulleiter Altenkamp hält ihr entgegen, dass die Schulpflegschaftsvorsitzenden darauf konkret angesprochen worden seien. In Erle ...

Immerhin, die SPD-Politikerin beschreibt deutlich, was sie tun würde: „Die Schule ist unbestritten zu groß“, stellt sie fest. Und sagt weiter, dass sie es für sinnvoller halte, anstatt den Unterricht mit Sanierungsarbeiten zu stören, eine neue Schule zu bauen. Entweder hier auf dem Gelände oder woanders. Bei der Standortfrage stößt sie auf Widerspruch. „Die Anbindung an die Arena ist ausgesprochen wichtig“, betont Altenkamp. Den Heike Gebhard in diesem Zusammenhang dann aber an den Mai 2010 erinnert. Zwar hatte der Schulleiter seinerzeit bereits betont, ein neuer Standort dürfe räumlich nicht weit von der Arena entfernt sein, das Stadtquartier Graf Bismarck aber als durchaus denkbar bezeichnet.

Apropos Mai 2010. Da war von einem Sanierungsbedarf in Höhe von 14 Millionen Euro die Rede. Das aktuelle Gutachten der Bezirksregierung beziffert den Bedarf mit 40 Millionen Euro.

SPD-Fraktion: „Die Schule verdient unsere volle Unterstützung“

Die gute Arbeit und besondere Bedeutung der Gesamtschule Berger Feld als Sportschule NRW steht für die SPD-Ratsfraktion außer Frage. Fraktionsvorsitzender Dr. Klaus Haertel: „Diese Schule verdient unsere Unterstützung, es gibt keinen Schließungsbeschluss. Wir erwarten von der Schulverwaltung, dass sie zügig einen Schulentwicklungsplan vorlegt, der sowohl die neuen Schulformen, die langfristige Entwicklung der Schülerzahlen und den Zustand und Sanierungsaufwand für die Schulen berücksichtigt.“

Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Barbara Filthaus, ergänzt: „Dabei ist es unser Ziel, die besten Bildungschancen für alle Kinder und Jugendlichen in Gelsenkirchen zu gewährleisten. Dabei setzen wir verstärkt auf Schulformen, die ein längeres gemeinsames Lernen aller ermöglichen. Wir brauchen für die Zukunft der Kinder passgenaue Bildungsgänge in modernen Schulgebäuden. Das wünschen wir uns auch für die Gesamtschule im Berger Feld.“

Die Schulentwicklung habe aber auch finanzielle Aspekte. Klaus Haertel: „Angesichts von mittelfristigen Sanierungskosten in Höhe von über 40 Millionen Euro für die GS Berger Feld, die der städtische Haushalt für solche Investitionen zurzeit nicht bereit hält, und langfristig sinkender Schülerzahlen müssen wir uns natürlich Gedanken machen. Auch scheint eine Sanierung im laufenden Schulbetrieb, so die Experten, nicht möglich zu sein. Es gibt keine einfache Lösung, wir verstehen auch, dass dies zu Verunsicherungen führen kann, bitten aber um Verständnis, dass der Abwägungsprozess noch nicht abgeschlossen ist.“

Dass man sich Gedanken um die Zukunft der Schule mache, zeige auch, dass der Planungsausschuss vor 14 Tagen, „in Abstimmung mit den Vorstellungen von Schalke 04 den Weg frei gemacht hat, einen möglichen passgenauen Neubau nördlich des jetzigen Standortes in die weiteren Planungen für die Zukunft einzubeziehen“.

Auch die Junge Union steht hinter der GS. „Wir erkennen die herausragende Arbeit an der Gesamtschule Berger Feld an. Als Eliteschule des Fußballs und Sportschule NRW ist sie ein Aushängeschild für Gelsenkirchen“ sagte JU-Vorsitzender Sascha Kurth.

Stadtverwaltung: Sicherheit im Brandfall ist nicht gefährdet

Die Gebäudesicherheit der Gesamtschule Berger Feld und auch die Sicherheit im Brandfall ist nicht gefährdet. Darauf weist die Stadtverwaltung Gelsenkirchen noch einmal ausdrücklich hin.

Der im WAZ-Beitrag von Schulleiter Georg Altenkamp formulierte Vorwurf, es gäbe Sicherheitsprobleme im Brandfall, ist nicht haltbar. Derartige Äußerungen sind ein unzulässiges Spiel mit der Angst der Kinder und Eltern, zumal die Schule über eine flächendeckende Sprinkleranlage und eine besondere Überwachung mit automatischen Brandmeldern verfügt.

Hinzu kommt eine flächendeckende akustische Alarmierung. Derartig umfassende Sicherheitseinrichtungen sind in keinem anderen Schulgebäude der Stadt installiert worden. Die Stadt Gelsenkirchen gewährleistet kurz- und mittelfristig den störungsfreien und sicheren Unterrichtsbetrieb im jetzigen Schulgebäude.

Über das weitere Verfahren, teilte die Verwaltung ebenfalls gestern mit, werde Schuldezernent Dr. Manfred Beck am heutigen Mittwoch vor der Schulkonferenz Auskunft geben.

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