Handeln

Beim Handeln geht es der Gelsenkirchenerin um Kommunikation

Für die Gelsenkirchenerin Ciriacoula Nalbadidaci geht es beim Feilschen um viel mehr als den Preis einer Ware. Die gebürtige Griechin liebt es, dabei Menschen kennen zu lernen.

Für die Gelsenkirchenerin Ciriacoula Nalbadidaci geht es beim Feilschen um viel mehr als den Preis einer Ware. Die gebürtige Griechin liebt es, dabei Menschen kennen zu lernen.

Foto: Awo

Gelsenkirchen.  Beim Feilschen geht es um vielmehr als den Preis. Es hilft, einander kennen und schätzen zu lernen, versichert Ciria Nalbadadidaci.

„Was fällt Ihnen als Griechin zum Thema Feilschen ein?“ Ciriacoula Nalbadidaci, genannt Ciria, lacht laut los. „Ganz viel“, sagt die 62 Jährige, die bei der Awo im Projekt interkulturelle Nachbarschaft arbeitet. „Wenn man in Griechenland auf einem Markt direkt den Preis akzeptiert, den ein Verkäufer nennt, guckt der einen an, als sei man nicht ganz richtig im Kopf“, sagt sie.

„Feilschen ist Kommunikation, Interesse am anderen zeigen“

In dem auch von Deutschen geliebten Sonnenland sei Feilschen weit mehr, als den Preis einer Ware herunterzuhandeln. „Feilschen, das ist Kommunikation. Man zeigt, dass man an dem anderen Interesse hat, ihn kennenlernen will.“ Die lebensfrohe Frau, im Ruhrgebiet als Kind von Einwanderern aufgewachsen, ist gerade wieder auf dem Weg in das Land ihrer Träume. In Kavala, östlich von Thessaloniki, ist sie zu Hause, wenn sie nicht gerade in Gelsenkirchen lebt.

Sie gibt Beispiele mitten aus dem Leben an der Küste der nördlichen Ägäis. Mit ihrer Schwester stöbert sie auf dem Markt nach Markenkleidung, die man dort für kleines Geld erstehen kann. „Die Sachen werden zum Beispiel in deutschen Boutiquen aussortiert und tauchen auf griechischen Märkten wieder auf“, erklärt sie. Drei qualitativ hervorragende Hemden aus Baumwolle und Leinen findet sie. Jedes Stück koste acht Euro, sagt der Verkäufer.

Beim Kaffee zum Handeln ins Erzählen gekommen

„Ich nehm sie, wenn ich für alle 15 Euro bezahle“, sagte Ciria. Nein, das sei viel zu wenig, antwortet der Händler. Gut, dann werde sie nur ein Hemd kaufen, ist ihre Einlassung. Ob sie einen kleinen Kaffee haben wolle, fragt der Verkäufer und wo sie denn geboren sei. „Wir stellen fest, dass wir beide in Nachbardörfern Norditaliens zur Welt kamen. Wir haben den Kaffee genossen und kamen ins Erzählen. Das Ganze hat wirklich ewig gedauert“, schildert die 62-Jährige ganz begeistert.

Schließlich einigt man sich auf einen Preis zwischen 15 und 18 Euro für alle drei Hemden, jeder ist zufrieden, man kennt den anderen ein wenig. „So geht das auf jeder Ebene“, sagt Ciria. Beim Blumenkauf genauso wie beim Wohnungskauf. Auch da wird ordentlich gehandelt. „Und nicht selten entstehen wirklich Freundschaften, die ein Leben lang halten.“ Es sei eben eine ganz andere Kultur als in Deutschland. Da ist die Dame aus dem tiefsten Ruhrgebiet ganz Griechin: Sie liebt das Feilschen.

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