Straßenbenennung

Bei Fischers ist der Straßenname eine Familiensache

Maria Christine (l.) und Johann Bernhard Fischer (r.), hier mit ihren Kindern Franziska (2.v.l.), Johann Heinrich und Christine, ließen sich 1867 als erste an der heutigen Fischerstraße nieder.
      

Foto: Privat/ANB

Maria Christine (l.) und Johann Bernhard Fischer (r.), hier mit ihren Kindern Franziska (2.v.l.), Johann Heinrich und Christine, ließen sich 1867 als erste an der heutigen Fischerstraße nieder.       Foto: Privat/ANB

Gelsenkirchen-Horst.   Die Familie von Ulrich Fischer aus Horst ist Namensgeber der heutigen Fischerstraße. Ururopa Johann Heinrich Fischer war 1867 der erste Siedler.

Geburten der Kinder, goldene Hochzeit: Familienjubiläen gibt’s viele. Eine Straßenbenennung gehört nicht dazu, sollte man meinen. Bei den Fischers ist aber genau das der Fall: „Am 8. November jährt sich zum 120. Mal die offizielle Benennung des westlichsten Teilungswegs in Horst nach dessen erstem Bewohner Johann Bernhard Fischer“, so Ururenkel Ulrich Fischer. Er wohnt zwar nicht an der Fischerstraße, ist aber leidenschaftlicher Horster und auch nach Jahren der Ahnenforschung fasziniert, dass sein Vorfahr Spuren im Ortsbild hinterlassen hat.

„Mein Ururopa war der erste Siedler an der jetzigen Fischerstraße“, hat der Maschinenbau-Ingeniur herausgefunden. Diese war (neben drei weiteren) als Weg nach der Aufteilung der Horster Mark 1849 zwischen dem Freiherrn von Fürstenberg und weiteren Berechtigten entstanden. Er begann im Norden an der quer verlaufenden Essener Chaussee westlich von Horst (heute: Essener Straße/Schmalhorststraße). Dort führte er per Brücke über die Mühlenemscher weiter in südliche Richtung, wo sich nach etwa 1200 Metern Haus und Land des ersten Fischers befanden. Nach weiteren 800 Metern endete der Weg an der damals Altenessener Stadtgrenze.

Land musste vor dem Bezug gerodet werden

Der Ziegelfacharbeiter Johann Bernhard Fischer aus Buer und seine Frau Maria Christine geb. Pötter waren 1867 in die Horster Mark gezogen. Die Zuwegung freilich zu ihrem Land war nur als nicht befestigter Weg hergerichtet. Kurz: Bevor das Paar dort ein Haus bauen konnte, musste aufwendig gerodet werden. „Dies geschah in Eigenarbeit und sicher mit viel Unterstützung der helfenden Verwandtschaft“, so Fischer (75).

Besonders gemütlich darf man sich das Land aber auch danach nicht vorstellen. „Die Nachbargrundstücke, die noch keinen Erwerber hatten, lagen noch lange verwildert und sumpfig brach; sie waren zum Teil zur Entwässerung mit Poldergräben durchzogen.“ Bis 1877 siedelten sich dort vier weitere Familien an. Der Weg aber wurde mit dem Namen Fischer in Verbindung gebracht – und erhielt die inoffizielle Bezeichnung „Fischers Weg“. Als er am 8. November 1897 zur Gemeindestraße wurde, wurde daraus dann offiziell die „Fischerstraße“.

Woher er all das weiß? „Meine Oma Maria Elisabeth Fischer hat mir davon erzählt, als ich ein Kind war. Ihr Schwiegervater hatte ihr davon berichtet.“ Dass sie damit den Grundstock legte für die Lust ihres Enkels an der Familienforschung, dürfte sie damals kaum geahnt haben. „Zu wissen, woher wir kommen, wie alles entstanden ist, finde ich ungemein spannend. Wenn das nur nicht so aufwendig und Zeit raubend wäre...“

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