Schule

Beim Schüleraustausch die andere Seite des Lebens erlebt

Recherche auf dem Markt von Kolkata zum Thema Ernährung und Herkunft von Lebensmitteln. Auch für die indischen Schülerinnen war der Ausflug eine Premiere. Normalerweise kaufen die Dienstboten für ihre Eltern ein

Foto: Mareike Raabe

Recherche auf dem Markt von Kolkata zum Thema Ernährung und Herkunft von Lebensmitteln. Auch für die indischen Schülerinnen war der Ausflug eine Premiere. Normalerweise kaufen die Dienstboten für ihre Eltern ein Foto: Mareike Raabe

Ückendorf.   Beim Schüleraustausch der Gesamtschule Ückendorf mit dem indischen Kalkota haben die jungen Gelsenkirchenerinnen besondere Erfahrungen gemacht.

Schüleraustausch mit Indien: Bei aller Weltläufigkeit der Schulen heute ist das noch eine Seltenheit. Die Gesamtschule Ückendorf, seit Jahren Unesco-Schule, hat sich bewusst für dieses riesige Land mit seinen extremen Unterschieden und zum Teil dramatischer Armut entschieden. Über das Partnerschulen-Netz Pasch war man auf die „Modern High School for Girls“ in Kolkata (ehemals Kalkutta) gestoßen. Jetzt sind fünf Schülerinnen der GSÜ und fünf vom Ricarda-Huch-Gymnasium, die mit eingeladen wurden, vom Besuch in der Millionenmetropole zurück. Bereits im Mai 2017 waren 17 Inderinnen zu Gast in Ückendorf.

Thema Ernährung als Bindeglied

Der von der Unesco geförderte Austausch hatte das Thema Ernährung. Gegenseitig wollte und sollte man Herkunft, Zubereitung und Vorlieben bei Lebensmitteln erkunden. Neues entdecken konnten die Inderinnen dabei nicht nur bei ihrem Besuch in Gelsenkirchen, sondern auch in der Heimat. Denn normalerweise wird für die Privatschülerinnen von Dienstpersonal eingekauft. Auf den sehenswerten, üppigen Markt kommen sie selbst sonst gar nicht. Ein Fahrer bringt sie überall hin.

Bettelnde Straßenkinder und Reichtum in einer Straße

Das wiederum brachte die Gelsenkirchenerinnen zum Staunen. „Es gibt in Kolkata bettelnde Straßenkinder, Menschen leben überall auf der Straße, putzen sich die Zähne mit Dreckwasser. Und in der gleichen Straße leben die reichen Familien. Von außen sehen alle Häuser ähnlich aus. Aber sobald man im Hausflur ist, sieht man den Reichtum,“ staunt Helin (18). Und die Konfrontation mit der Not wirkt nach. „Als ich jetzt einen Spendenaufruf vom DRK gesehen habe, war das ganz anders. Weil ich gesehen habe, dass das Realität ist anderswo. Und es ist sogar noch schlimmer, als es auf dem Plakat aussieht,“ erklärt Helin. Elif (16) ergänzt: „Wir wissen jetzt, wie gut es uns hier geht.“ Und Mareike Raabe bestätigt: „Dort wird jeder Platz zum Leben ausgenutzt. Sie leben unter Brücken, Wäsche wird zwischen Gleisen getrocknet...“

Fleisch war in der Gastfamilie verpönt

Mit der indischen – sehr scharfen – Küche hatte nur eine Gastschülerin Probleme. In Dijanas (16) Gastfamilie war Fleisch verpönt. „Sie haben gesagt, wir können gerne Fleisch essen gehen. Aber ins Haus bringen dürfe man es nicht, “ erzählt sie. Sie habe es aber auch nicht vermisst, versichert sie.

Mit den Partnerinnen in Kolkata habe man sich gut verstanden, betonen alle, die Gastmütter seien wie Ziehmütter gewesen, der Kontakt besteht weiterhin, freuten sich auch die Mitreisenden des Ricarda-Huch-Gymnasiums.

Ricarda-Huch-Gymnasium mit von der Partie

>> Nach langen Vorgesprächen und einer Vorbereitungsreise von Schulleiter Achim Elvert, Organisatorin Mareike Raabe und Lehrerin Dunja Heinrich Ende 2016 stimmten die Eltern in Kolkata der Reise ihrer Töchter nach Deutschland zu.


>> Nach Kolkata waren auch fünf Mädchen plus Lehrerinnen vom Ricarda-Huch-Gymnasium mitgereist, der zweiten Unesco-Schule in der Stadt. An der GSÜ hatten sich nicht genug Eltern einverstanden erklärt für alle Reiseplätze.

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