Osterspaziergang

Auf dem Rad durch die Baumblüte in Gelsenkirchen

Als ADFC-Tourenleiterin kennt Ursula Gransch (79)  jeden Winkel in der Stadt und in der Region.

Als ADFC-Tourenleiterin kennt Ursula Gransch (79) jeden Winkel in der Stadt und in der Region.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen-Buer.   Ursula Gransch (79) ist Tourenleiterin beim ADFC. Ihre Empfehlung für einen besonderen Osterspaziergang: Einmal rund um Gelsenkirchen.

Dass Strom und Bäche vom Eise befreit sind, dieser holde, belebende Blick wollte sich am vergangenen Wochenende partout nicht einstellen.

Und jetzt? Für die nächsten Tage sind fast schon sommerliche Temperaturen vorhergesagt, beste Voraussetzungen also für einen Osterspaziergang, zur Abwechslung mal mit dem Fahrrad, begleitet von Goethes Versen.

Doch an Blumen fehlt’s im Revier,

Sie nimmt geputzte Menschen dafür

Doch wo damit beginnen? Für Ursula Gransch ist das keine Frage. Als Tourenleiterin des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in Gelsenkirchen kennt sie jeden Winkel in der Stadt und in der Region. Die 79-Jährige kann also aufsteigen und ohne Orientierungsschwierigkeiten losfahren.

Ihre Feierabendtouren starten meist an der IKK an der Emscherstraße, die Tages- oder Halbtagstouren lässt sie oft an der Kanalbrücke im Nordsternpark beginnen, in beiden Fällen also mitten in der Stadt.

Aus dem hohlen finstern Tor

Dringt buntes Gewimmel hervor

„Unser Gelsenkirchen“ hat sie eine Tour überschrieben, die sie vor einiger Zeit einmal für den Start zum Stadtradeln ausgearbeitet hatte. Vom Nordsternpark zum Golfplatz und Schloss Horst, von dort weiter am Schalker Fan-Feld am Sutumer Friedhof vorbei Richtung Schüngelbergsiedlung, Hochschule, Stadtteilpark Hugo, Arena und Schloss Berge sind die ersten Stationen dieses Ausflugs.

Dann geht’s weiter Richtung Osten zur Lindenhofsiedlung in Erle, nach Süden in Richtung Graf Bismarck, Zoo und Bulmker Park. Da ist es nicht mehr weit bis zum Hans-Sachs-Haus in der Altstadt und von dort noch ein paar Pedaltritte bis zum Revierpark. Und gleich nach der Feldmark kommen auch schon Heßler und dann der Ausgangspunkt der Tour in den Blick.

Jeder sonnt sich heute so gern.

Sie feiern Auferstehung des Herrn

40 Kilometer sorgsam verteilte Anteile auf den Stadtnorden wie Stadtsüden bringen die 79-Jährige nicht so schnell aus der Puste. „Radfahren hält Kopf und Körper jung“, sagt sie und schwärmt von den Vorzügen des Pedalierens: „Bewegung an der frischen Luft, Geselligkeit, Kultur, Natur: Es ist doch alles da.“ Und das mitten in Gelsenkirchen und auch drum herum.

Wenn jetzt die Kirschbäume blühen, sei das doch ein einmaliges Bild, für das man nicht zur Heerstraße nach Bonn oder gar bis nach Japan fahren muss. Ein gutes Dutzend Teilnehmer findet sich immer ein zu ihren Touren.

Sieh wie behend sich die Menge

Durch Gärten und Felder zerschlägt

„Als wir jetzt mit dem Radeln nach dem neuen Knotenpunktsystem in die Saison gestartet sind, waren es fast 50 Radler“, berichtet Gransch.

Was sollte man beachten, wenn man nach dem Winter wieder aufs Rad steigt? Das Rad sollte technisch in Ordnung, die körperliche Fitness so ausgeprägt sein, dass man sich auch eine Tour zutraut.

Ich höre schon des Dorfs Getümmel,

Hier ist des Volkes wahrer Himmel.

Diese Voraussetzungen sollten auch für die ADFC-Touren mitgebracht werden. Ihr Tipp: „Immer darauf achten, welcher Schwierigkeitsgrad angegeben ist.“ Selbst als mittel oder schwer eingestufte Touren seien zu bewältigen: „Fast alle haben heute doch Pedelecs“ beschreibt sie Vorzüge der elektromotorischen Unterstützung. Also rauf aufs Rad und die Natur genießen. Zufrieden jauchzet groß und klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!

Neue Stadtkarte enthält

Touren und Themenvorschläge

Wer die Stadt auch ohne große Ortskenntnis auf dem Rad erkunden will, kann auf zahlreiche Karten zurückgreifen, die aktuellste ist kürzlich von Stadt, Stadtmarketing und ADFC herausgegeben worden: „Unterwegs mit dem Rad. Tourenvorschläge in und um Gelsenkirchen“, erhältlich im Rathaus Buer und im Hans-Sachs-Haus.

Acht Touren, 17 bis 40 km lang, zeigen die Stadt aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Mal geht’s um die schönen Ecken nebenan, dann auch um Bergbau, Klima und Kunst. Verbesserungswürdig ist für Ursula Gransch auf jeden Fall der Radwegausbau: „Von Buer nach Gelsenkirchen zu kommen auf der Kurt-Schumacher-Straße, das ist doch eine Katastrophe“, schimpft sie. Wer lieber umgewandelte Bahntrassen nutzt, sollte beachten: Auch dort gibt es Baustellen, aktuell auf der Hugobahntrasse und auf dem Nordsternradweg.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben