Kultur

Ausstellung in Gelsenkirchen zeigt Graffiti des Räuber-Hotzenplotz-Sprayers

Räuber Hotzenplotz in Ückendorf: Die Fotoarbeiten von Julian Sonntag sind ab 26. Februar in der Galerie bild.sprachen zu sehen.

Räuber Hotzenplotz in Ückendorf: Die Fotoarbeiten von Julian Sonntag sind ab 26. Februar in der Galerie bild.sprachen zu sehen.

Foto: Julian Sonntag

Gelsenkirchen.   Seit Jahren besprüht ein Unbekannter im Gelsenkirchener Süden Industrieruinen und Abrisshäuser mit Graffiti vom Räuber Hotzenplotz. Die Gelsenkirchener Stadtteilgalerie bild.sprachen zeigt ab 26. Februar eine Fotodokumentation der Werke.

Eine solche Kunst-Kette gibt es nicht alle Tage: Ein Fotograf würdigt einen Graffitikünstler, der seinerseits einem Illustrator huldigt, welcher wiederum tief in die Gedankenwelt eines Jugendbuchautors eingedrungen ist und einer der berühmtesten deutschen Kinderbuch-Figuren ihr unverwechselbares Erscheinungsbild gegeben hat.

Am Anfang und am Ende dieser Kette steht der Räuber Hotzenplotz, und eine Ausstellung in der Stadtteilgalerie bild.sprachen erzählt ab 26. Februar davon, wie dieser Hotzenplotz nach Ückendorf kam und was er hier so anstellt.

Seit ein paar Jahren treibt ein unbekannter, ein unerkannter Sprayer im Gelsenkirchener Süden sein putzmunteres Wesen: auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Alma, in und auf Industrieruinen, in Abrisshäusern, auf legalen Sprayflächen. In seinen Graffiti greift der Anonymus auf die Bildmotive zurück, die der Essener Maler und Zeichner Franz Josef Tripp (1915-1978), einer der großen deutschen Kinderbuch-Illustratoren der Nachkriegszeit, für die unsterblichen Hotzenplotz-Geschichten von Otfried Preußler schuf.

Mehr als nur eine Fotodokumentation

Diesem Meister der Sprühdosen ist Julian Sonntag seit 2005 auf den Fersen. Der 26-jährige Fotograf aus Recklinghausen, dessen Arbeiten u.a. auf der Messe bild.sprachen 2010 im Wissenschaftspark zu sehen waren, folgt dem Graffitikünstler mit zeitlicher Verzögerung; Sonntag sucht nach Spuren und findet die fertigen Spraywerke, fotografiert diese und schafft damit sozusagen ein Werkverzeichnis des Unbekannten.

Dabei sind Julian Sonntags Fotografien weit mehr als die bloße Dokumentation eigenständiger, durch Stil und Qualität überzeugender Graffiti-Arbeiten. Der Fotograf deutet, interpretiert, erläutert; er zeigt – oft aus ungewöhnlichem Blickwinkel – die Wandbilder im Kontext größerer, vergänglicher oder schon dem Untergang geweihter Bild-Räume und verschafft dem Betrachter so einen völlig neuen Zugang.

Die Ausstellung „Als der Räuber Hotzenplotz nach Ückendorf kam“ zeigt rund 30 von Julian Sonntags Arbeiten, fotografiert in Bauwerken und auf Freiflächen der ehemaligen Zeche Alma. Dazu kommen einige an anderen Orten des Reviers entstandene Aufnahmen. Zur Eröffnung am Samstag, 26. Februar um 15 Uhr durch Bezirksbürgermeister Bernd Lemanski ist auch eine Lesung aus Otfried Preußlers Buch geplant. Die Ausstellung ist dann in der Bergmannstraße 37 bis zum 9. Juli immer samstags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

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