Altlasten

Aus Kokerei-Wüstenei wird in Gelsenkirchen eine Waldfläche

Luftbild des Geländes Graf Bismarck, das mit aufwendigen Bodensanierungen wieder nutzbar gemacht wird.

Luftbild des Geländes Graf Bismarck, das mit aufwendigen Bodensanierungen wieder nutzbar gemacht wird.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen.   RAG saniert bis 2020 die Industriebrache der Kokerei Graf Bismarck. Die Altlasten im Untergrund werden abgedichtet. Die Fläche wird zur Grünzone.

Aus schwarz mach grün. Aus Wüstenei und abgeriegelter Industriebrache mach eine Waldfläche, die künftig frei zugänglich sein soll. So lauten der Arbeitsauftrag der RAG und die Perspektive für 13,5 Hektar Gesamtfläche – allerdings erst nach 2020. Die Realität auf dem Gelände der ehemaligen Kokerei Graf Bismarck zwischen Uechtingstraße, Johannes-Rau-Allee und Rhein-Herne-Kanal sieht noch anders aus. Dort wird vorerst an der Zukunft gebaut.

Bis 2003 lagerte auf dem Gelände die „nationale Kohlereserve“ auf höchst belastetem Untergrund. Es sind Hinterlassenschaften der Kokerei Graf Bismarck, die bereits 1973 den Betrieb beendete. 2015 fiel dann der Startschuss für die bereits 2014 genehmigte Altlastensanierung, das Landschaftsbild wird seither nachhaltig durch die Firma Ecosoil verändert. Auftraggeber: die RAG Montan Immobilien GmbH.

Ein neues Viertel ist entstanden

Am Kanal ist in der vergangenen Dekade ein neues Viertel entstanden. Graf Bismarck, das steht für Leben und Arbeiten am Kanal, für gehobenen Wohnungsbau und vorzeigbare Gewerbeimmobilien, für die neue Marina und ein künftiges Hotel. Nebenan ist noch an der Grenze zu Schalke-Nord das alte Revier präsent – als Brache im Umbruch. Die Sanierungsphase ist abgeschlossen, aktuell läuft der Bodenauftrag für die spätere Oberflächengestaltung. Aktuell liefern noch rund 50 Lkw pro Tag Bodenmaterial an. „Das Abdichtungssystem wird bis Mitte 2019 vollständig geschlossen sein. Derzeit wird der Bodenauftrag zur Flächenendgestaltung durchgeführt. Ab Mitte 2020 beginnt dann der Wegebau.“ Der Abschluss der Maßnahme sei für Ende 2020 geplant, sagt Stephan Conrad, Sprecher der RAG Immobilien GmbH.

Lebensraum für Tierarten wie die Kreuzkröte

Die Arbeiten sollten eigentlich bereits 2018 beendet werden. Doch dann wurde nachjustiert, nachdem die Bezirksregierung eine Gestaltungsplanung des Bauwerks gefordert hatte, die auch die Lebensraumansprüche heimischer Tierarten wie zum Beispiel der Kreuzkröte berücksichtigt. Dadurch, so die RAG, erhöhte sich auch deutlich der Bodenbedarf von ursprünglich 600.000 auf 800.000 Kubikmeter, womit sich letztlich auch die Bauzeit entsprechend verlängert habe.

Kanal leitet das Regenwasser ab

Zu den RAG-Baustellen mit Ewigkeitslasten im Revier darf man auch diese Fläche zählen: Was hier im Untergrund schlummert, wurde auf 7,5 Hektar Grund gründlich und sicher abgedeckt, Regenwasser kann nicht mehr ins Erdreich eindringen und kontaminierte Stoffe ausschwemmen – so der Plan. „Das anfallende Regenwasser wird in einen Regenwasserkanal in der Johannes-Rau-Allee eingeleitet. Des Weiteren ist seit Jahren eine Grundwasserreinigungsanlage in Betrieb, die die dortigen Grundwasserströme auffängt und reinigt“, erklärt Conrad.

Das Terrain soll später frei zugänglich sein

No-go-Area war das Gelände offiziell einst. Künftig, so die RAG, solle das Terrain in Abstimmung mit der Stadt Gelsenkirchen „frei zugänglich sein“, die Pflege der Wege erfolge durch die Kommune. Lediglich in Rand- und Böschungsbereichen sind Anpflanzungen vorgesehen. Die geplanten Waldflächen sollen sich hingegen natürlich entwickeln.

Die Kosten beziffert Conrad mit rund sieben Millionen Euro. Sie werden komplett durch die RAG getragen.

>>> Zahlen zur Sanierung

  • 57,5 Meter über Normalnull (16 Meter über dem Gelände) wird die Endhöhe der Fläche sein.
  • 50.000 Kubikmeter Erdreich wurden vor Ort umgelagert, 800.000 Kubikmeter neu aufgebracht.


  • 7 Millionen Euro kostet die Sanierung.

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