Kultur & Literatur

Benno Fürmann mit eindringlicher Lesung in Gelsenkirchen

Schauspieler Benno Fürmann las am Montagabend im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier aus dem Buch „Fritz Bauer – oder Auschwitz vor Gericht“ von Dr. Ronen Steinke.

Schauspieler Benno Fürmann las am Montagabend im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier aus dem Buch „Fritz Bauer – oder Auschwitz vor Gericht“ von Dr. Ronen Steinke.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Der beliebte Schauspieler Benno Fürmann las und diskutierte am Montagabend im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier zum Thema Antisemitismus.

So manchen mag am Montagabend einfach der prominente Name ins Musiktheater im Revier gelockt haben. Nicht schlimm, denn das war durchaus so gewollt. Die Lesereihe „Gegen das Vergessen“ bringt bewusst bekannte Künstler auf die NRW-Bühnen, um die Menschen zum Thema Antisemitismus aufzuklären, um zu mahnen und zu warnen. In Gelsenkirchen las nun der bekannte Film- und Fernsehschauspieler Benno Fürmann aus einem überaus spannenden Sachbuch über den Juristen Fritz Bauer, den Generalstaatsanwalt, der in den 60er Jahren die Nazi-Schergen von Auschwitz vor Gericht brachte.

Der Abend geriet zu einer Mischung aus intensiver Lesung und informativer Talkrunde. Im unter Coronabedingungen gut besuchten Kleinen Haus erklärte die Ex-Justizministerin und heutige Antisemitismusbeauftragte des Landes NRW, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, warum eine solche Veranstaltung weiterhin wichtig ist: „Judenhass und Judenfeindschaft sind leider in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Unsere Pflicht ist es, aufzurütteln, diesen Antisemitismus sichtbar zu machen.“ Das Thema, appellierte sie eindringlich, gehe uns alle an. Gerade in diesen Tagen, in denen angesichts der Corona-Pandemie an neuen Verschwörungstheorien gestrickt werde.

Ein dunkles Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte

Autor und Journalist Ronen Steinke, der auch im MiR zu Gast war, blättert mit seinem Buch über einen mutigen und weithin unbekannten Juristen ein dunkles Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte auf. Durch Zufall stieß Steinke während seines Jurastudiums auf den Mann, der sich beharrlich gegen braune Seilschaften in der Justiz der noch jungen Bundesrepublik Deutschland zur Wehr gesetzt hatte. Fritz Bauer (1903-1968) kooperierte mit dem israelischen Geheimdienst (Steinke: „Am Strafrecht vorbei“), um Adolf Eichmann vor Gericht zu bringen. Außerdem setzte er den großen Frankfurter Auschwitz-Prozess durch.

Steinke zur Motivation, um das Buch zu schreiben: „Fritz Bauer war ein Ideal, eine strahlende Figur mit Rückgrat, ein leuchtendes Beispiel für Zivilcourage.“ Steinke setzte sich mit großer Akribie auf die Spur eines großen Juristen und Humanisten, mit dessen Hilfe 1963 in Frankfurt ein Mammutprozess gegen die NS-Verbrecher beginnen konnte.

Der Text steht bei Benno Fürmann immer im Mittelpunkt

Warum er das war, das dokumentierten eindrücklich die Lesekostproben. Schauspieler Benno Fürmann (48), unter anderem gefeierter „Babylon Berlin“-Darsteller und auch in Hollywood erfolgreich unterwegs, las über den Weg hin zum Auschwitzprozess, der teils wie ein unglaublicher Krimi anmutet. Der auf vielen Feldern engagierte Berliner trug den Text mit markanter, sonor gefärbter Stimme zügig und sachlich vor, ohne zu schauspielern, ohne groß die Hände einzusetzen. Oft hielt er sie einfach gefaltet vor den Buchseiten. Das machte den Text umso eindringlicher.

Im Gespräch mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger machte Fürmann auch das Medium Internet für den aktuellen Anstieg des Antisemitismus‘ verantwortlich. Anonym lasse sich leichter hetzen: „Ich aber glaube an die Bedeutung der direkten Begegnung.“ Dass sich alte Mären über das Judentum so lange halten würden, „das macht mich sprachlos“. Die Begegnung mit einem Filmstar und die Entdeckung einer außergewöhnlichen historischen Geschichte: Am Ende gingen alle Zuhörer bereichert nach Hause, viele davon ließen sich das Buch vom Autor und vom Vorleser signieren.

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