Kakteenfreunde

Bei Kakteen-Minis blüht ein Gelsenkirchener Sammler auf

Georg Schindler (84) mit den Resten seiner Kakteen-Sammlung. Der Gelsenkirchener hat über 60 Jahre Kakteen gezüchtet, in Spitzenzeiten beherbergte er über 400 Pflanzen.

Georg Schindler (84) mit den Resten seiner Kakteen-Sammlung. Der Gelsenkirchener hat über 60 Jahre Kakteen gezüchtet, in Spitzenzeiten beherbergte er über 400 Pflanzen.

Foto: Joachim Kleine-Büning / Funke Foto Services GmbH

Gelsenkirchen-Beckhausen.  Georg Schindler hat fast 60 Jahre lang Kakteen gezüchtet. In einem Gewächshaus hegte er über 400 Exemplare.. Fasziniert ist er von den Blüten.

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Von einigen wenigen seiner Lieblinge hat sich Georg Schindler dann doch nicht trennen können: Sie stehen auf seinem Balkon, ein paar auf der Fensterbank. Es sind die letzten Reste von einst über 400 Kakteen, die er gehegt, gepflegt, vermehrt und gerne fotografiert, über die er auch „zahlreiche Lichtbildervorträge“ gehalten hat. Der Name sagt es schon: Schindler stammt aus der Dia-Zeit. 84 ist er mittlerweile. Vor rund einem Jahr hat er sein zeitintensives grünes Hobby aufgegeben.

Täglich mit dem Rad zum Gewächshaus gefahren

Drei Kilometer von der Wohnung entfernt hatte Georg Schindler sein Gewächshaus, 3,5 mal 3,5 Meter ist es groß, war Heimstatt für hunderte Zöglinge. Täglich ist er mit dem Rad dorthin gefahren, hat sich um die Pflanzen gekümmert, sich an den Kakteen erfreut. Allzu pflegeintensiv sind sie allerdings nicht. „Bei warmem Wetter muss man sie regelmäßig gießen, ein bis zweimal im Jahr bekommen sie speziellen Kakteendünger.“ Doch irgendwann wurde die Arbeit für Schindler, seit 24 Jahren aktiver Unruheständler, dann doch zu viel. „Ich habe es auch nicht mehr geschafft, mein Gewächshaus für den Winter zu isolieren. Das war mir zu anstrengend“. Mit Luftpolsterfolie auf den Glasflächen hat Schindler seine Kakteen stets vor den Unbillen des deutschen Winters geschützt, eine Elektroheizung hat die Temperatur im Glashaus stets auf mindestens fünf Grad Celsius gehalten.

Viel Tageslicht, Kühle und Trockenheit ab Oktober bis Mitte März, „wenn die ersten Knospen kommen“, das sind die idealen Rahmenbedingungen, um Kakteen gut über die dunkle Jahreszeit zu bringen. „Wenn sie dunkel stehen“, blühen sie nicht“, sagt der Kakteenfreund. Und das war es, was ihn immer an der Pflanzenart interessiert hat: die ungeheure Blütenvielfalt.

1959 die erste Kaktee gekauft

Weiße, blutrote oder zartviolette Blütenblätter, die sich aus der Dornenfülle erheben, walnussgroße Pflänzchen, die üppige Blütenkronen aufsetzen, wehrhafte Schönheiten, die mal für wenige Tage, oft jedoch gleich für Wochen blühen, haben Schindler schon früh begeistert. „1959 habe ich mir die erste Kaktee auf dem Markt gekauft“, sagt er. Irgendwann war dann auf meiner Fensterbank kein Platz mehr, dann kam das Gewächshaus dazu.“ Auf Tauschbörsen hat er nach besonderen Ablegern gesucht, selbst Kakteen getauscht oder verschenkt. „Verkauft wurde nichts“, sagt Schindler. Früh wurde er Mitglied in der deutschen Kakteengesellschaft, fing irgendwann dann mit seinen Vorträgen an. Die Leidenschaft wuchs und währt nun seit 60 Jahren. Wobei sie sich nicht auf Kakteen beschränkt. Über heimische Schmetterlinge („da habe ich rund 200 verschiedene im Dia“), die „Zauberwelt der Alpenblumen“ oder auch den buerschen Grüngürtel hat Schindler in der VHS oder bei Vereinen referiert. „Ich habe so um die 40 Themen gehabt, über die ich berichtet habe. Dabei hat mich immer die Qualität meiner Bilder ausgezeichnet“, sagt er.

Echinocereus scheeri hat „tolle rosa Blüten“

Bei den Stadtwerken, Abteilung Stromversorgung, war Georg Schindler beschäftigt. Auch am Arbeitsplatz fand er ein Plätzchen für seine Kakteen. Viel Raum brauchten sie nie, denn Schindler bevorzugt Zwergkakteen. „Viele, die sagen, Kakteen blühen ja nicht, haben die falschen Arten. Die brauchen teilweise sechs, sieben Jahre, bis sie das erste Mal blühen.“ Die Minis sind da anders. Wie Mammilopsis senilis („der ist schwierig zu überwintern“) oder Echinocereus scheeri – die hat „tolle rosa Blüten“.

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