Theaterprojekt

Aus Pottfiction am Consol Theater wird Europefiction

Im „Pottfiction Camp“ treffen sich seit 2010 junge Theatermacher aus der Region. Nun soll das Projekt mit europäischen Partnern erweitert werden.

Im „Pottfiction Camp“ treffen sich seit 2010 junge Theatermacher aus der Region. Nun soll das Projekt mit europäischen Partnern erweitert werden.

Foto: Klaus Pollkläsener

Gelsenkirchen/Herne.   Seit dem Kulturhauptstadtjahr 2010 treffen sich bei Pottfiction junge Theatermacher aus dem Revier. Jetzt wird das Projekt deutlich erweitert.

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Es ist eines der wenigen Projekte der Kulturhauptstadt 2010, die überlebt haben: „Pottfiction, das gemeinsame Jugendtheaterprojekt“ von fünf Ruhrgebietsstädten, das in den Sommermonaten auf dem Gelände der Flottmann-Hallen sein Camp abhielt und sonst oft auf dem Gelände des Consol-Theaters an der Bismarckstraße 240 Station macht.

Format soll weiterentwickelt werden

Aber nicht mehr lange, denn aus „Pottfiction“ wird „Europefiction“: „Wir haben einfach gemerkt, dass die Geschichte von ‘Pottfiction’ auserzählt ist, dass sich die Ideen immer wieder ähnelten. Deshalb war es an der Zeit, das Format weiterzuentwickeln“, erklärt Georg Kentrup vom Consol-Theater. Die größte Veränderung wird darin bestehen, dass sich das Projekt in fünf weitere europäische Länder ausdehnt. „Viele junge Menschen haben ja Visionen für Europa, hier soll es darum gehen, die Ideen und Vorstellungen untereinander auszutauschen“, betont Kentrup, der „Pottfiction“ von der ersten Minute an begleitet hat.

Jugendtheater suchen Partner im Ausland

Bei einer ersten Pressekonferenz erklärten nun Manuel Moser und Inga Sponheuer als künstlerische Leiter das neue Konzept: Jeweils ein Jugendtheater aus dem Ruhrgebiet verbindet sich mit einem Partner aus dem Ausland, mit dem es auch gemeinsam an einem Thema arbeitet.

GE und Liverpool

So entwickelt etwa das Helios Theater Hamm mit einem Theater aus Budapest zwei Präsentationen zum Begriff „Solidarität“, das Junge Schauspielhaus Bochum und die Rotterdamer bearbeiten „Schutz“. Um „Vernunft“ geht es bei der Kooperation des Dortmunder Kinder- und Jugendtheaters mit Paris, während sich das Consol-Theater Gelsenkirchen und Liverpool der „Krise“ künstlerisch widmen. Lediglich das Herner Theater Kohlenpott ist noch nicht liiert: Eine ursprünglich geplante Partnerschaft mit dem Teatro Sanita aus Neapel scheiterte an dessen Neuausrichtung. Doch in Herne ist man zuversichtlich, in Kürze einen neuen Partner präsentieren zu können.

Moser: „Der Weg nach Europa ist alternativlos“

Das unter anderem mit Landesmitteln geförderte Kooperationsprojekt „Europefiction“ ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Vertreter der beteiligten Theater lernten sich beim jüngsten „Pottfiction“-Camp bereits kennen. Ihre gemeinsame Leitfrage ist: „In was für einem Europa willst du leben und was bist du bereit, dafür zu tun?“ „Wir sind ein politisches Kunstprojekt und möchten auch über politische Inhalte sprechen“, machen die neuen künstlerischen Leiter deutlich. „Der Weg nach Europa ist alternativlos“, beschreibt es Manuel Moser zudem.

Der Projektrahmen wächst

Für „Europefiction“ wird der Projektrahmen deutlich wachsen: „Es nehmen statt 80 in Zukunft rund 150 Jugendliche und ihre Betreuer sowie jeweils zehn bis 20 Künstler pro Jahr teil“, rechnet Georg Kentrup vor. Das bedeute für das Consol-Theater einen deutlichen Mehraufwand, aber: „Mit Projekten wie diesen wollen wir auch dem Rechtsruck, der in vielen europäischen Ländern immer stärker zu spüren ist, entgegenwirken“, erklärt der Gelsenkirchener. Die jungen Theatermacher aus Liverpool seien zudem sauer über die Brexit-Entscheidung, die über ihre Köpfe hinweg getroffen worden sei, als sie noch nicht wahlberechtigt waren. Für „Europefiction“ sollen die Nationen nun zumindest kulturell wieder enger zusammenrücken.

>> Info: Europäischer Austausch beginnt 2019

  • Schon Anfang 2019 wollen alle Ruhrgebietstheater ihre Partner im Ausland besuchen, bevor man sich beim nächsten erweiterten Sommer-Camp in Gelsenkirchen wiedertrifft.

  • Zwischendurch soll ein reger Austausch zu diversen Themen mit Europaschwerpunkt – auch digital – stattfinden.

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